7. August 2015

„DJK treibt Turbinen an“: Das Spiel des Jahres – zum 90. Jubiläum des DJK Wittichenau

DJK ist Kirche und Sport

Höhepunkt im 90. Jubiläumsjahr der DJK Wittichenau war ein Fußballspiel: Männer gegen Frauen

Wittichenau. Der sportliche Höhepunkt des 90. Jubiläumsjahres der DJK Wittichenau ist das Fußballspiel der Gastgeber Männer gegen die Bundesligafrauen des FFC Turbine Potsdam.

Von seinem Tribünenplatz aus erzählt der Wittichenauer Pfarrer Dr. Wolfgang Kresák, wie die Deutsche Jugend Kraft (DJK) entstand: „Auf dem Katholikentag 1920 in Würzburg war ,Kirche und Sport‘ das Thema. Prälat Carl Mosters sagte dabei:,Nicht dem Turn– und Sportverein gebührt die erste Anerkennung, der die meisten Siege davonträgt, sondern demjenigen, der die meisten seiner Mitglieder durch Körperbildung zur Geisteskraft führt‘. Dieses Ziel ist eines der Ziele, welche die DJK gegenüber vielen anderen Sportvereinigungen auszeichnet“.
Begleitet wird er von Musik, die am 2. August aus der Stadion-Anlage von Wittichenau schallt. Kurz vor 15 Uhr wuselt Thomas Marschner mit einem Mikrofon über den Rasen und sagt das Jubiläumsspiel des Jahres an. Sein Co-Moderator, Gert Zimmermann, hat es sich derweil im Schatten der Tribüne, am Spielfeldrand bequem gemacht. Auf der Tribüne werden VIP-Gäste mit Getränken versorgt. Wittichenaus Bürgermeister Markus Porsch ist ebenso
mit Ehefrau anwesend wie Stanislaw Tillich. Derweil laufen die Mannschaften auf, Fotos werden von ihnen
gemacht. Verkehrte Welt, könnte man denken, als die Männermannschaft DJK Blau Weiß Wittichenau in schwarz-weißen Trikots antritt; die Frauen des FFC Turbine Potsdam laufen in Blau Weiß auf. FFC Turbine Potsdam
ist nicht irgendeine Mannschaft. Sie spielt in der Frauen Bundesliga, wurde mehrfacher Deutscher Meister und zweifacher Gewinner der UEFA Women‘s Champions League. Nicht umsonst werden die Spielerinnen, die „Tor-Bienen“ genannt. DJK-Trainer Waldemar Adamowicz sagt: „Das wird der Hammer. Wir haben noch nie gegen Frauen gespielt, schon gar nicht gegen ein Bundesliga-Team.“ Die Potsdamer Frauen spielen in Topbesetzung, unter ihnen die Nationalspielerinnen Tabea Kemme, Jennifer Cramer und Bianca Schmidt (alle Deutschland), Lia Wälti (Schweiz), Vizeweltmeisterin Asano Nagasato (Japan) und Fei Wang (China).

Wittichenau besiegt den Potsdamer Erstligisten

Inzwischen hat das Spiel begonnen. In der 14. Minute schießt Simon Görigk das 1:0. Kurz vor dem Halbzeit-Pfiff verwandelt Jan Pfennig zum 2:0. Während viele der fast 800 Gäste zur langen Kuchentafel aufbrechen, kämpft Stanislaw Tillichs Stimme gegen die lautstarke Musik: „Die Wittichenauer Jungs schlagen sich prächtig. Hut ab und Glückwunsch“. Obwohl noch eine Halbzeit vor den Spielern liegt, sind dies prophetische Worte. Tillich weiter: „Sport ist etwas, was niemanden ausschließt. Dies war vor 90 Jahren nicht selbstverständlich,
als die DJK gegründet wurde, die auf dem Glauben fußt: Körper und Seele gehören zusammen“. Inzwischen stellt sich die jüngste DJK-Kickerin vor: Laetitia. Ihr Vater, Roman Krautz, nimmt die Tochter auf den Arm, Gert Zimmermann führt mit ihr das erste Interview. Es ertönt der Anpfiff zur zweiten Halbzeit – mit weiteren fünf Toren. Nach 90 Minuten eines spannenden, vor allem fairen Spieles, steht es 4:3 für die DJK-Mannschaft. Vor einer kurzen Pressekonferenz mit beiden Trainern gibt es noch ein „Spaß-Elfmeterschießen“, das die Herren mit 5:4 ebenfalls gewinnen. Gewinnen sei schön, aber nicht entscheidend, meint Vereinspräsident Hubertus Szczepaniak. Wichtiger sei: „Sport schweißt zusammen. Wir können durch den Sport Gemeinschaft erfolgreich gestalten. Wir sind offen für alle. Unser Zusammenleben kommt aus den Wurzeln des Glaubens heraus. Die DJK ist bei Pfarrfesten dabei. Viele Blau-Weiße tanzen auf vielen Hochzeiten. DJK ist aus Wittichenau nicht wegzudenken.
Er ist der größte Verein der Stadt. So soll es bleiben“. Der ehemalige und langjährige Vorsitzende des DJK, Dr. Rolf Hesselbarth, der aus Thüringen stammt, sagt: „Die Gemeinschaft hier hat mich begeistert. Menschen zusammenführen und formen, in einer gut gewachsenen menschlichen Gesellschaft um uns herum, das macht Freude“. Zum Spiel sagt er: „Der sportliche Wert war hoch. Es wurde guter Fußball gespielt. Für alle, die da waren, war es ein Erfolg“.

Sport soll Völker- und Weltverbindend sein

Pfarrer Kresák, der froh ist, dass es in Wittichenau keine Sonntags-Spiele gibt – da will er die Blau-Weißen in der Kirche sehen – sagt nach dem Spiel: „Die Frauen sind Profispieler, unsere Männer sind Freizeitspieler – und gewinnen gegen die Bundesliga. Das hätte ich nie gedacht. Es ist für mich im Jubiläumsjahr eine große Freude, ein solches Spiel hier erlebt zu haben. Das universale Ziel des DJK: Sport ist Völker- und Welt-verbindend wurde heute erreicht. Spielerinnen aus vielen Ländern wären nie nach Wittichenau gekommen, wenn es nicht das Jubiläum gegeben hätte. Wir haben heute zweimal gewonnen: das Spiel und darüber hinaus finden Menschen durch den Sport zueinander. Das ist auch Ziel von Kirche“.

Dieser Beitrag wurde, mit freundlicher Genehmigung, von der katholischen Kirchenzeitung TAG DES HERRN zur Verfügung gestellt. Er stammt aus der aktuellen Nummer 32 · zum 9. August 2015. Text und Fotos: Raphael Schmidt

TAG DES HERRN-Leser wissen mehr! – Probelesen ist derzeit möglich.

Über dieses besondere Fußballspiel berichteten auch die Sächsische Zeitung und die Lausitzer Rundschau – vielen Dank für die Genehmigung, die Beiträge hier zu veröffentlichen.

Zurück