15. August 2014

Kathedrale St. Jakobus erhält Ecktürme und Zwerchhäuser zurück


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Der Arm des Krans neben der Kathedrale St. Jakobus in Görlitz hat soeben das erste Ecktürmchen über das Kirchendach gehoben und auf dem 64 Meter hohen Turm aufgesetzt. Dort haben es Bauleute arretiert. Der Arm senkt sich wieder und das zweite sechs Meter lange Holzgestell wird wenige Minuten später in luftiger Höhe montiert. Jetzt fehlen noch zwei den Hauptturm flankierende kleine Türme, dann sieht es so aus, wie vor Ende des Zweiten Weltkriegs. Am 7. Mai 1945 „hat sich die Artillerie auf die Stadt Görlitz eingeschlossen“, sagt Dompropst Hubertus Zomack am 1. August zu einer Gruppe von Politikern und Medienvertretern, die sich über den Fortgang der Arbeiten an der Kathedrale informieren. Die St. Jakobus-Kirche erhielt einen Volltreffer im Turmbereich, ein Teil des Daches lag im Kirchenraum. Die Kirche befindet sich direkt neben dem Bahnhof, der wohl das eigentliche Ziel werden sollte. Genau ist das nicht mehr festzustellen, einen Tag später endet der Krieg. Geblieben sind die Kriegsschäden, die jetzt, viele Jahrzehnte danach, erst vollständig beseitigt werden. Dompropst Zomack, der Beauftragte des Bischofs für die Kirchensanierung, hat zwei Fachleute an der Seite, die Auskunft geben. „Teile des Daches sind durch die Druckwelle zerstört worden. Vorhandene Hölzer wurden verwendet, um das Dach zu schließen. Dabei wurden die Dachgaupen entfernt“, informiert Doris Kohla, die bauleitende Architektin. Diese Gaupen, Zwerchhäuser genannt, sind jedoch nicht Zierde, gliedern nicht nur die Dachfläche, sondern erfüllen wichtige statische Funktionen auf dem Dach. „Die Zwerchhäuser steifen das Dach aus. Seit sie wieder stehen, haben sie bereits ihre erste Bewährungsprobe beim Sturm „Xaver“ bewiesen: Dachziegel hingen bereits –sie blieben hängen“, sagt Architekt Thomas Backhaus, der Leiter der Bauabteilung im Bischöflichen Ordinariat.

Die Dachflächen auf den Seitenschiffen wurden nach Kriegsende zu Flachdächern, mit einer Dachneigung von nur 30 Grad. Das führte zu Durchbiegungen, zu Schimmelbildungen unter der Dachhaut und nicht zuletzt zu „Lasteintragung, die auf die Fenster wirkte und eigentlich von den Zwerchhäusern übernommen werden sollte“, sagt Doris Kohla. Die Fenster werden ebenso saniert wie das Dach und die tragenden Säulenkonstruktionen. Neben Kriegsschäden haben zu DDR-Zeit schwefelhaltige Schadstoffe aus Industrie, Heizung und Verkehr die Luftqualität in der deutsch-polnisch-tschechischen Grenz-Region jahrzehntelang dramatisch belastet. Saurer Regen hat an vielen Gebäuden große Schäden angerichte. Die stark umweltgeschädigten Mauerverstärkungen der neugotischen Kathedrale werden derzeit ebenso behoben. Die eigentlichen Probleme sieht kein Betrachter, denn sie liegen hinter den Klinkerverkleidungen: Mauerwerk, das porös geworden ist, vorstellbar wie ein Schwamm, aus dem Wasser und Salz entfernt werden muss und danach mit einer neuen Umhüllung verschlossen wird. Diese Umhüllung sind Formsteine, teils glasiert. Davon mussten viele unterschiedlich geformte und gefärbte Steine eigens angefertigt werden.

„Danke für Ihre Spenden“ steht auf einer Tafel im Kirchenraum. Neben Fördermitteln von Bund, Land, dem Bonifatiuswerk der Deutschen Katholiken, der Deutschen Bundes-Stiftung Umwelt (DBU) und weiteren Spendern, unter ihnen die vielen Gottesdienstbesucher, die in Kollekten Geld gaben und geben, ist auf einer Tafel im Eingangsbereich der Kathedrale auf zwei Spender explizit hingewiesen. „Draht- und Hanfseilerei Seilermeister Helmut Goltz“ ist vermerkt und: „Michael Kretschmer, MdB“. Der Dompropst macht den Generalsekretär der Sächsischen Union und Bundestagsabgeordneten, Michael Kretschmer an diesem Morgen, während der Besichtigung, auf diese Tafel aufmerksam. Und erzählt von einem Blindgänger, der bei Bauarbeiten gefunden wurde. Gemeindemitglieder hatten die gefährliche Last damals einfach aus dem Kirchenraum gerollt. „Mir wird heute noch ganz schlecht, wenn ich daran denke, was hätte passieren können“, sagt Dompropst Zomack. Kretschmer verwies darauf, dass er nebenan, im Paul-Gerhardt-Haus im Kindergarten war. Aber nicht zur selben Zeit: Die Bombe hätte ihn nicht gefährden können, das war viele Jahre, bevor Kretschmer in den Kindergarten ging. Auf dem Weg zum Außenaufzug am Turm zeigt sich der CDU-Politiker erfreut „wie umsichtig und umfassend an diesem Bauwerk saniert wird – was hier alles für 3,3 Millionen Euro gemacht wird, ist erstaunlich. Hier sind die Fördermitteln gut angelegt“, sagt Kretschmer. CDU-Stadtrat Octavian Ursu, der Kretschmer begleitet und zur Pfarrei gehört, nickt beifällig. Inzwischen ist der Fahrstuhl unten angekommen. Fünf Personen dürfen damit maximal mitfahren. Neben dem Blick über das fast vollständig neu gedeckte Kirchendach der Kathedrale, die sich hoch über die Südstadt erhebt und ihr Wahrzeichen ist, hat die Gruppe einen prächtigen Ausblick über die östlichste Stadt Deutschlands, bis zur polnischen Nachbarstadt Zgorzelec.

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