24. Mai 2016

Bei der Jugendwallfahrt haben die Jugendlichen, zwei Bischöfe und drei Zisterzienser grüne Brillen auf

Bei der Jugendwallfahrt haben die Jugendlichen, zwei Bischöfe und drei Zisterzienser grüne Brillen auf

Die Jugendwallfahrt am vorigen Sonntag, dem 22. Mai, begann in diesem Jahr nicht im nördlich von Neuzelle gelegenen Eisenhüttenstadt, sondern vom im Süden gelegenen Wellmitz aus. Am dortigen Bahnhof  starteten 98 Wallfahrer zu Fuß über den Oder-Damm zum Wallfahrtsort des Bistums Neuzelle. Bei ihrer Ankunft in Wellmitz hatten die Wallfahrer Sonnenbrillen mit grünen Gestellen erhalten. Sie gehörten zum Thema des Tages: „Mit seinen Augen“.

An der Stiftskirche erwartete und begrüßte Bischof Wolfgang Ipolt die Pilger aus Wellmitz und weitere Jugendliche, die auf anderen Wegen angereist waren. Auch sie sind mit grünen Brillen ausgestattet. Mit dem Bischof warteten drei Zisterziensermönche an der Kirche. Sie wollen die Jugendwallfahrt mit den Jugendlichen verbringen. Einen Tag zuvor waren die Patres aus dem Stift Heiligenkreuz im Wienerwald, unter ihnen Abt Dr. Maximilian Heim, bei der Äbtissin-Weihe von Schwester M. Elisabeth Vaterodt im Kloster St. Marienthal, bei Ostritz, dabei.  Das Kloster Neuzelle (Nova Cella) war eine in der Niederlausitz gelegene Abtei des Ordens der Zisterzienser. Sie wurde im 13. Jahrhundert vom Haus Wettin gegründet, bestand bis 1817 und wurde von der Regierung Preußens säkularisiert.

Während die Wallfahrer auf dem Weg nach Neuzelle unterwegs waren, gab es in der Stiftskirche  die zweite Durchlaufprobe. Chorleiterin Carolin Holfeld ist zufrieden mit dem Ergebnis von zwei Chorwochenenden im Don-Bosco-Haus in Neuhausen und den Proben seit Samstag. Um 13 Uhr schauen neun Sängerinnen und vier Sänger, die aus den Pfarreien Großräschen, Cottbus, Hoyerswerda, Wittichenau und Görlitz kommen, sowie die Musiker Benjamin Sawicki, (Elektro-Klavier) und Sarah Gruca (Gitarre) aus Schwarzheide, gespannt zur Chorleiterin und warten auf den Einsatz. Der erfolgt, als die ersten Ministranten und das Kreuz zu sehen sind, gefolgt von Weih-Rauch. Damit wird im Wallfahrtshochamt nicht gespart.

Bischof Ipolt begrüßt neben den Zisteriensern als weitere Gäste am Altar, den Bischof der Diözese  Zielona Góra-Gorzów, Tadeusz Litynski und Dr. Grzegorz Chojnacki, Professor an der Universität Szczecin/Stettin. Der polnische Bischof lädt die Jugend des Bistums nach Krakau ein, zuvor in sein Bistum, überreicht eine WJT-Fahne. Professor  Chojnacki übersetzt die Worte seines Bischofs in perfektem Deutsch. Das hat er sich in Deutschland angeeignet, wo er studierte.

„Die Augen gehören zu den wichtigsten Organen beim Menschen. Vieles nehmen wir nur über die Augen auf. Das Sehen gehört darum zu den klassischen fünf Sinnen des Menschen“, so beginnt Bischof Ipolt seine Predigt. Er spricht von Hilfsmitteln, die das Sehen erleichtern, „wenn unsere Augen schwächer werden oder nicht ganz deutliche Bilder liefern – dann nehmen wir eine Brille zu Hilfe“. Er erinnert an Redewendungen wie: „durch eine bestimmte Brille sehen“ oder durch eine „rosarote Brille“ oder  alles „schwarz sehen“. Es gehe dabei nicht um eine Sehhilfe, die Brille – „sondern eher um einen bestimmten Blickwinkel, den ein Mensch hat, oder der ihm eben fehlt. Es geht um die inneren Augen in unserer Seele, um das was uns Gott dort sagt und zeigt“. Darüber denkt der Bischof gemeinsam mit den Jugendlichen nach, fasst in drei Merksätzen  zusammen, „was ich euch gern von dieser Wallfahrt im Heiligen Jahr mitgeben möchte. Erstens: Mach die Augen auf – Gott zeigt dir Menschen, die Hilfe brauchen.  Zweitens: Mach die Augen auf – Gott zeigt dir deine Sünden. Und Drittens: Mach die Augen auf – Gott zeigt dir deinen Lebensweg. Wir müssen Augen und Ohren öffnen für seine Zeichen, die er uns sendet. Die Heiligen konnten das. Sie waren ganz offen für das, was Gott von ihnen wollte“, so der Bischof. Seine Predigt steht im vollen Wortlaut hier.

„Maria, Mutter, Friedenshort…“ das Neuzeller Wallfahrtslied erklingt am Ende des Wallfahrtshochamtes. Das ist üblich; eine Premiere ist die Begleitung mit einem Hümmelchen. Das ist ein kleiner Dudelsack, den Jakob Kretschmer aus Görlitz spielt. Bereits beim Halleluja war er zu hören.

Die Chorleiterin zeigt sich nach dem Gottesdienst zufrieden:   „Nichts ist perfekt, aber hier war alles wunderbar. Wir musizieren als Glaubensverkündigung. Es ist unsere Art, mit der Musik zu zeigen, dass wir Christen sind,dass wir zur Kirche gehören“, sagt sie. Eines der Chormitglieder, Richard Maske aus Cottbus, hatte am Wallfahrtstag Geburtstag. Der Tenor ist dennoch dabei, singt mit, denn:  seinen Geburtstag mit so vielen Leuten zu feiern, in dieser Gemeinschaft dabei zu sein, das findet er gut, meint die Chorleiterin.

In der Turnhalle des Ortes gibt es Mittagessen und danach ein Volleyballturnier. Es spielten neun Mannschaften aus dem Bistum. Den Pokal nahm die erste Mannschaft aus Wittichenau mit. Platz zwei belegte die Neuzeller Mannschaft, den dritten Platz holte sich der BDKJ Vorstand. Diözesanjugendseelsorger Marko Dutzschke ist zufrieden mit dem Tag und dankt allen Aktiven. Im nächsten Jahr soll die Jugendwallfahrt wieder zwei Tage dauern.

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