13. November 2015

Flüchtlinge, Sterbehilfe, Mission – der Diözesanrat trifft sich in Cottbus zur Herbstvollversammlung

Der Zeitplan war eng gestrickt am 6. und 7. November im St. Johannes-Haus in Cottbus. Dort tagte die Herbst-Vollversammlung des Diözesanrates. Am Freitagabend begann um 19.45 Uhr die erste Einheit: wie stets mit einem geistlichen Impuls zu Beginn. Hans Glass aus Klettwitz, Mitglied des Vorstandes, betete das Katholikentagsgebet vor.

Erstmals leitete die Sitzung der neue Vorsitzende des Diözesanrates, Harmut Schirmer. Neben ihm saß die neue Geschäftsführerin, Ingrid Schmidt. Sie schrieb das Protokoll. Nach der Protokollkontrolle vom Frühjahr folgten einige Formalia, danach berichtete Klaus Reinecke über die Abschlussveranstaltung des Gesprächsprozesses der Deutschen Bischofskonferenz, dbk,  zum Thema „Im Heute glauben“. Die einhellige Meinung lautet: Es muss weitergehen. Die Leitgedanken sind:

Daran schloss sich der Bericht des Generalvikars des Bistums, Dr. Alfred Hoffmann, an. Er informierte hinsichtlich der Flüchtlingsproblematik über die Pfarrei Niesky, die in Rothenburg an der Neiße eine Familie aus Tschetschenien, zehn Personen, in drei Generationen , aufgenommen hat. Es gibt bisher positive Erfahrungen und Rückmeldungen. Gemeinsam mit Caritas wird ein Flüchtlingsfond aufgelegt, aus dem Mittel abgerufen werden können. Für Sprachkurse hat das Bistum Gelder zur Verfügung gestellt. Und eine Personalstelle zu 15 Stunden pro Woche, die bei der Caritas angesiedelt ist, soll eingerichtet werden. Der Generalvikar berichtetet über den Notruf des Cottbuser Oberbürgermeisters Holger Kelch, der sich an Jugendpfarrer Marko Dutzschke gewandt hat und für unbegleitete jugendliche Flüchtlinge, unter 18 Jahren, eine Unterkunft suchte. Die Jugendlichen wurden im Haus der Jugendseelsorge, ehemaliger Jugendtreff „Die 111“ untergebracht. Weiterhin informierte Generalvikar Dr. Hoffmann unter anderem zu: „50 Jahre Briefwechsel zwischen polnischen und deutschen Bischöfen“. Dieses Jubiläum wird im Dezember begangen. Am Ende des II. Vatikanischen Konzils in Rom wurde es eingeleitet. Darin kam das Anliegen zum Ausdruck: „Wir gewähren Vergebung und wir bitten um Vergebung“. Unter dieser Überschrift und mit diesem Inhalt schrieben die polnischen Bischöfe einen Brief an die Deutsche Bischofskonferenz, dbk. Damit wurde ein Prozess der Versöhnung in Gang gesetzt. An verschiedenen Veranstaltungen werden Repräsentanten des Bistums teilnehmen.

Dem folgte der Bericht aus dem Kirchensteuerrat, den Ute Mittermaier vortrug. So erfuhren die Mitglieder des Diözesanrates unter anderem, dass die Jahresrechnung des Vorjahres keine nennenswerten Planabweichungen aufweist, sodass das vorgelegte Zahlenwerk von der Wirtschaftsprüfungskanzlei Hemberger akzeptiert und für plausibel erklärt worden ist“. Das Bistum kann also weiterhin seine Aufgaben erfüllen, dies auch im sozialen Bereich. Wenngleich – und auch darauf machte Frau Mittermaier aufmerksam, „der Haushalt nur mit der finanziellen Unterstützung der anderen deutschen Bistümer gelingt und denen geht es angesichts sinkender Katholikenzahlen immer schlechter.“

Erfahrungsberichte aus den Gemeinden waren unter zwei Fragestellungen in den Einladungen gestellt: Wie weit ist das Thema Katholikentag 2016 präsent? Physisch war der Katholikentag mit dem Urlaubsplaner 2016 im A5 Format präsent. Diese liegen inzwischen in den Pfarreien aus. Und: Wie weit ist das Thema Flüchtlinge präsent und mit welchen Erfahrungen? Von einigen Ausnahmen abgesehen, ist der Katholikentag noch nicht zu einem Haupt-Thema in den Pfarrgemeinden geworden, das Thema Flüchtlinge ist überall in den Orten im Bistum angekommen. Eigentlich sollte um 21.30 Uhr das Abendgebet, die Komplet, gebetet werden. Die aktuelle Lage von Menschen, die ihre Heimat verlassen haben, um Kriegen zu entgehen und der Wille, diesen Menschen so gut es geht, zu helfen, verlängerten die Diskussionen um weit über eine halbe Stunde.

Mit der heiligen Messe begann der zweite Konferenztag. In ihrem Impulsvortrag „Missionarisch Kirche sein“, informierte Gabriele Kretschmer über einige der von ihr initiierten Projekte. Frau Kretschmer aus dem Seelsorgeamt, Bereich missionarische Pastoral,  gibt einen Einblick in ihre Arbeit und ihr Verständnis. So wie Papst Franziskus sagt: „Geht hinaus an die Ränder und zeigt was ihr habt und glaubt!“, will sie: Missionarisch sein = authentisch Christ sein, begeistert Christ sein, einladend sein; Menschen, mit denen wir leben, mit Gott und unserem Glauben in Berührung bringen. Missionarische Pastoral sollten wir leben und immer im Blick haben. Gabriele Kretschmer stellte Fragen wie diese, die beantwortet werden sollten: Wie gelingt es uns mit unserm Glauben nach außen zu gehen? Wie kann ich mit meiner Sprache Gott und Glauben ins Wort heben? Wie bewegen wir uns als Kirche? Ihre Aufgaben sind: Kerngemeinden sensibilisieren und motivieren, nach „draußen“ schauen. Ihnen helfen, ein Start und Versuch zu wagen, mit dem Glauben zu den Menschen zu gehen und so zu sein, dass andere auf uns aufmerksam werden. Sie zählt als Beispiele die Sternsinger, Chöre, die in Altenheime oder. In Krankenhäuser gehen, auf. Und sie bringt weitere fast 20 Beispiele, wo dies bisher getan wurde: Akkustischer Adventskalender; Ausstellung Katholiken in der DDR; autofreier Sonntag; Bethlehem im Bahnhof; Haltestellen in der Fastenzeit; Radpilgern; Radfahrerkirche; biblische Parkführung in Bad Muskau; Dialogkrippe auf dem Christkindl-Markt in Görlitz. Sie berichtet von einer Veranstaltung im internationalen kulturellen Zentrum „Meeting Point Messian“ in Zgorzelec, als Schüler einer Klosterschule vor 300 deutschen und polnischen Schülern (die meisten von ihnen sind nicht christlich) ein Konzert gaben, in dem die Schüler neben dem christlichen Liedgut mit christlichen Werten und Traditionen in Berührung gebracht wurden.

Der letzte Tagesordnungspunkt blieb dem Bericht der Arbeitsgruppe „Sterbehilfe“ vorbehalten. Der Textentwurf wurde diskutiert, an wenigen Stellen geändert und verabschiedet. Er wird in einigen Tagen veröffentlicht. Hier finden Sie das Anschreiben an die Pfarrer und Pfarrgemeinderäte sowie den Text. Rückblickend sagt der neue Vorsitzende, Hartmut Schirmer, zu dieser Versammlung folgendes: „Wichtig erscheint mir bei der Flüchtlingsdebatte, dass wir als Katholiken eine christliche Gastgeberrolle wahrnehmen und öffentlich ,Farbe bekennen‘, dass sich unsere Gesellschaft der Not nicht verschließen kann. Gleichwohl gilt es, die berechtigten Sorgen der Menschen ernst zu nehmen, sich aber klar von populistischen und menschenverachtenden Positionen abzugrenzen“. Die Herausforderung der nahen Zukunft sei die Integration der Menschen in die Gesellschaft, die in Deutschland bleiben. Und: „Soweit es die Religionszugehörigkeit ermöglicht, auch die Integration in unsere Gemeinden.“ Zum Schwerpunkt des Samstags, dem Thema Sterbehilfe, sagte Schirmer: „Unsere Haltung basiert auf christlichen Standpunkten, die einen assistierten Suizid ablehnen. Der Diözesanrat hat ganz aktuell die Entscheidung des Deutschen Bundestages zugunsten des Gesetzentwurfs Brand/Griese zur Kenntnis genommen und begrüßt. Dieser entspricht in wesentlichen Zügen unserem Positionspapier. Wir sind damit so aktuell wie selten. In der Zukunft wollen wir unseren Beitrag dazu leisten, dass das Thema nicht aus dem Blick gerät“.

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