25. Dezember 2015

Nicht ein „apathischer“ Gott, sondern ein persönlich-„sympathischer“ Gott – wird Mensch

Nicht ein „apathischer“ Gott, sondern ein persönlich-„sympathischer“ Gott – wird Mensch

Der siebenjährige Jakob Schmuck sagt: Ich bin Hirte Fünf, der Flöten-Hirte“. Er flötet ein Lied, singt Solo, lagert mit seinen Hirtenkollegen am Feuer. Ein Stück entfernt sitzen die drei Wirte. Niklas ist Hirt Eins. „Ich schicke als Erster die Leute weg. Sie sollen weggehen, weil sie mir sonst meine Gäste verjagen“. Flötenjunge Jakob sagt: Der Valentin ist ein lieber Hirt. Der gibt den Leuten den Stall als Unterkunft“. Jakobs Schwester Hannah sagt: „Ich habe mich geopfert, die Maria zu spielen. Keiner wollte sie spielen, vor allem, weil wir noch keinen richtigen Josef hatten. Maria, wird gemobbt. Eine besondere Szene ist die, in der Maria in einem Brief alle ihre Gefühle an Josef schreibt, erklärt, dass sie schwanger geworden ist. Und von ihrer Angst, dass Josef sie verlässt. Sie vertraut auf ihre Liebe“, sagt Hannah. Am 12. Dezember wurde das Krippenspiel zum ersten Mal aufgeführt, vor fast 200 Betreuten von Caritas und Maltesern im Görlitzer Wichernhaus. Für einige der Gäste war es die einzige Weihnachtsfeier. Am Heiligen Abend wurde diese moderne Weihnachtsgeschichte, die durchzogen ist von den Ereignissen vor über 2000 Jahren – die aktuell sind wie nie – in der bis auf den letzten Platz vollen Kirche St. Hedwig gespielt. Diakon Bernd Schmuck leitet diese Krippenandacht. Und er hat, gemeinsam mit Claudia Mauermann, einer Erzieherin aus der Kindertagesstätte St. Hedwig, dieses Stück seit vielen Wochen mit den Kindern einstudiert. Tausende Menschen in vielen Ländern der Erde fliehen, weil dort das Gegenteil aus der Weihnachtsbotschaft stattfindet: Der Name Gottes wird missbraucht, um in seinem Namen mit Terror, Tod und Leid die Welt zu überziehen. „Ehre sei Gott in der Höhe und Frieden auf Erden, den Menschen guten Willens“. In dem Krippenspiel sprechen Flüchtlinge von ihren Ängsten — parallel dazu suchen Maria und Josef eine Bleibe. Ein Arbeitsloser und eine ungewollt Schwangere berichten aus ihren Leben, die sie sich ganz anders vorgestellt haben.

Bischof Wolfgang Ipolt thematisiert in seiner Predigt am ersten Weihnachtstag in der Kathedrale St. Jakobus in Görlitz die „fundamentale Beziehung zwischen Gott und dem Menschen“. Gottes Geschöpf „löst sich aus der Hand des Schöpfers und will eigene Wege gehen“, sagt der Bischof unter anderem und gibt Antworten, die letztendlich alles zum Guten wenden: „Gott konnte diese Trennung des Menschen von seiner Liebe nicht ertragen. Es dreht ihm sozusagen das Herz um wegen des Elends des Menschen, in das er sich selbst begeben hat. Darum geht er dem Menschen nach in seinem Sohn, indem er selbst Mensch wird“. An anderer Stelle sagt der Bischof: „Die Botschaft von Weihnachten sagt uns: Gott ist Mensch geworden – das Wort ist Fleisch geworden! Er lässt sich selbst auf diese manchmal schwierige und miserable Situation des Menschen ein und will sie mit uns teilen. Er will all das, was wir als bedrückend und schmerzlich erleben, am eigenen Leib erfahren. Das ist der Gott, an den wir glauben. Er ist nicht ein „apathischer“ Gott, sondern ein persönlich-„sympathischer“ Gott“. Hier steht die Predigt im Wortlaut.

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