21. Dezember 2009

„Geschmack auf Weihnachten machen“

Der Kölner Radiosender Domradio sendet jeden Tag im Advent ein Bischofswort. Am Freitag (18.12.2009) sprach Bischof Dr. Konrad Zdarsa das Wort im Advent. Sie können den Beitrag hier anhören oder hier

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Sicher haben wir das alles schon einmal gehört oder auch selber gesagt: Das muss ich mir erst einmal auf der Zunge zergehen lassen. Damit meinten wir aber keineswegs irgendeine Art von köstlicher Speise, sondern immer, dass wir das, was wir da soeben gesehen oder gehört haben, noch einmal in Ruhe und Konzentration bedenken und auf seinen eigentlichen Gehalt und seine Tragweite überprüfen müssen.

Kurz gesagt, wir müssen erst einmal sehen, ob wir an dem, was wir gerade erfahren haben, Geschmack finden – oder auch nicht. Wir müssen es erst einmal verkosten, schmecken.

Das lateinische Wort für die Weisheit – Sapientia – geht doch tatsächlich auf diese Tätigkeit zurück.

Einem anderen Geschmack machen, ist alles andere als ein Kinderspiel. Nur ein wahrhaft edler Wein, der die Erwartungen, die mit der blumigen Sprache auf dem Etikett geweckt werden, nicht enttäuscht, wird vom Weinliebhaber auf die Dauer bevorzugt werden.

In der Adventszeit will uns die Kirche buchstäblich Geschmack auf Weihnachten machen. Das unüberbietbare Geheimnis der Menschwerdung unseres Herrn lässt es nicht zu, dass wir uns schon lange vorher von allzu Vordergründigem abspeisen lassen.

Obwohl die Adventszeit in der lateinischen Kirche in ihrem Charakter nicht der österlichen Bußzeit gleichgestellt ist, rät uns die Kirche dennoch, in dieser Zeit mit allen Sinnen innezuhalten, um dann umso intensiver des höchsten Wunders gewahr zu werden.

Bisweilen wird es uns sogar schmerzlich bewusst: Alle Feiern der Kirche sind nächst ihrer offenbarungstheologischen und gnadentheologischen Dimension a u c h eine Frage des guten Geschmacks. Das ganze Kirchenjahr ist darauf ausgerichtet, dass wir immer mehr Geschmack am einzig Wahren, Gültigen und Ewigen finden. Davon zeugen nicht zuletzt die sogenannten O-Antiphonen, die in der Woche vor Weihnachten bei der Eucharistiefeier dem Evangelium und im Stundengebet dem Lobgesang Marias vorangestellt werden. Mit dem ganzen Motivreichtum der Bibel verbinden sie „jeweils eine preisende Anrede des erwarteten Messias mit einer flehentlichen Bitte um sein heilbringendes Kommen“, so sagt es ein Liturgiewissenschaftler (vgl. A. Adam, Das Kirchenjahr mitfeiern, Freiburg 1979, 116).

Es verwundert uns nicht, wenn der Messias von der ersten dieser Antiphonen, die dem Magnificat vorangestellt werden, als die W e i s h e i t angesprochen wird.

Der Lobpreis der Gottesmutter, das Magnificat, steht geradezu exemplarisch dafür, was es heißt, sich das, was der Herr in der Geschichte an uns Menschen und an Maria getan hat, im wahrsten Sinn des Wortes auf der Zunge zergehen zu lassen.

Maria selbst hat Geschmack an d e m einzig Wahren, dem Gültigen und dem Ewigen gefunden wie kein anderer Mensch. In der Gottesmutter, so sagen uns die Theologen, hat die geschaffene Weisheit die volle Einheit mit der unerschaffenen erlangt. In der christlichen Ikonographie ist Maria mit dem göttlichen Kind auf dem Schoß als Sedes Sapientiae – Thronsitz der Weisheit – zum Typus geworden. Können wir uns für das kommende Weihnachten etwas Besseres wünschen, als daran immer tieferen Geschmack zu finden??!

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