6. Januar 2018

Zug der Heiligen Drei Könige zieht durch die Europastadt Görlitz-Zgorzelec

Über 2000 Jahre eher als im Jahr 2018 hätte das Kamel gelebt haben müssen, um die Chance gehabt zu haben, die Weisen aus dem Morgenland zum Kind in der Krippe, im Stall von Bethlehem begleiten zu können. Nun steht es am Görlitzer Obermarkt. Der Direktor des Görlitzer Tierparks, in dem das Kamel zuhause ist, begleitet es auf dem Zug der Heiligen Drei Könige am 6. Januar von der Dreifaltigkeitskirche in Görlitz über die Altstadtbrücke bis zum Dom Kultury in Zgorzelec.

Während des Liedes: „Seht ihr unsern Stern dort stehen…“ wird der polnische Stern auf die Bühne gebracht. Die drei Könige treten näher. Der Pfarrer der Pfarrei Heiliger Wenzel, Görlitz, Norbert Joklitschke, begrüßt „herzlich auf der deutschen Seite der Europastadt Görlitz-Zgorzelec den Zug der heiligen drei Könige. – serdecznie witamy!“. Die Moderatorin übersetzt die Texte jeweils in die andere Sprache. Pfarrer Joklitschke sagt: „Seit 2011 ist dieser Tag in Polen auch ein staatlicher Feiertag. Viele Geschäfte sind heute auf der polnischen Seite unserer Stadt geschlossen. In Polen wird der Feiertag der Heiligen Drei Könige traditionell sehr feierlich gestaltet“. Das ist nicht zu übersehen. In grüne, blaue und rote Gewänder gehüllt, stehen die einzelnen Gruppen bis hinein in die Brüderstraße, durch die sich der Zug in wenigen Minuten in Bewegung setzen wird. Auch über mobile Lautsprecher ist die Stimme von Pfarrer Joklitschke zu hören. Er sagt: „Zusätzlich erhält der Tag für die Mitglieder der orthodoxen Kirche Bedeutung – sie feiern heute den Heiligabend. Überall in Polen sieht man, wie der Tag der Heiligen Drei Könige mit einem großen Umzug geehrt wird. Die Dreikönigszüge finden an mehreren hundert Orten statt, nicht nur in Polen, sondern auch in der Ukraine, Großbritannien, Rumänien, Italien, den USA, Mexiko. So wird der Dreikönigstag nach den Gottesdiensten in allen Kirchen zu einem farbenfrohen und attraktionsreichen Ereignis, auch auf den Straßen! Bunt kostümierte Kinder und Jugendliche in verschiedenen Farben sind überall zu sehen. – Sie stellen die Kontinente unserer Erde dar. Nach christlicher Tradition kommen sie alle, um dem Jesuskind zu huldigen. Denn Jesus ist nicht nur für die Frommen gekommen. Gott ist für alle Menschen da! Euch alle heißen wir auch auf der deutschen Seite unserer Stadt herzlich willkommen. An dieser Stelle darf ich auch Grüße von unserem Bischof Wolfgang Ipolt übermitteln. – Er wünscht dem Zug der drei Könige bestes Gelingen“.

Der Bischof hat, neben den Bürgermeistern der beiden Städte und dem Bischof von Legnica/Liegnitz, ein Grußwort geschrieben, das in den Heften, welche die Liedtexte enthalten, abgedruckt ist. Darin schreibt Bischof Ipolt unter anderem: „Mit dem Zug der Könige in unserer Europastadt Görlitz/Zgorzelec erinnern wir an diese große Pilgerfahrt der drei Sterndeuter aus dem Morgenland. Wir laden damit die Menschen unserer Doppelstadt ein, sich bei dieser Reise zu Christus, dem neugeborenen König, anzuschließen. Christus ist das Ziel auch unseres Lebens – das glauben wir Christen. Wir können ihn auch heute finden – es kommt nur darauf an, welchem Stern man auf diesem Weg folgt!“ schreibt Bischof Wolfgang Ipolt in seinem Grußwort.

Den Akteuren, Veranstalter und den Zuschauern wünscht derweil Pfarrer Joklitschke „viel Freude, gute Erlebnisse und vor allem die Weisheit der heiligen drei Könige. Sie haben erkannt: Gott ist für alle Menschen da! Möge uns der Stern führen“.

Das Kamel wird nun durch den Tierparkdirektor in den Zug eingereiht und begleitet ihn von Station zu Station. An ihnen wird die Weihnachtsgeschichte von polnischen Kindern und Jugendlichen szenisch dargestellt. An der vorletzten warten bereits Engel und Teufel auf ihren Auftritt. Etwas fünf Meter trennt die Reihe der schwarzgekleideten Wesen von denen in Weiß – mit Flügeln und Heiligenscheinen. Als die Menschen des Zuges um diesen Ort versammelt sind, beginnt der Kampf zwischen Gut und Böse. Allzu lange dauert es nicht, bis klar ist: Das Böse ist durch das Gute besiegt! Nun hat der Zug der Könige nur noch wenige Meter bis zum Kultur-Haus, bis zur Krippe. Mutter Maria beruhigt das Jesuskind, das zwischenzeitlich gähnt. Aber nicht mehr, als die Gäste aus dem Morgenland an seine Krippe treten.

Am Morgen hatte Bischof Ipolt, im Beisein der Mitarbeiter des Bischöflichen Ordinariates, das St. Otto-Stift, danach die Arbeitsräume gesegnet. Die drei Theologiestudenten, die derzeit unterwegs auf dem Weg zur Priesterweihe sind, waren dabei.

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