7. August 2016

Pilger Wolfgang Ipolt ist auf dem Weg – zur Heiligen Pforte in Neuzelle

Pilger Wolfgang Ipolt ist auf dem Weg –  zur Heiligen Pforte in Neuzelle

Als Bischof ist er die Heilige Pforte bereits mehrfach durchschritten, hat sie eröffnet, führte Jugendliche bei ihrer Wallfahrt durch sie hindurch, wird sie am Ende des Heiligen Jahres der Barmherzigkeit schließen. Als Pilger Wolfgang Ipolt wollte er mit dem Fahrrad am 5. und 6. August von Görlitz aus, mit Zwischenstopp in Forst, zur Heiligen Pforte nach Neuzelle fahren. Doch auf Reisen geht nicht immer alles glatt: Kurz zuvor brach er sich bei einem Unfall den rechten Arm. Wenngleich der Bischof in absehbarer Zeit nicht Fahrrad fahren wird, hat er das Vorhaben dennoch in die Tat umgesetzt, gestern – und mit dem Zug.

Glaube ist Weg, nicht unveränderbarer Zustand. So gesehen kann die Heilige Pforte als Pause vom Alltag, als Auftanken angesehen werden. Getreu dem Wort, das bei Matthäus steht (Mt. 11.28): „Kommt alle zu mir, die ihr mühselig und beladen seid“, lädt Jesus ein, zu ihm zu kommen, denn er ist der absolut richtige Weg. Und dabei ist es egal, mit welchem Verkehrsmittel der Weg zurückgelegt wird.

Herr Bischof Ipolt, was bedeutet für Sie persönlich die Heilige Pforte?

Die Heiligen Pforten überall in der Welt sind für mich ein Bild: Sie symbolisieren das offene Herz, die offenen Arme Gottes. Gott ist nie in sich verschlossen. Er ist immer dem Menschen zugewandt. Als ich in Neuzelle die Heilige Pforte geöffnet habe im vergangenen Jahr, da habe ich damit die Hoffnung verbunden, dass viele Menschen dieses offene Herz Gottes entdecken, das sie liebt und einlädt, auch herzlich oder barmherzig mit anderen umzugehen. Eine offene Tür ist immer eine Einladung. Wenn wir Gäste erwarten, dann öffnen wir  die Tür unserer Wohnung und lassen sie ein – sie sollen uns willkommen sein. Die Heilige Pforte auch in unserem Bistum ist eine Einladung – und diese Einladung will ich gern annehmen.

Warum wollen Sie in diesem Jahr – neben den Wallfahrten des Bistums – auch einmal ganz allein eine Wallfahrt zur Heiligen Pforte in Neuzelle machen?

Es ist mir wichtig, nicht nur zu etwas einzuladen, sondern es auch selbst zu tun. Auch ich brauche in meinem Dienst als Bischof den Blick für Gottes Barmherzigkeit. Ich möchte von Gott neu lernen, wie ich meinen Dienst ausüben soll. Das ist etwas ganz Persönliches – darum mache ich diese Wallfahrt auch allein. Ich möchte Zeit haben für Gott und mein Leben in seinem Licht sehen lernen.  Der Hl. Vater hat ausdrücklich gebeten darum, dass die Gläubigen sich auf den Weg machen – zu einer Heiligen Pforte. So möchte auch ich zeigen, dass  ich aufbrechen will und ein wenig tiefer hineinwachsen möchte in meinen Dienst.  Selbstverständlich nehme ich in Gedanken viele mit – vor allem die älteren und kranken Menschen, die nicht mehr allein nach Neuzelle kommen können.  Auch für sie und mit ihnen verbunden mache ich diese Wallfahrt.

Was bedeutet für Sie das Bußsakrament?

Sehr viel. Es erinnert mich an die unendliche Geduld, die Gott mit mir hat. Denn immer wieder komme ich oft mit den gleichen  Sünden – und ich darf dennoch wissen, dass er meine Reue ernst nimmt und mir vergibt. Ich wünschte, dass viele in diesem Heiligen Jahr neu die Gnade und die Kraft dieses Sakramentes entdecken, vor allem die Priester, denen dieses Sakrament besonders anvertraut ist. Ich habe übrigens eine Angewohnheit, die ich seit vielen Jahren praktiziere: Wenn ich zur Beichte gehe, nehme ich in Gedanken immer einen Menschen mit, von dem  ich weiß, dass er nicht mehr beichtet oder sich sehr schwer tut damit. Ich kann zwar nicht seine Sünden beichten – aber ich kann Gott bitten, dass er meine Umkehr fruchtbar macht für diesen Menschen. Ich glaube, daran, dass es einen solchen Austausch der Gnaden gibt. Die Beichte ist für mich immer wieder ein neuer Anfang – und zwar nicht nur zu Weihnachten und zu Ostern.

Werden Sie in Neuzelle auch den Ablass gewinnen?

Der Ablass ist ein Gnadengeschenk der Kirche. Dieses Geschenk erinnert mich daran: Du bist mit der Aufarbeitung deiner Schuld nie am Ende. Die Folgen, die bösen Spuren der Sünde sind nicht so leicht zu verwischen.  Die gänzliche Aufarbeitung dieser Folgen erlässt mir die Kirche im Ablass – warum sollte ich das nicht dankbar annehmen? Der Ablass erinnert auch mich daran: Du bist nicht allein mit deinem Bemühen um die Umkehr – die Heiligen, ja die ganze Kirche steht mir bei. Ich vertraue mich dieser  Unterstützung gern an.

Was wünschen Sie unserem Bistum für das Heilige Jahr und als Frucht dieses Heiligen Jahres?

Ich hoffe, dass durch das außerordentliche Heilige Jahr besonders die leiblichen und geistlichen Werke der Barmherzigkeit wieder neu bekannt geworden sind. Sie sind ja wie ein Gewissensspiegel für uns. Sie erinnern uns an die vielen Möglichkeiten, die wir haben, das Gute zu tun. Und eine zweite Frucht könnte sein, dass manche Christen vielleicht das Sakrament der Buße wieder neu entdeckt haben. Besonders beim Weltjugendtag, aber auch das ganze Jahr über stand dieses Sakrament im Mittelpunkt. Ich wünsche mir eine wirkliche Erneuerung der Beichte und ermutige die Priester, dabei nach Kräften mitzuhelfen.

Wie haben Sie die Heilige Pforte und das, was „dahinter steht“ als Pilger erlebt – wie verändert es Ihr Leben?

An diesem Nachmittag hatte sich eine kleine Gruppe in der Kirche versammelt – aber aus verschiedenen Gemeinden, sogar ein Ehepaar aus dem Sauerland war dabei.  Es tut gut, sich einmal in die Schar der Beter einzureihen und nicht selbst die Verantwortung zu haben. Ich habe vor der Andacht eine Zeit vor unserem Gnadenbild verbracht und der Gottesmutter die wichtigen Anliegen unseres Bistums ans Herz gelegt – vor allem auch die Planung der Neugründung eines Klosters in Neuzelle.

Wir haben dann mit dem Prediger, Herrn Pfarrer Daniel Laske, darüber nachgedacht, was es bedeutet „lästige Menschen geduldig zu ertragen“ – ein geistliches Werk der Barmherzigkeit. Da ging es auch um meinen Alltag und ich habe eine wichtige Aufgabe neu sehen gelernt und mitgenommen. Mein Leben hat sich nicht grundsätzlich verändert durch diese Pilgerfahrt zur Heiligen Pforte – aber es war ein Nachmittag der Stille und der Sammlung (auch die Zeit im Zug gehörte dazu). Das tut auch einem Bischof einmal gut und hilft mir meinen Dienst wieder aufmerksamer zu tun.

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