21. Juni 2015

An Wegekreuzen entlang – Kolpinger pilgern in der Nacht von Sollschwitz nach Rosenthal

„Christen sind als Pilger unterwegs“

Zum 35. Mal ist die Kolpingfamilie des Bistums unterwegs zur Nachtwallfahrt nach Rosenthal

Von Raphael Schmidt

Sollschwitz/Rosenthal. DieKolping Nachtwallfahrt von Sollschwitz nach Rosenthal leitet Generalvikar Dr. Alfred Hoffmann: Schutz der Schöpfung ist wichtiges Thema „Der Protest eines Bürgers gegen die Pilgerroute des Martinuswegs in Württemberg ist gescheitert. Der Petitionsausschuss des baden-württembergischen Landtags wandte sich einstimmig gegen die Petition eines Stuttgarters, der gefordert hatte, die Hinweisschilder des Pilgerwegs im Stuttgarter Rotwildpark zu entfernen. Er hatte argumentiert, dass die Schilder, die ein gelbes Kreuz auf rotem Grund zeigen, gegen das Verfassungsgebot religiöser Neutralität des Staates verstoße“, sagt Generalvikar Dr. Alfred Hoffmann an der ersten Station des Nacht-Wallfahrtweges am Abend des 13. Juni in Sollschwitz. Er ist den Martinusweg vor einigen Wochen gegangen – jetzt ist er mit fast 90 Kolpingern auf dem Weg nach Rosenthal. Vorbei geht es an vielen Kreuzen: an Feldern, Straßenkreuzungen, vor Einfamilienhäusern. Vor einem solchen, in Schönau, hält der Zug zur zweiten Station. Sie steht unter dem Thema: „Bewahrung der Schöpfung – mit Gottes Schöpfung unterwegs sein“. Für Kolping war Umweltproblematik damals noch kein Thema. Die soziale Frage stand im Mittelpunkt. „Dass Bewahrung der Schöpfung zur sozialen Frage und eine Frage der Gerechtigkeit wird, dass zeigt sich heute: Klimawandel – Wassermangel, Unwetter schädigt zuerst die Armen“, sagt Dr. Hoffmann und. „Tut jeder in seinem Kreis das Beste, wird‘s bald in der Welt auch besser aussehen. Wie übel wären wir dran, wenn unsere Hoffnung auf Menschen beruhte“, zitiert er. Nur auf Menschen verlassen sich die Wallfahrer nicht: auf dem Wallfahrtsweg wird Rosenkranz gebetet. Auch als sie in den Hof von Familie Rachel/Kurjat in Schönau einziehen, zu einer Rast. „In dieser gastlichen Familie sind wir bestimmt schon 30 Mal. Sie öffnen uns Haus und Hof“, sagt Maria Rentsch, die von Anfang an bei den Nachtwallfahrten dabei ist, das 35. Mal.

„Anfangs war die Wallfahrt jährlich, hin und wieder wurde ein Jahr ausgelassen. Bei Regen öffnet uns die Familie Garagen, Haus und Hof, sagt Maria Rentsch, die aus Hoyerswerda kommt „ursprünglich eine Sorbin“ ist. Von dort wurde der Imbiss gebracht. „Die Schnitten haben vier Kolpingschwestern im Pfarrhaus in Hoyerswerda geschmiert, 100 Portionen, sieben Brote, Käse, Wurst, 36 Flaschen Wasser“, sagt Martin Bandmann.

Aus drei Eimern wird Tee ausgeschenkt, Kräuter und schwarzer. Der ist zum Wachbleiben. Einen Becher hat sich Dr Peter Bresan geholt. Der Tierarzt, der mit seinen 83 Jahren noch praktiziert – 57 Jahre ist er im Beruf tätig – ist offenbar der älteste Pilger in dieser Nacht. Und das erste Mal dabei. Pfarrer Kresák hat ihn eingeladen. Die Strecke ist für ihn keine Herausforderung „ein Klacks, nicht der Rede wert“. Er ist anderes gewöhnt: Von Warschau nach Tschenstochau, „zur Schwarzen Madonna, war ich 15 Mal zu Fuß unterwegs. Jedes Jahr einmal zum Prager Jesuskind und nach Vilnus, durch ganz Polen, das sind 1 200 Kilometer“, sagt er.

Aufbruch: Es geht weiter. Mitternacht soll die Heilige Messe in Rosenthal beginnen, so der Plan. Der Wallfahrtszug ist vorn und hinten mit je einem Fahrzeug flankiert, daran anschließend zwei Wallfahrer in Warnwesten. Dazwischen die zumeist dunkel gekleideten Kolpinger. Hinter dem Zug läuft in Warnweste Bernd Lehmann aus Hoyerwerda, der sich an kein Mal erinnern kann, an dem er bei dieser Wallfahrt nicht dabei gewesen wäre. Und Hans Dieter Kluge aus Bernsdorf, der beruflich einige Male pausierte.

Es ist kurz nach halb Zwölf. Aus der Wallfahrtskirche in Rosenthal dringt diffuses Licht. Organist Michael Domanja ist mit Noten unterwegs zu Kirche. Vor dem Holztor in der Mauer um die Kirche wartet Pfarrer Gabriel Nawka auf die Wallfahrer. Drei Männer bemühen sich, das schwere Tor zu öffnen – die Wallfahrer mit den Bannern sollen nicht durch den schmalen Eingang. Kurz vor Mitternacht beginnt eine Glocke zu läuten, kurz danach ist das gesamte Geläut zu hören. Dies übertönt Musik und laute Stimmen von einer nahen Gaststätte. Von Fackeln begleitet, nähert sich der Zug der Kirche. Die Heilige Messe beginnt später als geplant.

Beim Einzug mit neun Bannern wird das Kolpingslied gesungen. Fünf Priester feiern am Altar die Eucharistie. Einer von ihnen ist Pfarrer Dietmar Brosig aus Greiz. Er ist den Wallfahrtsweg mitgegangen. Diakon Bernhard Matko begeht seinen 15. Weihetag. Der Generalvikar sagt in seiner Predigt unter anderem: „Wir waren mit Leib und Seele als Geschöpfe Gottes unterwegs. Die Füße haben uns von Ort zu Ort getragen, unsere Seele war eingeladen, sich der Schöpfung, den Menschen, Gott, dem Schöpfer zu öffnen. Christen sind als Pilger unterwegs und bauen Brücken, weil wir überall Geschöpfe Gottes entdecken, weil Gott überall Spuren hinterlässt und wir in der Nachfolge Christi diese Spuren ins Licht stellen“.

Quelle: TAG DES HERRN, Ausgabe 25, zum 21. Juni 2015, Görlitz Seite 12

 

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