22. November 2014

50 Jahre Ökumenismusdekret wird in Görlitz gemeinsam gefeiert

Der Hochaltar in der Kathedrale St. Jakobus in Görlitz ist am Abend des 21. November teilweise mit Bauplanen verhüllt. Einige Bänke fehlen, Spanplatten decken die Kanäle darunter ab. Außen sind Bauzäune errichtet, Gerüste stehen um das Gotteshaus, bis hoch zum Turm. An einem Bauzaun steht ein Übertragungswagen des mdr-Sachsenspiegel, mit ausgeklapptem Satellitenspiegel auf dem Dach. Diese Kulisse bietet sich den Gottesdienstbesuchern, die am Ökumensichen Gottesdienst um 18 Uhr, aus Anlass des 50. Jahrestages der Verabschiedung und Promulgation des Ökumenedekrets des Zweiten Vatikanischen Konzils, in der Görlitzer Kathedrale teilnehmen. Diese Kulisse kann als Bild für die christlichen  Kirchen stehen, die sich um die Einheit der Christen, zu einer Kirche, mühen, denn: „Eine solche Spaltung widerspricht aber ganz offenbar dem Willen Christi, sie ist ein Ärgernis für die Welt und ein Schaden für die heilige Sache der Verkündigung des Evangeliums vor allen Geschöpfen“, so steht es im Vorwort des Dekretes UNITATIS REDINTEGRATIO über den Ökumenismus.

„Sonne der Gerechtigkeit, gehe auf zu unserer Zeit, brich in deiner Kirhce an, dass die Welt es sehen kann. Erbarm dich Herr“, erklingt zum Einzug. Mit Bischof Wolfgang Ipolt stehen im Altarraum:  Dr. Thomas Koppehl, Superintendent in der Evangelischen Kirche Berlin Brandenburg – Schlesische Oberlausitz; Propst Gert Kelter von der Selbstständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche (SELK); Pfarrerin Jill Vogt von der Brüderunität Herrnhut. Aus Dresden kam Pfarrer Jens Schmidt von der Altkatholischen Kirche.

Propst Gert Kelter zitiert in seinem Grußwort  Kardinal Walter Kasper „aus einem Vortrag, den der Kardinal vor zehn Jahren zum 40. Jahrestag der Veröffentlichung und Promulgation des Ökumenismusdekretes gehalten hat. Darin resümiert er: ,Das Dekret war ein Anfang‘. Und wenn man Hermann Hesse in seiner Ansicht zustimmen möchte, daß jedem Anfang ein Zauber innewohnt, lohnt es sich durchaus, im Abstand von Jahrzehnten den Anfang einmal wieder in den Blick zu nehmen, um festzustellen, was daraus geworden ist, ob die Blickrichtung noch stimmt, ob die Chancen und Möglichkeiten des Anfangs genutzt wurden, ob das Ziel noch vor Augen ist“, so Propst Kelter unter anderem.

Schuldbekenntnis und Bitten um Vergebung werden vorgetragen: Jesus spricht: „Wenn du deine Opfergabe zum Altar bringst und dir dabei einfällt, dass dein Bruder etwas gegen dich hat, so lass deine Gabe dort vor dem Altar liegen; geh und versöhne dich zuerst mit deinem Bruder, dann komm und opfere deine Gabe“, zitiert Pfarrerin Vogt aus Matthäus 5,23-24. Kyrie eleison – Herr erbarme dich. Christe eleison. „Herr unser Gott, offenbare an uns dein Erbarmen und überwinde alle Spaltungen der Christenheit durch die Kraft des Heiligen Geistes…“ betet Bischof Ipolt. Nach der Lesung aus Römer 5, 1-11 beginnt der Bischof seine Predigt mit den Worten: „Ein Sprichwort, das wir manchmal verwenden, um die Halbherzigkeit und vielleicht auch die Folgenlosigkeit geschriebener Texte zu beklagen, lautet: ,Papier ist geduldig!‘. Dieses Sprichwort trifft aus meiner Sicht nicht das Dekret des II. Vatikanischen Konzils, an dessen Verabschiedung vor 50 Jahren wir heute dankbar zurückdenken…“. (vollständige Predigt).

Nach dem Hymnos akathistos – einem Gesang aus der Ostkirche, gesungen vom Domchor, unter Leitung von Domkantor Thomas Seyda, der den Gottesdienst musikalisch umrahmt, zündet der Ökumenebeauftragte des Bistums, Pfarrer Matthias Grzelka vier Kerzen, auf jeder groß das Wort „CREDO“ steht,  an der Osterkerze an. Nach Friedensgruß, Glaubensbekenntnis, Fürbitten und Vaterunser, wird jedem Geistlichen einer anderen Konfession eine der Kerzen als Geschenk überreicht. Superintendent Dr. Koppehl spricht sein Geistliches Wort zur Entlassung, der Segen folgt.

Die Filmaufnahmen sind inzwischen per Satellit in das mdr-Studio übertragen worden, um 19 Uhr wird der Sachsenspiegel über diesen Gottesdienst berichten. Der Übertragungswagen ist inzwischen weitergefahren. Bischof Ipolt hat die Gäste ins Bischöfliche Ordinariat zu einem kleinen Empfang eingeladen, zu Begegnungen und Gesprächen.

Ökumene geht weiter, denn:  „Die Einheit aller Christen wiederherstellen zu helfen ist eine der Hauptaufgaben des Heiligen Ökumenischen Zweiten Vatikanischen Konzils. Denn Christus der Herr hat eine einige und einzige Kirche gegründet, und doch erheben mehrere christliche Gemeinschaften vor den Menschen den Anspruch, das wahre Erbe Jesu Christi darzustellen; sie alle bekennen sich als Jünger des Herrn, aber sie weichen in ihrem Denken voneinander ab und gehen verschiedene Wege, als ob Christus selber geteilt wäre“, (aus dem Vorwort des Dekretes).

Eine Reporterin des mdr-Rundfunks war am Vormittag unterwegs, um sich in Görlitz umzuhören, wie Ökumene funktioniert und was noch zu tun ist. Die Gesprächspartner zeichneten unisono ein durchweg positives Bild von dem Stand, den Ökumene hier bereits erreicht hat. Andererseits gebe es noch viel zu tun. Und manches, das bereits gemeinsam getan werden könnte, beispielsweise das Beschäftigen mit dem Wort Gottes, werde noch zu wenig umgesetzt.

TAG DES HERRN-Leser wissen mehr! So erfahren sie beispielsweise in der nächsten Ausgabe, zum 30. November, mehr über die Ökumene, aus den Gesprächen von interessanten Persönlichkeiten aus Görlitz und Rom mit dem mdr.

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