25. Juli 2015

Don-Bosco – und sein Traum – ist Thema im Don-Bosco-Haus in Neuhausen, bei der Bistums-RKW

Neuhausen bei Cottbus am vorigen Donnerstag-Vormittag: Auf die Schilder, die zur Jugendbildungsstätte „Don-Bosco-Haus“ weisen, scheint die Sonne. Das Grundstück liegt still und beschaulich mitten im Wald. Außer einigen vorbeifahrenden Fahrzeugen und zwitschernden Vögeln sind keine weiteren Laute zu hören. Das Eingangstor ist offen, die Tür zum Haus ebenso. Im Flur kommt eine junge Frau dem Besucher entgegen: Anne Scheinemann, die Jugendbildungsreferentin des BDKJ im Bistum Görlitz, ist auf dem Weg zur „Pyramide“. So wird der Raum aufgrund seiner Dachkonstruktion, die von unten offen ist, genannt. In dem Raum ist eine Gruppe Kinder um Richard Schirmer versammelt. Der junge Mann, der derzeit bei der Diözesanjugendseelsorge arbeitet, erzählt von seinem Freiwilligen Sozialen Jahr, das er in Ghana, in Afrika, verbracht hat. Über die Styler Missionare hat er dort in einem sozialen Projekt mitgearbeitet. Derweil bereitet Gemeindereferent Norbert Langner aus Spremberg Laptop und Beamer vor.

„Es treffen sich hier im Haus derzeit 33 Kinder zur Religiösen Kinderwoche (RKW). Die Teilnehmer ab sechs Jahren kommen aus Wittichenau, Spremberg und aus Pfarreien, die keine eigene RKW haben. Die Kinder sind in zwei Gruppen aufgeteilt; hier unten ist die Gruppe der Jüngeren, von sechs bis etwa neun Jahre, versammelt“, sagt Anne Scheinemann, nachdem sie die Tür zur Pyramide von außen geschlossen hat. Die Kinder sollen nicht gestört werden. Auf dem Weg in einen Gruppenraum einen Stock höher, erklärt sie das Thema der Tage: „Wir beschäftigen uns mit „Giovannis Traum“. Also mit Johannes Bosco. Das passt besonders gut, da dieses Haus nach ihm benannt ist. Herz und Hand ist heute das Tagesmotto“. Jeder Tag steht unter einem anderen Motto. Und an diesem Tag, dem Donnerstag, geht es darum, „was man Gutes tun kann mit seinen Händen; oder mit seinen Füßen dorthin geht, wo man helfen kann“, sagt die Jugendreferentin und: „Vor dem Anpacken sollte man sich Gedanken machen, wo und wie man, erst mit Herz, dann mit Hand, helfen kann“.

Am Montag kamen die Kinder in Neuhausen an, lernten sich untereinander – und gemeinsam das Haus und das große Grundstück, mit vielen Spiel-Möglichkeiten, kennen. Vor einem Ausflug zum Stausee am Dienstag, stand eine Katechese zum Thema „Feste feiern“ auf dem Programm. „Es ging auch darum, was wir tun können, wenn Gott sagt, ich vermisse euch, kommt zu mir“, sagt Anne Scheinemann.

„Feuer und Flamme“ war das Thema am Mittwoch. Feuer bringt Wärme, damit kann man Gutes tun. Feuer müsse auch in den Menschen brennen, so wie bei Johannes Bosco, der sich um vernachlässigte Jugendliche gekümmert hat. Praktisch ging es bei diesem Thema um Raketen, mit denen man neue Welten entdecken kann.

Inzwischen drückt Anne Scheinemann die Klinke am Gruppenraum nieder, in der die Gruppe der Älteren sitzt. Kaplan Michael Noack und Gemeindereferent Johannes Langner aus der Pfarrei Wittichenau sind im Gespräch mit den bis Zwölfjährigen. Auf dem Boden liegen eine grüne Hand und ein rotes Herz aus Papier. Stifte werden herumgereicht. „Was fühlt ihr und was können wir tun?“, fragt Kaplan Noack und verweist zum einen auf das Herz und auf die grüne Hand. Darauf werden Worte geschrieben, wie: „Betroffenheit“, wenn es um die Armut in Afrika geht. „Das sind zwei Worte: arm und Mut“, sagt ein Junge. „Mitleid“: das wird auf das Herz geschrieben, denn damit sei noch keine Tat verbunden. „Fritz, was kann man tun?“, spricht der Kaplan einen Jungen direkt an. „Wasserhahn“ und „Brunnen“ kommen auf die grüne Hand. Auch Schulen steht auf der Hand, Mitleid wird auf das Herz geschrieben.

Johannes Langner sagt: „Wenn man weiß, mit wie wenig Wasser und Lebensmitteln ein Kind in Afrika auskommen muss und hier wird Wasser verschwendet und Essen weggeworfen, wie fühlen wir uns dabei?“ „ schlecht und hilflos“ steht dazu auf dem Herz. „Dankbarkeit“ das Wort kommt dazu: „ wie gut es uns in Deutschland geht“, fügt ein Kind an.

Einige Kilometer von Neuhausen entfernt und eine Stunde später im St.-Johannes-Haus, dem Tagungs- und Gästehaus inmitten der Stadt, sitzt der Speiseraum voll: 65 Kinder der Pfarrei Zum Guten Hirten, Cottbus, essen hier. Auch sie beschäftigen sich bei ihrer RKW mit Giovanni Melchiorre (Johannes) Bosco und seinem Traum von einer besseren Welt. Er, der 1815 in eine arme Bauernfamilie hineingeboren wird, dessen Vater stirbt als er zwei Jahre ist, arbeitet als Stallbursche, geht bei einem Schneider in die Lehre, wird Priester. Er bleibt nicht beim Träumen stehen, sondern packt an, sorgt sich um die Erziehung und Fürsorge armer und benachteiligter Jugendlicher – ein heruntergekommener Schuppen ist die erste Anlaufstelle. 1876 gründete Bosco die Vereinigung der Salesianischen Mitarbeiter, die heute den Namen Salesianische Mitarbeiter Don Boscos tragen, Salesianer genannt. Bis zu Boscos Tod im Jahr 1888 hatten sie bereits 250 Häuser in Europa und Lateinamerika eröffnet, die ab 1846 rund 130.000 Jungen aufnahmen und rund 18.000 Lehrlinge ausbildeten. Bis 1888 entschieden sich rund 6.000 dieser Jugendlichen, Priester zu werden. 1929 sprach Papst Pius XI. Johannes Bosco selig und 1934 heilig.

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