1. Januar 2016

Dem Christkind in der Arche, Franziskus und Passanten an der Dialog-Krippe im Bahnhof zuhören

„Für wen fotografieren Sie diese Figuren, wenn ich höflich fragen darf?“, sagt ein älterer Herr kurz vor dem Jahresende 2015. Er steht in der Halle des Görlitzer Bahnhofs, ist anders gekleidet, als die meisten der vorbeieilenden Passanten. Einfacher – und bunter. Sein Haar ist zerzaust – hat lange keine Friseur mehr gesehen. Die Antwort: „Für die Homepage des Bistums Görlitz und die  katholische Kirchenzeitung TAG DES HERRN“ quittiert der Mann damit, dass er mit Homepage nichts anfangen kann. Computer kennt er nur vom Hören. Etwas anfangen kann er mit dem, was fotografiert wird: Mitten in der Bahnhofshalle steht eine Krippe mit Holzfiguren, der von einem Zaun umgeben ist. „Früher war ich auch in der Kirche, war zur Christenlehre. Später hatte ich Ärger mit der Abteilung Inneres, bin abgestürzt. Es war eine schwere Zeit, aber ich habe zu Gott gefunden. Es gibt Bitt- und Dankgebete; ich bin für mein Leben dankbar, auch wenn es hätte anders laufen können“, sagt der Mann im karierten Hemd. Ein junger Mann fragt, wer die Figur mit dem Vogel auf dem Kopf ist (obwohl neben den Krippenfiguren Schilder mit den Namen stehen). Es ist Franzikus – von ihm hat er bisher nichts gehört. Selbst eine alte Görlitzerin wusste nicht, dass in Görlitz im Jahre 1234 die Franziskaner Einzug hielten. Dies war bereits kurz nach dem Tod von Franz von Assisi 1226. Damals wurde eine Franziskanerschule (das heutige Gymnasium am Klosterplatz) und eine Franziskanerkirche (heutige Dreifaltigkeitskirche) nebenan gebaut. Eine junge Frau bleibt stehen, erklärt dem kleinen Mädchen an ihrer Hand die Figuren, liest dem Kind die Tafeln über Franziskus und die Krippe, die auf Deutsch beschriftet sind, auf Polnisch vor. Später schreibt sie in das kleine Buch ein, das auf einem Pult neben den Krippenfiguren steht.

An der Krippe gab es Heiligabend eine Feier. Für jeden, der kommen wollte. Am Bahnhofsgebäude leuchtete noch die 24. Die Feier in der Bahnhofshalle ist von der Türchenaktion übriggeblieben. Zehn Jahre lang öffnete sich an jedem Adventstag eine Tür in Görlitz, hinter der Überraschungen, Geschichten, Lieder,… mitunter Stollen und Tee – oder auch Glühwein, warteten. Gabriele Kretschmer (sie ist unter anderem Mitarbeiterin im Bischöflichen Ordinariat, zuständig für missionarische Pastoral) mit ihrem Team aus Christen, die aus Advent und Weihnachten mehr machen wollten als Einkauf und Konsum, den Advent herausholen aus dem Gedudel von Weihnachtsliedern noch vor dem ersten Advent, hatte die Türchen-Aktion, hat die Heiligabend-Feier organisiert. Und sie haben sich Gedanken zu dieser Dialog-Krippe mit Franziskus gemacht. Der Text wurden am 24. Dezember vorgelesen wurden, ist am Ende dieses Beitrages zu finden.

Die Krippe steht bis zum 6. Januar, dem Fest Erscheinung des Herrn, dem Fest der Heiligen drei Könige in der Bahnhofshalle. Die Figuren haben  Schüler einer Kunstschule in Zakopane geschnitzt, wie für weitere Dialogkrippen, die an anderen Orten aufgestellt sind. Die Zeit, sich Dialogen über Gott, die Welt und den Glauben zu stellen, sollte man sich nehmen. Nicht alle Menschen sind vorbeigeeilt. Diejenigen, die stehen blieben, hatten Fragen, wollten reden – oder etwas aus ihren Leben loswerden.

Für 2016: Zuhören, sich Zeit für andere Menschen nehmen (sie ist ja da, die Zeit dieses neuen Jahres), Probleme von Mitmenschen und deren Sorgen versuchen zu verstehen. Vielleicht kann man gar helfen? … helfen dem ohne Hilfe – und damit die Welt ein  wenig  besser machen.

Franziskus in Bethlehem

Das Mädchen Maria hat ihren neugeborenen Jesus in eine Futterkrippe gebettet und präsentiert symbolisch einen Neuanfang von Gott mit den Menschen. Den gab es bereits schon am Anfang der biblischen Geschichte

Die Arche, auf der die Heilige Familie steht, erinnert an die Sintflut, die Gott über die Menschen in deren Schlechtigkeit und Hochmut kommen ließ, weil es ihn reute, den Menschen geschaffen zu haben. Nur Noah, ein gerechter und untadeliger Mann, fand in den Augen des Herrn mit seiner Familie Gnade. Laut Anweisungen Gottes, so erzählt die Bibel, baute er die Arche und nahm von allen Tierarten ein Pärchen in das Schiff. Nach der Sintflut schloss Gott einen neuen Bund mit den Menschen und versprach im Zeichen des Regenbogens, nie mehr, die Schöpfung zu vernichten.

Haben sich die Menschen gebessert, vernichten sie nicht weiter die Schöpfung und sich selbst?

Gott schickt zu unserem Heilwerden seinen Sohn Jesus Christus als Heiland und Retter in diese Welt. Doch er fand mit seinen Eltern keinen Platz in der Herberge – eben dieser Welt. Wieder ein missglückter Neuanfang?

Gott sucht sich immer wieder Menschen, seine gute und wohlwollende Botschaft zu unserem Heilwerden in die Welt zu tragen, so auch Franz von Assisi, der im 13. Jh. in Italien geboren und im Wohlstand aufgewachsen war und alle Facetten eines jugendlichen Lebens auskostete. Schwere Krankheit löste in ihm einen Gesinnungswandel aus. Radikal legte er all seinen äußeren Reichtum den Armen zu Füßen und diente von nun an nicht mehr sich selbst sondern den Geringsten seinerzeit. Voller Fröhlichkeit und reich im Herzen beschenkt zog er bald mit einer großen Anhängerschar durch die Lande und verkündete Gottes wahre Liebe. Dabei wusste er sich im vollen Einklang mit der Natur, lobte die Elemente als Bruder und Schwester, freute sich an allem, was die Erde hervorbrach und sprach mit den Tieren. Aus diesem Eingebettet sein in die Schöpfung nennt man Franziskus den Umwelt-Heiligen.

Was hört Franziskus heut, wenn er an der Krippe steht, von den Leuten? „Willkommen, kleiner Jesus. Wir freuen uns, dass du da bist. Zwar haben wir wenig Zeit, sind stark beschäftigt, dazu die Sorgen des Alltags. Deine Eltern werden sich schon hier in der Fremde durchbeißen.

Naja, und unser Planet schwächelt ein bisschen. Kann sein, dass dir der Sturm, einer dieser neuen Schwächen, das Dach vom Stall wegfegt. Dafür können wir allerdings nichts. Die „Großen“, die Wirtschaftsbosse, sind daran schuld. Und wenn wir ehrlich sind, für deine Sicherheit können wir nicht recht garantieren. Auf jeden Fall: Willkommen!“

Habgier und Genusssucht, Macht, Arroganz und Egoismus sind letztlich für Raubwirtschaft und Ungerechtigkeit verantwortlich. Der Mensch, sofern er zerstörend „nimmt“, wird nicht nur anderen zum Verhängnis, sondern auch der Natur und sich selbst. Denn er zerstört am Ende das eigene Menschsein.

Jesus der Retter ist geboren, feiern wir Weihnachten. Sind wir noch zu retten?

An der Frage, ob wir durch Gottes Liebe zu seiner Schöpfung klug, bescheiden und maßvoll werden, entscheidet es sich, ob dieser schöne „Stern“, der Planet namens Erde, unseren Enkelkindern als gesunder Lebensraum erhalten bleibt.

 

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