6. Februar 2023

„Keinen Menschen durch mein aktives Tun zu Tode bringen“

Popup-Theater „GOTT“ in Lauta mit über 100 Besucherinnen und Besuchern

Ein 78-jähriger gesunder Mann möchte sein Leben beenden, weil er dessen nach dem Tod seiner Frau überdrüssig geworden ist. Über die Frage, ob er das darf und über das Thema assistierter Suizid schrieb Ferdinand von Schirach 2020 das mittlerweile auch über die ARD-Verfilmung bekannt gewordene Theaterstück „Gott“. In einem fiktiven Ethikrat, den das Publikum bildet, verhandelt von Schirach die Frage, wem das Leben letztlich gehört, ohne eine abschließend klare Antwort darauf zu geben.

In einer Kooperation zwischen der Katholischen Akademie des Bistums Dresden-Meißen, der Sächsischen Landeszentrale für politische Bildung, der Volkshochschule Hoyerswerda sowie des Bistums Görlitz wurde dieses Theaterstück am 2. Februar 2023 in der Kulturkirche Lauta durch das Würzburger Theater Chambinzky aufgeführt. Über 100 Besucherinnen und Besucher folgten dieser Einladung und füllten die Kirche bis auf den letzten Platz. Durch ein überzeugendes Schauspiel verstand das Ensemble, die Besucherinnen und Besucher mit in die persönliche Abwägung der Frage hineinzunehmen. So ergab die an das Theaterstück anschließend stattfindende Abstimmung ein Ergebnis von 69 Nein- und 44 Ja-Stimmen auf die Frage, ob dem fiktiv Sterbewilligen durch Verabreichung eines tödlichen Medikaments geholfen werden dürfe.

Nach dem Theaterstück wurde die Frage in einem Publikumsgespräch weiter vertieft. Dazu saßen auf dem Podium der Schauspieler Alexander Zamzow, Rechtsanwältin Jana Kreuz, der Hoyerswerdaer Pfarrer Peter-Paul Gregor sowie die Krankenschwester des Palliativteams Lausitz e. V. Melanie Bittner. Sie wünschte sich von Hausärztinnen und -ärzten mehr Know-how hinsichtlich der Frage des menschenwürdigen Sterbens und der Palliativmedizin. Ein Arzt meldete sich zu Wort und erinnerte an die Schwierigkeit, dass im Falle eines assistierten Suizids die Erwartung an Ärzte herangetragen würde, aktiv etwas für den Tod eines Patienten zu tun. Dies bringe ihn in einen massiven Gewissenskonflikt: „Ich möchte keinen Menschen durch mein aktives Tun zu Tode bringen.“ Auf den Zusammenhang zwischen Menschenwürde und dem Sterben verwies Pfr. Peter-Paul Gregor am Ende des Gesprächs: „Was aber, wenn bei allem die Liebe stirbt und verlorengeht?“

Nach etwa 3 Stunden wurde die Veranstaltung durch den Moderator Roland Löffler, Leiter der Sächsischen Landeszentrale für politische Bildung, beendet und hinterließ angesichts des schwierigen Themas eher nachdenklich gestimmte Besucherinnen und Besucher, die aber dem Abend aufgrund der beeindruckenden schauspielerischen Leistung des Ensembles ein durchweg positives Echo gaben.

 

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