1. April 2015

„Wir sind Diener – gesandt zur Erinnerung an die Präsenz Gottes in dieser Welt und an seine Liebe“ sagt Bischof Ipolt in der Missa chrismatis

„Anlässlich des Osterfestes versammeln wir uns hier in der Kathedrale, um miteinander die heiligen Öle zu weihen. Die Zeichen, die der Herr uns in die Hand gibt, mit denen wir – in seinem Namen – das Heil wirken. Wir gedenken dabei, dass wir selbst in Taufe, Firmung und Weihe gesalbt worden sind“, mit diesen Worten wandte sich Bischof Wolfgang Ipolt an die Priester und Diakone des Bistum, die zur Missa chrismatis am 31. März in die Kathedrale St. Jakobus gekommen sind.

Konzelebranten am Altar waren Generalvikar Dr. Alfred Hoffmann, Dompropst Hubertus Zomack, der Pfarrer der Pfarrei Heiliger Wenzel in Görlitz, Norbert Joklitschke und Pater Heiner Wilmer SCJ, der vor der Messfeier einen Vortrag gehalten hat.

In der Predigt weist Bischof Ipolt darauf hin, dass „die Chrisammesse, in der wir die heiligen Öle weihen, in einer tiefen Beziehung zum Gründonnerstag steht – zu dem Tag, an dem der Herr den 12 Aposteln einen bleibenden Auftrag gegeben hat: ,Tut dies zu meinem Gedächtnis!‘ Damit hat er sie in sein Todesgeheimnis eingeweiht und beauftragt, dieses Geheimnis immer wieder mit den ihnen Anvertrauten zu feiern.

Darum gedenken wir in dieser Messfeier auch des Weihesakramentes, durch das wir Priester geworden sind – Priester im Dienste des erhöhten Herrn, der das Alpha und das Omega ist (vgl. 2. Lesung) und dem wir zuversichtlich entgegen gehen“.

Der Bischof fragt, ob es „ so etwas wie einen ,roten Faden‘ in unserem Dienst gibt, der uns helfen kann, in jeder Zeit unserer Berufung gerecht zu werden und den Auftrag Jesu zu erfüllen? Und kann uns allen – Priestern und Diakonen – ein solches Grundmotiv nicht helfen, das Vielerlei unserer alltäglichen Arbeit zu sortieren?“

Um dies zu verdeutlichen, erzählt der Bischof die nachfolgende Geschichte aus den Erzählungen der Chassidim:

Rabbi Naftali aus Ropschitz hatte einmal eine besondere Begegnung. In dieser Stadt beauftragten die Reichen, deren Häuser einsam oder am Ende des Ortes lagen, Wächter, um nachts ihren Besitz zu schützen. Als Rabbi Naftali eines späten Abends am Rande des Waldes spazieren ging, begegnete er einem der Wächter: „Für wen gehst du?“ fragte ihn der Rabbi. Der Wächter nannte den Namen seines Auftraggebers, fügte aber die Gegenfrage hinzu: „Und für wen geht Ihr, Rabbi?“ Das Wort traf den Gelehrten wie ein Pfeil. „Noch gehe ich für niemanden!“, stammelte er. Lange schritt er schweigend neben dem Wächter einher. „Willst du mein Diener werden?“ fragte der Rabbi endlich. „Das will ich gern“, antwortete jener, „doch was habe ich zu tun?“ – „Mich zu erinnern“, sagte der Rabbi.

Bischof Ipolt sagt: „In der kleinen jüdischen Geschichte erbittet der Rabbi den ,Dienst der Erinnerung‘ für sich und der Diener nimmt diesen Dienst an. Es gibt heute keine wichtigere Aufgabe – für die vielen Nichtchristen hierzulande, wie auch für unsere Gemeinden – als an Gott zu erinnern! Das ist wahrhaftig eine zeitlose Aufgabe bei allen Veränderungen, die die Kirche heute durchläuft. Es ist letztlich der Dienst der – immer wieder neuen! – Evangelisierung. Wir sind Diener – gesandt zur Erinnerung an die Präsenz Gottes in dieser Welt und an seine Liebe, die bis ans Kreuz geht. Das darf nie in Vergessenheit geraten!“, so der Bischof unter anderem.

Es folgt im Mess-Ablauf die Erneuerung der Bereitschaftserklärung zum priesterlichen Dienst (Missale)

Bei der Gabenprozession bringen Diakone die Gefäße mit den drei Ölen mit den an den Altar, übergeben sie dem Bischof. Auf einerKredenz am Altar werden sie abstellt. Nach dem Hochgebet wird das Kranken-Öl geweiht. Nach dem Schlussgebet erfolgt die Segnung des Katechumenenöls, danach mischt der Bischof zunächst Öl und Balsam und segnet dann das Chrisam-Öl.

Ostern werden im Bistum Görlitz Erwachsene getauft, die sich über einen längeren Zeitraum auf ihre eigene Taufe vorbereitet haben. Für Anton, Severin und Simon, die am Ostermontag in der Hedwigs-Kirche in Görlitz-Rauschwalde getauft werden, sagen deren Eltern und Paten Ja zum Glauben. „Die Zeichen, die der Herr uns in die Hand gibt, mit denen wir – in seinem Namen – das Heil wirken“, wie Bischof Ipolt am Anfang der Missa chrismatis sagte, werden einige Tage nach der Weihe dazu beitragen. Durch die Taufe mit Wasser und die Salbung mit den Heiligen Ölen,  erhalten die Getauften Anteil an der Königswürde Christi.

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