20. Oktober 2008

Glauben und Provokation

2008-10-20_reichenbach

      Die Kolpingfamilie Reichenbach feierte am vergangenen Sonntag ihr 50-jähriges Bestehen   Görlitz. Im Kolpingjahr 1958 gründete sich die Kolpingfamilie in Reichenbach. Wann genau die 12 Männer damals das erste Mal zusammenkamen läßt sich heute nicht mehr feststellen. Beim Festgottesdienst platzt die kleine St.-Anna-Kirche aus allen Nähten. Über 100 Gemeindemitglieder und Kolpingbrüder und -schwestern waren am Sonntag gekommen, um das 50. Jubiläum zu feiern.  „Die Anfänge liegen etwas im Dunkeln“, berichtet Georg Brendler. Der Diplom-Ingenieur ist seit 1990 Vorsitzender der Kolpingfamilie Reichenbach. Im Jahr 1957 habe es im Klemens-Neumann-Heim in Görlitz eine Werktagung gegeben, berichtet er. Der Beschluss, dass jede Kolpingfamilie  zwei neue gründen soll, war der Anfang auch der Reichenbacher Kolpingfamilie. Die Kolpingfamilie der Görlitzer Pfarrei St. Jakobus übernahm die Patenschaft für die Neugründung. Im März oder April 1958 müsse es dann gewesen sein, erzählt Brendler, dass zu einem Abend für die Männer der Gemeinde eingeladen wurde. Zwölf von Ihnen erklärten zum Ende des Abends, dass sie in der Kolpingfamilie mittun wollten. Einer von ihnen ist Walter Schmolke. Er wird auf dieser Versammlung im Jahr 1958 auch zum Senior gewählt und bleibt es bis 1990. Am vergangenen Sonntag konnte Schmolke sich das Jubiläum „seiner“ Kolpingfamilie nicht entgehen lassen. Im Rollstuhl nahm der Senior am Festgottesdienst teil, in dem ihn Wolfgang Kresak, Diözesanpräses der Kolpingfamilie, für seine 50-jährige Mitgliedschaft mit einer goldenen Ehrennadel ehrte. Der jetzige Senior, Georg Brendler, schaut gerne zurück auf die vergangenen 50 Jahre. „Leider gibt es kaum schriftliche Aufzeichnungen. Das war auch eine halbe Vorsichtsmaßnahme“, erzählt er, warum sich so wenig über die Vergangenheit berichten lässt. Aus Vorsicht gegenüber der Staatsicherheit habe man damals gar nicht erst angefangen, viel aufzuschreiben. Es sei vor allem um die Vertiefung des Glaubens gegangen. Eine Provokation seien immer nur die Banner gewesen, mit denen die Kolpingfamilie an Wallfahrten und Prozessionen teilgenommen habe. Doch das hat sich geändert. „Nach 1990 kam der ganze Vereinskram. So viel trockene Materie! Das war eine schwierige Zeit“, berichtet Brendler von Umstellung von einer Pfarrgruppe zum Teil eines großen katholischen Verbandes. Nach dem Jubiläum geht es erstmal um Neufindung. „Der Altersdurchschnitt ist bei uns ziemlich hoch“, sagt Brendler.

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