8. September 2014

„Was er euch sagt, das tut“ – Maria steht bei der Bistumswallfahrt im 20. Jahr des Bistums im Fokus

Sechs große Krüge stehen am 7. September vor dem Altar der Neuzeller Stifts- und Wallfahrtskirche. Sie helfen, die Geschichte von der Hochzeit zu Kana lebendig werden zu lassen. „Was er euch sagt, das tut“, sagte Maria zu den Dienern; sie sagt es heute auch zu uns. Deshalb ist diese Aufforderung Marias das diesjährige Wallfahrtthema.

Mit einem Marienlied begann die Wallfahrt, zu der über 1400 Gläubige aus dem Bistum nach Neuzelle kamen. Unter ihnen war Kardinal Joachim Meisner. Er kam auf Einladung von Bischof Wolfgang Ipolt, der im Wallfahrtsgottesdienst die Predigt hielt. Der Fernsehsender EWTN hat den Gottesdienst live übertragen, die Predigt   in Bild und Ton findet sich aufKathTube. Den Gottesdienst umrahmte der Kathedralchor aus Dresden, unter Leitung von Jacobus Gladziewski. Die Orgel spielte Diözesankirchenmusikdirektor Thomas Seyda.

Der Stiftsplatz ist fast fertig gepflastert. Darauf präsentieren sich geistliche Gemeinschaften, Vereine und Verbände des Bistums, sowie die Kirchenzeitung TAG DES HERRN. An diesem Stand gab es Drucke des Triptychons, das die Künstlerin Sylvia Wolff für diese Wallfahrt, passend zum Thema, gemalt hat. Auf dem linken Bild ist der Glaube dargestellt: Der Erzengel Gabriel bringt Maria die Botschaft – und sie lässt den Willen Gottes geschehen. Auf dem rechten Bild ist der Besuch Marias bei Elisabeth dargestellt: Hoffnung. Wie auf dem Bild vom Glauben ist hier ein Engel angedeutet, verbreitet Leichtigkeit in beiden Szenen. Das dominante Bild in der Mitte des Triptychons stellt die Liebe dar. Und Krüge, die mit unterschiedlichen Inhalten gefüllt sind, dargestellt durch verschiedenfarbige Verschlüsse. Das Original des Triptychons war auf einem Seitenaltar aufgestellt. Alpha und Omega zieren den Rahmen, wenn es eingeklappt ist. Wallfahrer konnten mit der Künstlerin ins Gespräch kommen, sich die Drucke signieren lassen.

In der Mittagszeit gab es verschiedene Angebote für die Wallfahrer. Der emeritierte Erzbischof von Köln hielt  einen Vortrag über die Anbetung. Er warb darin für die „eucharistischen Anbetung“. Anbetung biete die Möglichkeit zur tiefen Gotteserfahrung. „Der Mensch ist Gott nie ähnlicher als in der Anbetung, wo er niederkniet“, sagte der Kardinal. Nach dem Kindergottesdienst am Vormittag gab es für die Kinder Spieleangebote  in der Mittagszeit. Ehepaar Seewald aus Cottbus zeigte einen Film über 20 Jahre Bistum Görlitz. Die Caritasdirektorin aus St. Petersburg, Natalia Pewzowa, berichtete über ihre Arbeit. Unter anderem erfuhren die Wallfahrter: Auf jede Geburt kommen drei Abtreibungen. Die Frauen wissen nicht, wie sie ihre Kinder ernähren und kleiden können. Wir sagen: Wir helfen euch – und wir können es dank Euch in Deutschland“, sagt Natalia Pewzowa und: „Dadurch wurden 400 Kinder geboren – und keine der Mütter in unserem Projekt hat sich nach der Geburt von ihrem Kind losgesagt“. Das Wallfahrtsopfer geht in dieses Projekt.

Am Stand der evangelischen Buchhandlung Frankfurt/Oder wurde unter anderem das druckfrische Buch über das Bistum Görlitz „Bilder, die von Gott erzählen“ von Bischof Wolfgang Ipolt und Dr. Winfried Töpler angeboten. In der Josefskapelle war stille Anbetung möglich. Bischof Ipolt ist der Stiftung Stift Neuzelle dankbar, dass sie erstmals den Kreuzgang und das Refektorium öffneten. Ein Konzert mit „Chorolus“ aus Großräschen unter dem Thema: „Da werden die Ohren Augen machen…“ erklang in der evangelischen Kirche.

Den Abschluss bildete die meditative Wallfahrtsstunde mit Abschlussandacht in der Stiftskirche. Als in während der Abschlussandacht, an dem ansonsten sonnigen warmen Spätsommer-Sonntag, für die Zeit der Wallfahrtsstunde und der Andacht die Wolken öffneten, Gewitter mit Starkregen niedergingen, begann der Kardinal seine Predigt mit den Worten: „Blitz und Donner sind in der Bibel mitunter ein Zeichen für die Gegenwart Gottes und deshalb auch heute ein gutes Zeichen: Der Herr ist bei uns.“ Bei der Hochzeit zu Kana „sah Maria den Mangel voraus. Wenn Maria in Kana nicht dabei gewesen wäre: „Mit Apfelsaft kann man standesamtliche Hochzeit halten, aber keine Hochzeit feiern“, sagte Kardinal Meisner, der die Wallfahrer aufrief, das zu tun, was er euch sagt; dort nicht zu fehlen, wo wir nötig sind“.

Das Team des Seelsorgeamtes unter der Leitung von Ordinariatsrätin Barbara Köhler informierte am Ende der Wallfahrtsstunde, dass die Krüge auf einige wichtige Orte in den drei Dekanaten verteilt werden:

Der erste Krug mit den Steinen, auf denen die Wallfahrter ihre Lasten, Nöte und Leiden aufgeschrieben haben, geht zu den Sießener Franziskanerinnen nach Cottbus. Die Franziskanerinnen haben versprochen, die notierten Anliegen mit ins Gebet zu nehmen.

Der zweite Krug, der geweihtes Wasser enthält, das an die Taufe erinnert, geht stellvertretend für alle Kindergärten unseres Bistums in den Kindergarten nach Finsterwalde. Er soll immer wieder daran erinnern, wie viel Kostbares und Schönes Gott anderen Menschen durch das bescheidenes Tun der Getauften schenkt.

Der Inhalt des dritten Kruges, das Wallfahrtsopfer, geht an die Caritas nach St. Petersburg. Den Krug selbst bekommt die Gefängnisseelsorge in der Justizvollzugsanstalt Duben. Er soll dort daran erinnern, dass Kirche nicht nur die materielle Not sieht, sondern auch für diejenigen da ist, die in seelischer Not sind, weil sie schwere Schuld auf sich geladen haben.

Der vierte Krug, der mit Rosen gefüllt war, die daran erinnern sollten, welche Gnaden Gott im Sakrament der Versöhnung schenkt, geht in das St. Wenzeslaus-Stift nach Jauernick. Dort erleben Menschen Erholung und Besinnung und bekommen auch durch dieses Sakrament bei vielen Kursen einen neuen Anfang von Gott geschenkt.

Der fünfte Krug mit den Bitten, die vor dem Gnadenbild der Muttergottes von Neuzelle niedergelegt wurden, geht in das St. Carolus-Krankenhaus in Görlitz zu den Borromäerinnen. Auch diese Schwestern haben versprochen, dass sie die Anliegen der Wallfahrer im Gebet mittragen werden.

Der sechste und letzte Krug wird im Don-Bosco-Haus in Neuhausen aufgestellt. Dieser Ort ist für viele Jugendliche unseres Bistums zu einem geistlichen Zentrum geworden. Die dort stattfindenden Kurse und liturgischen Feiern ermutigen immer neu, den Glauben im Alltag zu leben.

Bischof Ipolt ist zufrieden mit dieser Wallfahrt, „die in diesem Jahr besonders auf Maria zugeschnitten war. Gefreut habe ich mich über die altersmäßige Mischung. Es waren Familien da, viele Kinder; aber es kamen auch die, denen es schwer fällt, Ältere, Menschen mit Krücken oder in Rollstühlen. Sie alle haben sich auf den Weg gemacht, da ihnen das Anliegen offenbar sehr wichtig ist“, so der Bischof.

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