5. März 2016

Nächste Haltestelle Frauenkirche, Rast in der Fastenzeit

Nächste Haltestelle Frauenkirche, Rast in der Fastenzeit

Nächster Halt: die Frauenkirche in der Görlitzer Stadtmitte –  an jedem Mittwoch um 17.30 Uhr in der Fastenzeit. Es sind Angebote, zum Annehmen oder Vorbei-gehen.

„Für alle, die die Zeit zwischen Aschermittwoch und Ostern für sich anderes erleben, anders als üblich gestalten wollen.“ So lautet die Einladung von Gabriele Kretschmer, zuständig für Missionarische Pastoral im Bistum. Gemeinsam mit der Pfarrei Heiliger Wenzel in Görlitz und der evangelischen Innenstadtgemeinde wird an jedem Mittwoch in der Fastenzeit eine reichlich halbe Stunde Ruhe und Einkehr inmitten einer turbulenten Zeit angeboten.

Jeder Gast wird vor dem Kirchenportal zur Begrüßung mit einer Kerze empfangen. Passanten werden eingeladen, dabei zu sein. Nach einer kurzen Begrüßung und einem einstimmenden Gesang der Frauen, äußert sich jeweils ein anderes „Gesicht aus Politik, Kirche und Gesellschaft“ zu einem geistlichen Werk der Barmherzigkeit. Am vorigen Mittwoch war es Katja Wöhle, Referentin für Theologie und Kanonistik am Bischöflichen Ordinariat Görlitz, die sich mit der Frage beschäftigte, was machen die Werke „Unwissende lehre und Zweifelnden recht raten“ zu Werken der Barmherzigkeit? Stellen sie nicht vielmehr Anweisungen zur Rechthaberei, Kleinigkeitkrämerei da? Was ist daran barmherzig, wenn man meint es besser zu wissen? Ist es nicht vielmehr eine Anmaßung gegenüber dem Unwissenden und Zweifelnden? „Wir haben alle Antworten der Welt zu Hand. Wie ist es aber mit den Fragen dazu? Eine Antwort zu haben bedeutet nicht, die richtig Frage danach gestellt zu haben. Uns fehlt es nicht an Informationen, aber an der Gewissheit. An der Gewissheit zum Glauben. Und das macht uns zu Unwissenden.“ so Katja Wöhle. Durch Zeugen, durch Boten des christlichen Glaubens, die Gott uns auf unserem Weg sendet, können Unwissende Kenner des Glaubens werden, weil sie dann die Gewissheit des Lebens besitzen. Im Gegensatz zu den Unwissenden, ist bei den Zweifelnden ein Fundament vorhanden, auf das sie bauen und auch vertrauen können. Doch aus verschiedenen Gründen und unterschiedlichen Situationen gerät dieses Vertrauen ins Wanken und man zweifelt an dem, was vorher sicher war. Katja Wöhle vergleicht das mit dem Heiligen Thomas, der, obwohl er ein Jünger Jesu war und das das Osterereignis und die Auferstehung erlebte, an das Erscheinen Jesu bei den Jüngern zweifelte. „Thomas zweifelt an der Auferstehung Jesu, obwohl er ein Gläubiger war – doch der Glaube allein reicht ihm nicht mehr aus. Der Glaube verlangt vieles von einem Menschen ab, aber am größten wohl der Entschluss, an ihm festzuhalten und diesen Glauben zu leben.“ Wenn wir Zweifel haben und wir uns nach der Begegnung mit Christus sehnen, dann sollten wir wie Thomas die Finger auf die Wundmale Jesu Christi legen: „Es sind die Wunden Christi, durch die wir geheilt sind und für uns zum Wunder des Lebens werden. Thomas möchte diese Wunden Christi berühren; denn es sind die Wunden, die Thomas in seinem Glauben spürt und die Christus für ihn auf sich genommen hat.“  Wenn wir ebenso den Mut haben, die Finger in die Wunden Christi zu legen, dann werden aus Zweifelnden Erkenner.

Nach der Ansprache sang die Männerschola. Am Ende waren die Besucher der Haltestelle eingeladen, ihre Kerzen im Sinne dieser beiden geistlichen Werke anzünden, weil sie Werke für die Gewissheit des Glaubens sind und für die Begegnungen mit Christus. Der Ablauf der Andacht ist an jedem Mittwoch gleich. Und es sind Angebote, die man annehmen kann – oder an denen man vorbei geht.

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