3. Oktober 2015

Die Berufung und Sendung der Familie in Kirche und Welt von heute – Bischofssynode in Rom, Hirtenwort und Pastoralkonferenz im Bistum Görlitz

Bilder von der diesjährigen Pastoralkonferenz im St. Wenzeslaus-Stift in Jauernick, bei Görlitz

Papst Franziskus hat zu einer Bischofssynode eingeladen. Vom 4. bis 25. Oktober  trifft die XIV. Ordentlichen Generalversammlung der Bischofssynode unter dem Thema „Die Berufung und Sendung der Familie in Kirche und Welt von heute“ in Rom zusammen.

Bischof Wolfgang Ipolt schrieb zu diesem Thema sein:

HIRTENWORT ZUR BISCHOFSSYNODE ÜBER EHE UND FAMILIE 2015

„Ehe und Familie“, unter diesem Thema stand die diesjährige Pastoralkonferenz, die vom 4. bis 7. Oktober im St. Wenzeslaus-Stift in Jauernick stattfand. Zwei Referenten behandelten dieses Thema aus zwei Richtungen. Aus Sicht der Theologie, der Dogmatik, sprach Prof. Dr. theol. Karl-Heinz Menke, Inhaber des Lehrstuhls für Dogmatik und Theologische Propädeutik an der Katholisch.-Theologischen Fakultät der Universität Bonn, Mitglied der Kommission Theologie der Deutschen Bischofskonferenz ist und durch Papst Franziskus  zum Mitglied der Internationalen Theologenkommission berufen ist. Seine Vorträge standen unter dem Thema: „Sakramentalität als Inbegriff des Christseins – Das Ärgernis der Unauflöslichkeit oder: Das gestörte Verhältnis von Glaube und Sakrament“, sowie „Die Frage nach dem Zusammenhang von Taufe, Ehe und Eucharistie – Unterschiedliche Empfehlungen an die römische Synode. Der Versuch einer kritischen Sichtung“.

Während der erste Teil der Tagung bereits aufgrund der Themen eher nüchterner und theoretischer war, brachte die Diplom-Heilpädagogin und Diplom-Psychologin Consuelo G. Ballestrem, viele Praxis-Bezüge und Beispiele. Sie absolvierte über ihre Studien hinaus eine dreijährige berufsbegleitende Fortbildung in „Systemischer Therapie und Beratung: integrativsystemisches Arbeiten mit Familien, Paaren, Einzelnen und anderen sozialen Systemen“ und eine Zusatzausbildung in Erziehungscoaching und Kommunikationstraining. In ihren Seminaren und Gesprächen erfährt sie immer wieder, wie not-wendig die Bearbeitung des Themas Ehe und Familie ist.

Die Themen ihrer Vorträge lauten: „Familie zwischen Politik, Wirtschaft und Gesellschaft – ein Überblick – Familien stärken durch Ehevorbereitung / Prävention: Bestärkung und Befähigung der Eltern“ und: „Bestärkung und Krisenprävention: Familien im Alltag begleiten: – Durch dick und dünn: Ehen in Krisen begleiten“.
Die Referentin stellt zu Beginn die Frage: „Sind Ehe- und Familie noch zeitgemäß?“ Die Situation der einzelnen Familienmitglieder zwischen Staat, Markt und Gesellschaft hat sich in den vergangenen 100 Jahren deutlich verändert. 80 Prozent der Ehen wurden im ausgehenden 19. Jahrhundert noch durch den gemeinsamen Handwerks- oder landwirtschaftlichen Betrieb zusammengehalten. Das brachte neben der relationalen – auf der Qualität der Beziehung basierenden – Bindung eine zusätzliche funktionale Bindung. Diese schützte letztlich vor dem Auseinandergehen, denn der Betrieb musste ja weiterfunktionieren. Die Aufgabenverteilung war klar: während die Frau und Mutter sich um Haus, Kinder, Hof, Gesinde, Lehrlinge kümmerte, übernahm der Mann eher die fachlichen, wirtschaftlichen und politischen Aufgaben nach innen und außen.

Heutige Ehen zwischen beruflich und wirtschaftlich gleichgestellten Paaren sind ganz auf die innere Beziehung angewiesen, die daher immer wieder neu gemeinsam gepflegt werden muss. Dies sei, „wie ein Handwerk durch Kurse in Kommunikation“, erlernbar. Damit könnten die Paare die Schönheit der Beziehung im Austausch der gegenseitigen Gefühle regelmäßig sensibel feinstimmen und ihre jeweilige Aufgabenverteilung immer wieder friedlich aushandeln“, sagt Frau Ballestrem.

Die Lehre der Kirche zu Ehe und Familie gäbe Paaren eine wesentliche Orientierung und Hilfe: sie erfülle „drei tiefe Bedürfnisse der modernen Paare: nach Anerkennung – die Ehe ist eine Berufung, der Ort, wo sich Gottes Liebe in besonderer Weise zeigt -, nach Schutz – Gott ist in ihr gegenwärtig – und nach Befähigung durch Kurse, die der Liebe im Alltag eine Sprache geben und viele spätere Stolpersteine schon im Vorfeld aus dem Wege räumen können. Dazu gehören in der Herkunftsfamilie erworbene Gewohnheiten ebenso wie Wertvorstellungen“, so Consuelo Ballestrem.

Die Theologie der Ehe, Papst Johannes Paul II. sprach von der Theologie des Leibes, die von einem Leben der gegenseitigen Hingabe, einer für den anderen, nach dem Vorbild Christi ausgeht, stehe in einem krassen Gegensatz zu dem veränderten politischen Leitbild, der Unabhängigkeit der Familienmitglieder voneinander. Kinderkrippe und möglichst durchgehende Berufstätigkeit der Mütter werden finanziell gefördert.

Die Politiker würden damit entgegen den Bedürfnissen der jungen Menschen handeln, die sich, aus Ost wie West gleichermaßen, mit steigender Tendenz, Familien zu ihrem Glück wünschen. 18jährige leben noch zu 74 Prozent bei ihren beiden Eltern. Sie wollen selbst später nicht in die eine oder andere Lebensform gezwungen werden, sondern sich frei entscheiden können. „Stress und zu wenig Zeit füreinander führen häufig zu kindlichen Verhaltensstörungen, sowie Trennung und Scheidung“, so die mehrfach diplomierte Fach-Frau.

Die Natur komme der Bindung von Frau und Mann, Mutter und Kind mit allen in der Entwicklungsgeschichte der Menschheit gewachsenen Verstärkern entgegen. Hormone und Glücksgefühle, vorgeburtliche Prägung, Wachstum durch gegenseitige Ergänzung, gemeinsame Stressbewältigung, die wichtige Rolle von Mutter und Vater in der kindlichen Entwicklung sind nur einige Beispiele. „Natürlich lieben Eltern ihr Kind mehr als Vater Staat und lernt das Kind schneller, wenn es die elterliche Begeisterung spiegelt. Diese Wünsche und Bindungsvorteile sind so elementar, dass der Staat allein aus volkswirtschaftlichen Erwägungen gut daran täte, den Zusammenhalt zu fördern und selbst Kurse zu finanzieren, damit dieses Humankapital in gelingenden Ehen gedeihen kann und der Gesellschaft zu Gute kommt“, sagt Frau Ballestrem.

Glücklicherweise werde sich die Kirche auch dank der Synode immer bewusster, dass sie selbst diese Aufgabe verstärkt wahrnehmen und vertiefen sollte. Ehevorbereitung, Ehebegleitung und Hilfe in Scheidungssituationen ließen viel Raum für Unterstützung und Heilung, besonders nötig auch im Hinblick auf die Kinder. Sie stellte die Frage in den Raum: „Wie können wir junge Menschen auf die Ehe so vorbereiten, dass sie wenigsten wie für einen Beruf – mit dem nötigen Wissen und wichtigen Kompetenzen ausgestattet sind“ und dass das Thema Ehe und Familie in Predigten weitaus öfter vorkommen müsse, blieb nicht ungehört, wie die anschließende Diskussion zeigte. Zumal es um das Gleiche gehe bei Nächstenliebe und der zwischen zwei Menschen: Das „Ich“ müsse abnehmen und Raum schaffen für ein größeres „Du“, denn: „Glück, das man sich selbst geben will, endet möglicherweise in der Sucht“, sagt Frau Ballestrem, die an dieser Stelle den Logotherapeuten Viktor E. Frankl mit den Worten zitiert: „Willst Du das Glück erreichen, ziele nicht direkt auf das Glück, sonst wirst Du es verpassen. Ziele auf einen Menschen, der nicht Du selbst ist oder auf eine große Sache.“ Sie illustrierte ihre Ausführungen mit vielen Beispielen aus ihrer Beratungspraxis. Ihren Vortrag schloss sie mit Worten von Papst Franziskus, die er vor der Versammlung der Synodenväter sprach:

„Paradoxerweise ist auch der Mensch von heute – der diesen Plan oft lächerlich macht – von jeder authentischen Liebe, von jeder tragfähigen Liebe, von jeder fruchtbaren Liebe, von jeder treuen und immerwährenden Liebe angezogen und fasziniert. Wir sehen, wie er den Liebesbeziehungen des Augenblicks nachläuft, doch sein Traum ist die authentische Liebe; er läuft den fleischlichen Genüssen nach, aber er sehnt sich nach der völligen Hingabe.

 

 

 

 

 

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