Am 29. Juni 1961 wurde Johannes Magiera zum Priester geweiht: Dies war am Montag vergangener Woche Anlass für einen großen Festtag, den die Wittichenauer Gemeinde ihrem langjährigen Pfarrer im (Un-)Ruhestand bereitet hat, um 65 Jahre seines unermüdlichen Dienstes im Einsatz für Gott und die ihm anvertrauten Menschen zu feiern. Der gebürtige Breslauer wurde noch vor dem II. Vatikanischen Konzil in der Berliner Hedwigs-Kathedrale von Kardinal Döpfner geweiht – kurzfristig sprang der Berliner Oberhirte aufgrund einer Erkrankung des Görlitzer Kapitelsvikars Ferdinand Piontek ein – und anschließend auf Kaplansstellen in verschiedenen Gemeinden unserer Diözese gesandt: Er tat seinen Dienst in Forst, Beeskow, Spremberg, wo er später auch Pfarrer wurde, sowie in Neuzelle und schließlich Wittichenau.
Nachdem am Morgen ein feierliches Hochamt das Hochfest der Apostel Petrus und Paulus mit Festprediger Dompropst Thomas Besch eröffnet hatte, an dem viele Gläubige und Priester aus dem ganzen Bistum teilnahmen, ließ Pfarrer Magiera die Stationen seines Dienstes im Rahmen einer kleinen Predigt in einer nachmittäglichen Andacht Revue passieren, – nicht ohne seinen feinen und hintersinnigen Humor zum Einsatz zu bringen: So erinnerte er sich, wie er als junger Kaplan einmal vor Ostern das alte Weihwasser im Auto transportierte, um es würdig zu entsorgen, dann aber auf einen liegengebliebenen Autofahrer stieß, dessen Hände ganz verschmutzt waren von den Reparaturbemühungen. Sich an die reinigende Wirkung des Weihwassers erinnernd, beschloss der junge Kaplan, dem pannengeplagten Fahrer auszuhelfen und das Wasser zu überlassen. Die Geschichte zeigt zugleich sinnbildlich die Wesenszüge des priesterlichen Wirkens von Johannes Magiera: Das Heilige stets bewahrend, aber für die Menschen fruchtbar machend.
Im Alter von 90 Jahren feiert er so noch täglich die Heilige Messe für die Gläubigen der Wittichenauer Pfarrei und versäumt keine Dienstbesprechung – immer auf der Suche nach der nächsten guten Tat. Der Empfang im Anschluss an die Andacht, umrahmt vom Gesang des Kolping-Chores, Ansprachen des Pfarreirats und des Bischofs, der den einzigen „Geistlichen Rat“ der Diözese für seinen bis heute währenden Dienst im Priesterrat würdigte, brachte den großen Dank zum Ausdruck, den viele Gläubige empfinden angesichts der Hingabe des Jubilars: Neben der in Gotha wohnenden Familie reisten aus allen Wirkungsstätten Gläubige an und füllten den großen Pfarrhof aus, um diesen besonderen Tag mit ihrem oft langjährigen Begleiter zu begehen.
Bilder: Rochus Schleicher
Bericht: Diakon Maximilian Mattner