24. Juli 2023

Bischof Wolfgang Ipolt zum Adoratio-Kongress

Bischof Ipolt: „Die wichtigste Katechese“

Vor dem Adoratio-Kongress in Kloster Neuzelle ermutigt der Görlitzer Bischof Wolfgang Ipolt zur Heiligung des Sonntags.

Erstveröffentlichung: Die Tagespost

Regina Einig

Herr Bischof Ipolt, was erhoffen Sie sich mitten in der Diaspora von einem Kongress über eucharistische Anbetung?

Bischof Wolfgang Ipolt

Zunächst ist das für unser Bistum ein ungewohntes Format, mit dem nicht jeder gleich etwas anfangen kann. Bei dem Wort „Kongress“  denken manche vielleicht an ein Treffen von Wissenschaftlern, die sich über eine wichtige Frage austauschen und dabei etwas lernen und die Forschung vorantreiben. Dass aber Christen einen ganzen Tag zusammenkommen, um den Herrn in der Eucharistie anzubeten und sich dabei auch gegenseitig im Glauben zu stärken, ist neu.

Das Wort „Kongress“ kommt ja aus dem Lateinischen und bedeutet „Zusammenkunft, Versammlung“. Der Adoratio-Kongress in Neuzelle soll eine solche Zusammenkunft werden – unter Christen, aber besonders ein Treffen mit dem Herrn, der in der Eucharistie gegenwärtig ist. Ich habe die Hoffnung, dass durch diesen Kongress viele im Glauben gestärkt werden und dann auch zu Hause in ihren Gemeinden aufrichtiger die Eucharistie mitfeiern.

Wie war die Resonanz auf den ersten Kongress?

Beim ersten Adoratio-Kongress kamen auch Menschen aus dem Erzbistum Berlin, denn Neuzelle ist von Görlitz etwa genauso weit entfernt wie Berlin und diese Initiative der Mönche hat sich auch dort herumgesprochen. Ich bin gespannt, wie der Kongress dieses Mal angenommen wird – immerhin sollte man den ganzen Tag dabei bleiben. Das ist eine hohe Investition an Zeit – aber zugleich eine Chance, den Glauben in einer größeren Gemeinschaft zu erfahren, auch mit Elementen, die man aus der eigenen Pfarrei nicht so gewohnt ist.

Haben Sie in der Seelsorge erlebt, dass die eucharistische Anbetung einen Effekt auf die Neuevangelisierung hat?

Anbetung ist zunächst immer zweckfrei. Es geht dabei allein um Jesus Christus. Es geht darum, ihn neu in den Blick zu nehmen und ihm das eigene Leben zu übergeben. Ich kann nur darauf vertrauen, dass der Herr in der Stille und im Raum des Gebetes jeden, der sich ihm aussetzt, verändert und dass ER ihn evangelisiert, das heißt mit seiner Botschaft neu ansteckt und bestärkt. Das kann man nicht messen. Aber Menschen, die beten, haben die beste Voraussetzung, Christen zu bleiben.

„Wir brauchen heute eine gediegene Katechese über die Eucharistie,“

Wo würden Sie ansetzen, um das Glaubenswissen über die Eucharistie zu vertiefen?

Wir brauchen heute eine gediegene Katechese über die Eucharistie, die ja die Mitte der Kirche ist. Für die meisten Katholiken war der Erstkommunionunterricht die einzige Katechese, die sie erhalten haben. Es gibt viele Gelegenheiten im Kirchenjahr, wo die Priester in der Predigt helfen können, dieses Geheimnis tiefer zu verstehen. Ich nenne als hervorragende Beispiele den Gründonnerstag und das Fronleichnamsfest. Aber auch die Feier der Erstkommunion in einer Gemeinde ist eine Gelegenheit, nicht nur für die Erstkommunionkinder, sondern mehr noch für die Teilnehmer an diesem Gottesdienst über die Eucharistie zu sprechen.

Nicht zu unterschätzen ist natürlich die regelmäßige Mitfeier der Eucharistie am Sonntag. Wer das tut, wird immer tiefer hineinwachsen in das Geheimnis dieses Sakramentes. Darum halte ich persönlich sehr viel von der Treue in der Heiligung des Sonntags und der aktiven Mitfeier der sonntäglichen Messfeier.

Was macht Ihnen im Zusammenhang mit der Heiligung des Sonntags Sorgen?

Was mir Sorgen macht, ist, dass manche Katholiken ihre Teilnahme an der Sonntagsmesse abhängig machen davon, ob ihnen der Pfarrer zusagt oder nicht. Andere planen das Wochenende mit Ausflug oder Besuchen bei Freunden, wo die Sonntagsmesse dann wie ein Störfaktor einfach ausfällt. Manchmal könnte uns die Erinnerung daran helfen, dass die frühen Christen in der Zeit der Verfolgung den Märtyrertod erlitten haben, weil sie auf die Sonntagsmesse nicht verzichten wollten. „Sine dominico non possumus“ (ohne den Sonntag können wir nicht sein!).

Dieses Wort aus der Verfolgungszeit der Kirche spricht von der Ernsthaftigkeit und Treue der frühen Christen. Wenn die Kirche sich in der Eucharistie selbst am deutlichsten darstellt, dann ist ihre Mitfeier und die „actuosa participatio“, die aktive Teilnahme, daran, wie es das Konzil formuliert hat, die wichtigste Katechese und Stärkung des Glaubens an die Gegenwart des Herrn in diesem Sakrament.

Weitere Informationen und Anmeldung zum Adoratio-Kongress in Neuzelle: 19. – 20. August 2023

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