3. Februar 2016

Treue Beter als „starkes Zeichen für die Anwesenheit Gottes“ – Bischof Ipolt dankt Ordensleuten am Ende des Jahres des geweihten Lebens

Am 1. Advent, dem 30. November 2014 wurde das „Jahr des geweihten Lebens“, das „Jahr der Orden“, im Vatikan eröffnet. Am Welttag des geweihten Lebens, am 2. Februar 2016, endete dieses Jahr. In Görlitz wurde der Abschluss dieses Jahres, am Tag des geweihten Lebens, für die Ordensleute aus dem Bistum mit einem Treffen bei Kaffee, Kuchen und Gesprächen begonnen. Im Anschluss daran hielt der Seelsorgeamtsleiter, Ordinariatsrat Markus Kurzweil einen Vortrag. Er hat ihn unter das Thema gestellt: „Barmherzigkeit und die großen Meister der ersten Jahrhunderte“. Er geht darin der Frage nach, wie die christliche Botschaft im Denken der Antike mit dem Anliegen der Barmherzigkeit etwas grundsätzlich Neues eingepflanzt hat. Zunächst schlägt er eine Brücke von der heutigen Zeit in die Antike, die Zeit der ersten christlichen Gemeinden und führt kurz in die Philosophien der damaligen Zeit ein. In einem zweiten Gedanken geht es um die Kirchenväter und das barmherzige Handeln der ersten christlichen Gemeinden. Und in einem dritten Teil lässt Ordinariatsrat Kurzweil  den Heiligen Augustinus mithilfe seiner Predigten zu Wort kommen. Er hat in seinen Predigten zum Thema „Barmherzigkeit“ in der damaligen Zeit am meisten veröffentlicht und wird in der Literatur auch gern als „Sänger der Barmherzigkeit“ bezeichnet.

Das Pontifikalamt am Abend begann mit der Kerzenweihe und einer Kerzenprozession durch die Kathedrale St. Jakobus. Bischof Wolfgang Ipolt geht in seiner Predigt unter anderem der Frage nach: „was unsere normalen Zeitgenossen über das Klosterleben wissen?“. Dies sei „sehr unterschiedlich. Die Vorstellungen sind oft fremdgesteuert, vor allem durch die Medien. Was aber die meisten noch wissen, ist: im Kloster wird gebetet. Man geht dorthin, um näher bei Gott zu sein, um Zeit für ihn zu haben – und das ist nicht nur in unserer Kirche so, sondern wohl auch in anderen Religionen“. Der Bischof findet dies als „ein gutes und wichtiges Charakteristikum des Lebens unserer Ordensgemeinschaften ist. Es handelt sich um betende Menschen; um Menschen, die es sich auf die Fahnen geschrieben haben, eine regelmäßige und treue Beziehung zu Gott zu pflegen“.

Sind Gebete in Klöstern „wichtig für andere? Verändert das die Welt? Riecht das nicht eher nach Weltflucht?“, fragt der Bischof. Man könne diese „Fragen kann man nur beantworten, wenn man versteht, was Beten heißt:

  • Wer betet, der weiß, dass nicht alles von menschlichen Fähigkeiten und Möglichkeiten allein abhängt. Wenn Gott, diese Welt geschaffen hat, und auch uns ins Leben gerufen hat, dann bleibt er weiterhin im Spiel und am Werk. Der Himmel ist offen. Beten bedeutet: Gott etwas zutrauen, von ihm viel erwarten – so wie Simeon und Hanna. Der Beter darf Gott alles vortragen, ihn anflehen und bitten auch in aussichtsloser Lage. Ordensleute tun das insbesondere auch stellvertretend für andere Menschen – auch für die, die nicht beten können, die Gott aus den Augen verloren haben oder im Leid kein Wort mehr finden.
  • Wer betet, der lernt viel über sein eigenes Leben. So wie wir leiblich wachsen und älter werden – so verändert sich auch unser Beten. Aber das geschieht nicht von selbst, dafür kann man etwas tun oder sich Hilfe suchen. Man kann im Glauben schnell in den Kinderschuhen stecken bleiben – aber man wird bald merken, dass diese irgendwann nicht mehr passen. Unsere Ordensgemeinschaften könnten Orte sein, an denen Menschen etwas über ihr Beten erfahren und darin wachsen können. Neben all der guten Arbeit, die die Ordensleute an verschiedenen Orten leisten, wäre das ein Dienst für Menschen, die nach Wachstum im geistlichen Leben suchen: Für sie Begleiter und Helfer zum Beten zu sein, die eigenen Erfahrungen weiter zu geben und andere damit zu stärken.
  • „Ich will inmitten der Gemeinde dich preisen.“ – so lautet das Motto in diesem Jahr für den Tag des geweihten Lebens.

Mit anderen gemeinsam beten – das ist uns (außer im Gottesdienst) fast verloren gegangen. Es ist vielen Christen geradezu peinlich geworden. Ordensleute zeigen in ihren Kommunitäten, dass gemeinschaftliches Gebet tragen kann und andere einladen kann, mitzubeten. Sich versammeln, zu einer festen Zeit im Laufe des Tages, an einem festen Ort – das alles sind Hilfen, um „inmitten der Gemeinde“ – mit anderen Glaubenden – zusammen zu beten. Ob wir es nicht doch wieder wagen könnten, mit dem gläubigen Ehepartner, in einem Kreis von Mitchristen einfache Formen des gemeinsamen Betens zu entdecken? Ich freue mich darum sehr, dass sich hier in der Kathedrale jeden Montagabend Menschen versammeln, die eine Stunde lange miteinander in Stille und auch gemeinsam beten“, so der Bischof unter anderem.

Am Ende der Predigt sagt Bischof Ipolt: „Ich danke euch, liebe Ordenschristen, für eure Treue im Beten. Es ist dies ein starkes Zeichen für die Anwesenheit Gottes. Ich wünsche euch allen immer wieder auch Mit-Beter – Menschen, die sich auf die Suche nach Christus machen, der das ,Licht zur Erleuchtung der Heiden‘ ist. Amen.“

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