25. September 2016

Neupetershain: „Wehmut liegt über dieser Stunde, in der wir uns von dieser Kirche verabschieden“

„Liebe Schwestern und Brüder, so schön wir diesen Gottesdienst auch gestalten mögen – es liegt dennoch ein wenig Wehmut über dieser Stunde, in der wir uns von dieser Kirche verabschieden. Am Ende dieser Messfeier werden Sie das besonders merken. Und es ist für einen Bischof nicht die angenehmste Pflicht, wenn er eine Kirche schließen muss. Denn: Es geht ja nicht um irgendein Gebäude, das nicht mehr gebraucht wird, weil keine katholischen Christen mehr da sind. Es geht vor allem um einen Ort der Gottesverehrung und der Anwesenheit Gottes an diesem Ort, den wir aufgeben“, mit diesen Worten beginnt Bischof Wolfgang Ipolt am 11. September seine Predigt in der Kirche von Neupetershain. Dieser Ort gehört zur Pfarrei Großräschen. Der Bischof fragt, ob das Aufgeben dieser Kirche „eine Bedeutung nur für uns Katholiken hat oder auch für die 1.250 Einwohner von Neupetershain überhaupt? Natürlich weiß ich auch, dass viele heute davon keine Notiz nehmen werden. Die meisten Einwohner Brandenburgs haben Gott aus den Augen verloren und kennen ihn kaum. Aber dennoch sind Kirchen immer Hinweise auf den Gottesglauben, Hinweise auf Menschen, die sich darin versammeln, weil sie sich diesem Gott verschrieben haben.“, so Bischof Ipolt.

Neupetershain: Der Ort wäre wohl  ohne den Bau der Eisenbahnanbindung zwischen Großenhain, Senftenberg und Cottbus wohl nicht entstanden. Nach dem Entschluss zum Bau dieser Strecke wurden in gleichmäßigen Abständen Bahnhöfe für die jeweils umliegenden Dörfer vorgesehen. So kam es, dass zwei Kilometer entfernt vom ursprünglichen Petershain der Bahnhof mitten im Walde gebaut wurde. 1870 wurde die Eisenbahnlinie mit der Bahnstation Petershain eröffnet. 1904 wurde amtlich veröffentlicht:  „In Erwägung, dass zufolge des raschen Emporblühens zahlreicher Ansiedlungen – Fabriken, Hüttenwerke und Wohngebäude – am Bahnhof Petershain in einer erheblichen Entfernung vom Orte Petershain ein neuer und mit dem Orte Petershain in nur sehr geringer Beziehung stehender Komplex von Wohn- und Arbeitsstätten entstanden ist, in welchem bereits 214 Haushaltungen mit 1085 Seelen sich niedergelassen haben, …beschließt der Kreisausschuss: Die neue Gemeinde mit dem Namen „Neu Petershain“ soll mit dem 1. April 1905 als entstanden gelten. Die ersten betrieblichen Niederlassungen am Bahnhof erfolgten 1891 mit dem Bau einer Dampfziegelei durch den Gutsherrn von Petershain. Die Firma Niederlausitzer Glashüttenwerke wurde 1896 durch den Inhaber Adolf Müller, Maximilian Hoffmann und Anton Held gegründet. Letztere waren es auch, die die ersten Mehrfamilienhäuser bauen ließen. Der Bau weiterer Glashütten war in Vorbereitung.“ In der Blütezeit hatte Neupetershain über 3000 Einwohner, jetzt sind es noch etwa 1000.

„Unsere Kirchengebäude sind Erinnerung an Gott; wenn sie nicht da wären, ist das ein Verlust. Aber wichtiger scheinen mir gläubige und überzeugte Christen zu sein, die nicht aufhören zu beten und Zeugen Gottes zu sein, die nicht aufhören wie Mose hinzuweisen auf das, was uns er Gott für uns getan hat und wie er uns begleitet und führt. Das können wir heute, wo wir ein Kirchengebäude schließen, innerlich den Menschen an diesem Ort und in dieser Gegend und damit auch Gott versprechen: Wir wollen Zeugen für Gottes Gegenwart sein; wir wollen sie nicht verheimlichen, sondern zum Leuchten bringen. Dazu möge uns der Herr stärken und immer wieder neuen Mut schenken, sagt der Bischof in seiner Predigt.

„Die Gemeinde hat auf würdige Weise Abschied genommen von ihrer Kirche“, sagt Bischof Ipolt und er dankt allen, die sich für dieses und in diesem Gotteshaus engagiert haben, besonders  Marlis und Johannes Lamm (Foto). Pfarrer Dr. Thomas Olickal überreichte einen Präsentkorb an  das Ehepaar Lamm. Sie  haben viele Jahre Dienste in dieser Kirche geleistet, als Küster, bei der Reinigung des Gotteshauses, beim Blumenschmuck.  Familie Lamm wohnt neben der Kirche, im früheren Pfarrhaus.

Fotos: Felicitas Grune, Irene Mädler und Annette Okoniewski

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