Innensanierung

INNERE INSTANDSETZUNG UND SANIERUNG KATHEDRALE SANKT JAKOBUS GÖRLITZ 2020-2021

 „Wir essen das Brot, aber wir leben vom Glanz“. – Mit diesen Worten beschreibt die Dichterin Hilde Domin ihre Erfahrungen mit dem Heiligen. Architekten und Künstler haben diese Verszeile auf die besondere Spiritualität von Kirchenräumen bezogen. Einen Sakralraum zu schaffen und zu erhalten, war und ist für alle Generationen eine Herausforderung.

Der baumeisterliche Glanz der 1900 erbauten St. Jakobuskirche, der heutigen Kathedrale des Bistums Görlitz, war in den letzten Kriegstagen verloren gegangen. Durch Artilleriebeschuss am 6./7. Mai 1945 wurde die Kirche stark zerstört, damit die  beeindruckende Innenraumschale beschädigt. Erst mit der inneren Instandsetzung und Sanierung der Bischofskirche 2020/2021 konnten die letzten Kriegsschäden beseitigt werden. Zuvor erfolgten in den Nachkriegsjahren Notreparaturen und nach der Wende die Sanierung des Westgiebels (2004/2005) sowie die äußere Instandsetzung und Sanierung (2012 – 2015). Eine letzte umfassende innere Instandsetzung fand 1980 – 1982 statt.

Seit 2016 liefen die Vorbereitungen und Planungen für die Innensanierung. So wurde eine Rekonstruktion der historischen Farbfassung der St. Hedwigs-Kapelle und einer Gewölbekappe im Chorbereich vorab mit Restauratoren realisiert.

Die Ausmalung der Bischofskirche verbindet die Rekonstruktion der historischen Fassung im Chorraum und Seitenkapellen mit einer ergänzenden Adaption und Neuschöpfung der übrigen Wand- und Gewölbeflächen. Die Bauherrschaft – Bischof, Domkapitel und Pfarrgemeinde als Eigentümer der Kathedrale – hatten sich im Vorfeld für eine solche Raumfassung entschieden.

Nach Reinigung und Risssanierung aller Putzflächen schlossen sich Grundierung und Egalisierungsanstrich an. Mit Hilfe von Schablonen konnten die Grundkonturen aufgetragen werden. Es folgte die Ausmalung der Bänder, Ornamente und Ranken. Metallauflagen, Gold vor allem im Chorgewölbe und Silberauflagen für die Seitenkapellen, bringen den Sakralraum zum Leuchten. Die Rekonstruktion der prägenden Schlusssteine mit Farbfassung und Vergoldung sowie der Gewölberippen geben der Bischofskirche einen feierlichen Glanz.

Ein Kleinod aus der Entstehungszeit der Kirche ist die auf den Ziegelstein gemalte und nunmehr restaurierte Weihnachtsgeschichte, eingefasst von König David und dem Propheten Jesaja, unterhalb der Orgelempore.

Die Gewölbe des Mittelschiffs und des Querschiffs sind neu geprägt durch die künstlerische Gestaltung des Jakobspilgerweges. So kreuzen die beiden Pilgerwege von Ost nach West und von Nord nach Süd  in der Vierung direkt über dem Zelebrationsaltar. Ein QR-Code, vielfach verwandt als Ornament und als Sprache unserer Zeit, unterstreicht  die Bedeutung des Altares. Der Künstler hat mit der Neugestaltung des Vierungsgewölbes, der Idee und Umsetzung des Pilgerweges und der Einbindung der Kreuzwegstationen die Sprache unserer Zeit eingebracht.

Die Restaurierung des stark verschmutzten und geschädigten neogotischen Hochaltares aus französischen Kalkstein war ein Schwerpunkt. Mit Ergänzung der wieder aufgefundenen Engel sowie der Kreuzblumen erhält der himmelsstrebende Tabernakel-Altar seine ursprüngliche Architekturform zurück.

Im südlichen Querhaus wird die Taufkapelle mit Taufstein und Taufstele aus bulgarischen Sandanski-Marmor analog dem Altar erlebbar. Das nördliche Querhaus dient als Marien- und Werktagskapelle unter Verwendung des ehemaligen Marienaltares. Die Turmkapelle ist als besonderer Raum der Görlitzer Seligen Hildegard-Burjan gewidmet. Die Martinskapelle wurde als Kinderkirche und Ministranten-Sakristei eingerichtet.

Eine neue Elektroinstallation sowie eine moderne Beschallungsanlage für die Kathedrale und aller Nebenräume wurde nach 40 Jahren Nutzung erforderlich. Die neue Beleuchtung für das Kirchenschiff wurde unter Berücksichtigung der architektonischen Gegebenheiten und der spezifischen Anforderungen an einen Sakralraum geplant und umgesetzt.

Großer Dank gilt allen Planern, Künstlern und Gewerken, die mit Fachwissen, Gestaltungskraft, handwerklichem Können und Engagement zum Gelingen der Innensanierung der Kathedrale St. Jakobus beigetragen und somit ein Stück alten und neuen Glanz zurückgegeben und erschaffen haben.

Für die einzelnen Etappen der Innensanierung wurde eine Fotodokumentation in sechs Teilen mit erläuternden Begleittexten zusammengestellt.

Text und Fotos wurden zur Verfügung gestellt von Ordinariatsrat Thomas Backhaus, dem ehemaligen Leiter der Bauabteilung im Bischöflichen Ordinariat Görlitz.

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