30. Januar 2015

Caritas „Urgestein“ geht: Dank an Fürsorger Clemens Wilkowski im 50. Jubiläums-Jahr der Caritas-Regionalstelle in Senftenberg

„50 Jahre sind in der Weltgeschichte eine kurze Zeit, für ein Menschenleben unter Umständen eine Lebenszeit“, mit diesen Worten beginnt  der Leiter der Caritas-Regionalstelle Senftenberg, Clemens Wilkowski seine Rede am 23. Januar im Haus der Caritas in Senftenberg, vor etwa 40 geladenen Gästen. Das Thema lautet: „Wandel von der Dekanatsfürsorge zur Caritas-Regionalstelle“. Wilkowski blickte zurück auf ein halbes Jahrhundert Caritasarbeit im Dekanat, spricht von den schweren Anfängen seiner Vorgänger, der Fürsorger Der erste Caritas-Fürsorger war Reinhard Bögner, der drei Jahre nach dem Mauerbau mit der Arbeit im damaligen Dekanat Senftenberg- Finsterwalde begann. Ein eigenes Büro gab es nicht; er arbeitete von einem Schreibtisch im Pfarrbüro Senftenberg aus. Schreibmaschine „Erika“, ein Trabant 500, Taschenlampe, Notizblock und Stift sind seine Ausrüstung. Auf Fürsorger Bögner folgten 1974 Monika Priefer und 1980 Clemens Wilkowski und seine Frau Ursula. Die Autobahn sorgte für klare Trennung ihrer „Reviere“. Die Fürsorger waren durch die Kirche
ausgebildet, der DDR-Staat erkannte die Ausbildung ebensowenig an, wie die Tätigkeit selbst, die mehr oder minder nur geduldet
war. Hinter vorgehaltener Hand hörte man mitunter Anerkennung für die Arbeit mit und für körperlich und geistig Behinderte, Blinde. Mit der Wende wurden aus Fürsorgern Sozialarbeiter. Sie und die Caritas sind gefragt, nicht nur bei den Hilfesuchenden, sondern jetzt auch bei staatlichen Institutionen. Nöte sind geblieben, Drogen und Arbeitslosigkeit kamen hinzu.

Am Elektroklavier setzte Christiane Weber aus Lauta die Finger auf die Tasten, spielte das Stück „Der Schwan“ von Camill Saint Saens und leitete damit über zum Vortrag von Michael Standera, Abteilungsleiter Gesundheit und Soziales beim Caritasverband des Bistums Görlitz. Er befasst sich mit dem Thema „Die Bedeutung der Caritasarbeit für Kirche und Gesellschaft“. Nicht Selbstzweck sondern Dienst am Nächsten Michael Standera sagt: „Wenn wir Zukunft gestalten wollen, dann müssen wir nach vorn schauen. Ein chinesisches Sprichwort sagt: ,Wenn du den Fluss siehst, vergiss die Quelle nicht‘. Die Frage, wohin wir in Zukunft gehen, steht in Verbindung mit der Frage, woher und aus welcher Tradition kommen wir? Und auf welchem Fundament stehen wir?“ Ohne Rückblick keine Perspektive: Der Redner erinnerte an Ereignisse aus den 50 Jahren und daran, dass Caritas „zu den Grundfunktionen der Kirche gehört.

Es folgten Gruß- und Dankworte an Clemens Wilkowski durch Vertreter des Brandenburgischen Landtags, des Landkreises Oberspreewald-Lausitz, durch die Bürgermeister von Großräschen und Senftenberg.

Caritasdirektorin Gabriela Pokall ließ in ihrer Rede das Arbeitsleben von Clemens Wilkowski, mit Fachtermini aus seinem früheren Beruf Elektromonteur, Revue passieren. Sie sprach vom „Abschied-Nehmen von einem Ur-Gestein der Caritas im Bistum Görlitz“ und schloss an diese Worte einen Rückblick an. „Als gelernter Elektromonteur haben Sie viel mit Fernmeldetechnik zu tun gehabt. Auf Montage haben Sie Funkverbindungen geschaffen und eingerichtet“, so die Caritasdirektorin. Sie sprach von der gewachsenen Berufung zum Fürsorger. „In vielen Gesprächen hat sich Ihr Sinn, Ihr Ohr für soziale Belange und Sorgen derjenigen, die um Sie herum waren, mit denen Sie durch die
Arbeitswelt gingen, gebildet und verfeinert. Ihre Aufgabe war es, Verbindungen zu bauen, die halten:
Telefon-Funkverbindungen zu legen, die Nachrichten möglichst störungsfrei durchlassen. Das war Ihr ganz ursprünglicher Job. Ich würde sagen, in gewisser Weise ist er es bis zum Schluss geblieben, nur auf einer anderen
Ebene.“

Der erste Vorsitzende der Diözesancaritas, Prälat Hubertus Zomack, ehrte Clemens Wilkowski, das „Caritas-Urgestein“, wie er sagte, mit der „Johannes-Zinke-Medaille“. Sozialarbeit, „Ihre Sorge um die Mitmenschen, hat wohl mit ihrer Familie zu tun. Ihr Vater, der das St. Carolus-Krankenhaus über viele Jahre leitete, hat das „Johannes-Zinke“ Haus errichten lassen; darin wohnten Krankenpflegeschülerinnnen und lernten in diesem Haus“. Clemens Wilkowski fügte an, dass er  Johannes Zinke noch persönlich kannte, aus seinem Elternhaus, wo Johannes Zinke, der erste Caritasdirektor des heutigen Bistums Görlitz, zu Besuch war.

In seiner letzten Rede als Leiter der Caritas-Regionalstelle in Senftenberg sagte Clemens Wilkowski unter anderem: „Da Not immer persönlich erlebt wird, benötigen Rat- und Hilfesuchende persönliche auf Vertrauen
beruhende Zuwendung. Caritas- Fürsorge und Caritas-Sozialarbeit ist Vertrauensarbeit.“ Damit dies auch weiterhin klappt, übergab er seiner Nachfolgerin, Bettina Schwarz, den Generalschlüssel und einen Caritas-Staffelstab.

Für Clemens Wilkowski wird es weiterhin viel zu tun geben: In der Arbeit mit Menschen mit Behinderung will er sich weiter ehrenamtlich engagieren. Die alte Modell-Eisenbahn liegt seit dem letzten Umzug in der Kiste. Die holt er nun raus.  Am liebsten ist er im Garten und in der Natur. Zeit dazu hat er jetzt.

 

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