26. Februar 2016

Menschenunwürdige Aktionen haben ihre auch Wurzeln in der Entchristlichung vieler Menschen – Bischof Ipolt nimmt Stellung zu Vorfällen in Clausnitz und Bautzen

Stellungnahme von Bischof Wolfgang Ipolt, Görlitz zu den Vorfällen in Clausnitz und Bautzen

 „Ich war fremd und obdachlos, und ihr habt mich nicht aufgenommen…“ (Mt 25,43)

Die Vorgänge in Clausnitz und Bautzen machen mich als Bischof des Bistums Görlitz betroffen und nachdenklich. Woher kommt solche Ablehnung von Menschen, die aus großer Not und aus den Wirren des Krieges bei uns Zuflucht suchen? Was befürchten diejenigen, die die Ankunft von Flüchtlingen behindern oder eine geplante Unterkunft für diese in Flammen aufgehen lassen und die Arbeit der Feuerwehr behindern? Ich schäme mich für diejenigen, die so etwas tun. Sie selbst sind zu solcher Scham scheinbar (noch) nicht in der Lage.

Es ist aus meiner Sicht ein großer Missbrauch, den Ruf „Wir sind das Volk!“, mit dem wir Ostdeutschen in die Freiheit gezogen sind, jetzt Hilfe suchenden Menschen entgegen zu schleudern und ihnen damit Ablehnung und Hass zuteilwerden zu lassen. Mir scheint, dass solche menschenunwürdigen Aktionen hier im Osten Deutschlands unter anderem auch ihre Wurzeln in der Entchristlichung vieler Menschen haben. Diejenigen, die das sogenannte christliche Abendland verteidigen wollen, handeln hier eben gerade nicht im Sinne des christlichen Menschenbildes. Derzeit müssen wir uns wohl den Vorwurf Jesu gefallen lassen, den er in der Gerichtsszene des Evangeliums so ausdrückt: „Ich war fremd und obdachlos und ihr habt mich nicht aufgenommen.“ Wir sollten als Christen weiterhin mutige Zeichen des Willkommens und der Nächstenliebe setzen – auch um des guten Rufes unseres Volkes willen. Ich bin denen darum besonders dankbar, die mit hohem Engagement viel Zeit und Kraft einsetzen, um die Fremden und Flüchtlinge freundlich aufzunehmen.

Ich hoffe sehr, dass die Anstifter und Verursacher der Vorfälle von Clausnitz und Bautzen zur Rechenschaft gezogen werden, weil sie unser demokratisches Gemeinwesen damit ernsthaft beschädigt haben. Ob sie wohl bereit sind zu einer öffentlichen Entschuldigung für ihr Verhalten? Das wäre das beste Zeichen dafür, dass sie zum Umdenken bereit sind.

 24.02.2016

+ Wolfgang Ipolt

Bischof von Görlitz

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