15. März 2022

Küster aus dem ganzen Bistum besuchten Görlitz

Küster aus dem ganzen Bistum besuchten Görlitz
Von Ines Eifler

Tausende Gottesdienste werden pro Jahr in den Kirchen der 16 Pfarreien des Bistums Görlitz gefeiert. Und kaum einer kommt ohne „Kirchendiener“ aus.

Küsterinnen und Küster schließen vor jedem Gottesdienst, vor jeder Andacht die Kirchen auf, legen in den Sakristeien die Gewänder zurecht, sorgen für die Kirchenbeleuchtung, zünden die Kerzen an, füllen Weihrauchgefäße, stellen Wasser und Wein bereit und geleiten die Ministrantinnen und Ministranten in den Kirchenraum. Die meisten von ihnen arbeiten ehrenamtlich, Gläubige jedes Alters sind darunter, vor allem an den Wochenenden sind sie im Einsatz.

Arbeit der Küster wird gewürdigt

Zur Würdigung ihrer Arbeit sind alle Küsterinnen und Küster einmal im Jahr zu einem Küstertag eingeladen, der jedes Mal an einem anderen Kirchenort des Bistums stattfindet. Gabi Kretschmer vom Seelsorgeamt des Bistums Görlitz organisiert ihn seit 2009. Am Sonnabend, 12. März, fand der Tag erneut statt.

Etwa 40 Küsterinnen und Küster – pandemiebedingt etwa ein Drittel weniger als bisher – folgten der Einladung nach Görlitz. Zuletzt hatten sie die St.-Jakobus-Kathedrale kurz vor ihrer Schließung im Jahr 2020 besucht. Nun konnten sie erfahren, wie schön die Bischofskirche geworden ist, wie farbenfroh die Innenausstattung, wie modern die Sakristei und wie praktisch manches Detail, das auch den Küsterinnen und Küstern den Dienst erleichtert.

Andreas Malcher, seit sechs Jahren Hausmeister und Küster am Kirchenort St. Jakobus, berichtete nicht nur von der Kirchensanierung, der Neugestaltung des Kreuzwegs an den Seitenwänden und wie der Jakobsweg Eingang in die Deckenbemalung der Pilgerkirche fand. Er führte die Gruppe auch durch die Sakristei, zeigte den Besuchern etwa die digitale Steuerung der Kirchenbeleuchtung oder die elektrisch betriebene Aufhängung selten benutzter Festtagsgewänder in den oberen Schrankfächern. Auch das neue, besonders tiefe Taufbecken, in dem ein Kind die Ganzkörpertaufe empfangen kann, interessierte die Küstergruppe, ebenso der Aufbewahrungsort für die Heiligen Öle hinter einer stoffdurchwirkten, durchscheinenden Tür in der Kirchenwand.

Blick in andere Religion – Kulturforum Görlitzer Synagoge

In fast allen Pfarreien zwischen Görlitz im Süden und Beeskow im Norden hat der Küstertag bisher stattgefunden, etwa in Guben, in Cottbus, in Lübben und Lübbenau, in Bad Muskau und Weißwasser, in Calau und Hoyerswerda. Aus vielen dieser Kirchenorte waren die Küsterinnen und Küster am Sonnabend angereist. Gabi Kretschmer hatte den Tag mit dem Bibelwort „Füllt den neuen Wein nicht in die alten Schläuche“ überschrieben und hielt dazu an, offen zu sein. „Oft begründen wir gegenüber Jüngeren: Weil wir das schon immer so machen“, sagte sie bei ihrem Impuls zwischen Kirchenbesuch und Mittagessen im St.-Otto-Stift. Doch auch im Küsterdienst gelte es, das Jesuswort ernst zu nehmen, manch alte Gewohnheit abzulegen und Neues zuzulassen.

Die St.-Jakobus-Kathedrale war am Sonnabend nicht der einzige sanierte Ort, den die Küsterinnen und Küster besuchten. Am Nachmittag fuhr die Gruppe zur Besichtigung der früheren 1911 errichteten Görlitzer Synagoge. Sie konnte der Jüdischen Gemeinde der Stadt nur wenige Jahrzehnte, bis zu ihrer Auslöschung, als Gotteshaus dienen, verfiel dann in der DDR und wurde 2021 – 30 Jahre nach Sanierungsbeginn – als Kulturforum wiedereröffnet. In einer kleinen Wochentagssynagoge können heute unter anderem wieder jüdische Gottesdienste gefeiert werden.

Für Gabi Kretschmer war es der letzte Küstertag, den sie für das Bistum Görlitz organisierte, weil sie sich im Sommer aus ihrem Berufsleben verabschieden wird. Domprobst Dr. Alfred Hoffman dankte ihr für die vergangenen Begegnungen und schenkte ihr, einer begeisterten Pilgerin, eine Tasse mit der Jakobsmuschel, dem Symbol des Weges, der auch durch die Görlitzer Kathedrale St. Jakobus führt.

Fotos: Ines Eifler

Titelfoto: Küster Andreas Malcher zeigt der Küstergruppe das neue Taufbecken der St.-Jakobus-Kathedrale, in dem Kinder vollständig ins Wasser getaucht werden können.

Küster Andreas Malcher führt die Küstergruppe durch die Sakristei der St.-Jakobus-Kathedrale.

Küster Andreas Malcher berichtet der Küstergruppe von der Sanierung der St.-Jakobus-Kathedrale.

Gabi Kretschmer organisiert den Küstertag seit 2009, in diesem Jahr zum letzten Mal.

Domprobst Dr. Alfred Hoffmann dankt Gabi Kretschmer für die Organisation vieler Küstertage.

Etwa 40 Küsterinnen und Küster folgten der Einladung des Bistums Görlitz.

 

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