21. Juli 2014

Der Weg der Steine – „es war Liebe auf den ersten Blick“

„Es war Liebe auf den ersten Blick“, sagt Thomas Backhaus, Architekt und Leiter der Bauabteilung des Bischöflichen Ordinariates Görlitz. Und diese Liebe begann in Italien, genauer, in Carrara – auf einem Gelände mit Roh-Steinblöcken. Dort suchten er und Sven Schubert, Bildhauer, Restaurateur, Steinmetz- und Steinbildhauermeister aus Dresden nach geeigneten Steinen für den neuen Altar und das Ambo für die Stifts- und Wallfahrtskirche in Neuzelle. Der auserwählte Stein, ein „Verde guatemala“ – „Der Grüne von Guatemala“ (dort kommt er nicht mehr vor, sondern nur noch in Indien, von wo Steinhändler in Carrara ihn  mitgebracht hatten – ein grüner Marmor. „Der Stein hat neben den schwarzen auch weiße Einschlüsse“. Und so wurde er gekauft und zusammen mit einem Block „Verona rosso“:  Roter (Stein) von Verona  mit einem Schwerlasttransporter nach Dresden gebracht. In der Werkstatt von Steinmetzmeister Sven Schubert wurden die Steine zu Altar, Ambo und Stufen für die Stiftskirche geplant, in kleinere Blöcke geschnitten, in Form gebracht und poliert. An Rechnern sitzen Schuberts Mitarbeiter und geben den Schneidemaschinen und dem Roboter (einem von zwei Stück, die es in Deutschland gibt), Befehle ein. „Das Schneiden geschieht mitunter nachts, auch an Wochenenden“, sagt der Bildhauer, der vor 25 Jahren, damals 25-jährig die Firma gründete.

 In den Werkstätten in Dresden fressen sich Sägen durch harten Stein, ändert der Roboterarm mit den Schneidwerkzeugen, wie von Geisterhand gesteuert, die Richtungen, setzt neu an, poliert ein Automat die Verde-Guatemala-Säule, an diesem Freitag, dem 11. Juli. Aus zwei Fahrzeugen steigen der Pfarrer aus Neuzelle, Ansgar Florian und sieben Gemeindemitglieder. Sie wollen, ebenso wie Architekt Backhaus, sehen, wie Altar und Ambo entstehen. Der Firmenchef führt die Gruppe durch alle Räume, erklärt, was geschieht. In einigen Räumen erreicht die Stimme von Meister Schubert die Trommelfelle der Gäste schwer. In Ruhe kann der Meister, in einem abgelegenen Raum, weiterreden, bei Kaffee und Kuchen, zu dem er einlädt.

Pfarrer Florian freut sich auf den neuen Altar. Am Provisorium, das seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil aufgestellt ist, zelebriert Pfarrer Florian, so wie es seine Vorgänger taten, unter ihnen Bischöfe und Kardinäle. In den nächsten Wochen wird wiederum ein Transporter mit den dann bearbeiteten Steinen auf Reisen gehen, von Dresden nach Neuzelle. Dort ist inzwischen alles vorbereitet für den Umbau. Am 16. August will Bischof Wolfgang Ipolt den neuen Altar weihen. Darauf wird er dann erstmals den heiligen Wandel vollziehen, Brot in Christi Leib und Wein in Christi Blut. Und am Ambo wird Gottes Wort verkündet. Was könnte es für Steine besseres geben, als zu Altar oder Ambo zu werden?

An dieser Stelle und umfangreicher im TAG DES HERRN wird über die Arbeiten in der Stiftskirche und die Altarweihe berichtet. Diese Kirchenzeitung kann man übrigens probelesen.

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