Nur eine Woche vor Schließung der letzten Heiligen Pforte kamen acht Ministranten aus der Pfarrei Wittichenau in Rom an, um das Heilige Jahr 2025 in besonderer Weise beschließen zu können: Sie waren eingeladen, im Rahmen zweier Pontifikalämter zum Gedenken an den 2022 verstorbenen Papst Benedikt XVI. im Petersdom liturgische Dienste zu verrichten und durften am 30. Dezember am Kathedra-Altar der wichtigsten Kirche der Christenheit Gerhard Ludwig Kardinal Müller zur Hand gehen, bevor sie am Silvestertag selbst neben dem Grab des verstorbenen Papstes im Rahmen der von Kurt Kardinal Koch, dem obersten Ökumene-Minister des Papstes, gehaltenen Heiligen Messe ministrierten. – Offenkundig mit höchster liturgischer Souveränität, freute sich doch der Kardinal ob des gelungenen Einsatzes: „So viele Priesteramtskandidaten aus einer einzigen Pfarrei!“ – Für die Jungs war es eine besondere Ehre, die zugleich mit spannenden Einblicken verbunden war. Nach einer liturgischen Probe durften sie noch in Talar und Rochett gekleidet die Wartezeit bei einem Schachspiel im Campo Santo Teutonico überbrücken und dort auch einige amerikanische Seminaristen kennenlernen, den Rosenkranz beten und die Geheimgänge in die Sakristei des Petersdomes durchqueren, den sie vor und nach den Messfeiern menschenleer bestaunen konnten.
Anlass der Reise war neben den Papst-Gedenken aber vor allem auch das Heilige Jahr, das allen Pilgern einen vollkommenen Ablass verspricht. Nach der Papstmesse am Neujahrstag war es so möglich, die letzte noch geöffnete Heilige Pforte im Petersdom zu durchschreiten und im Rahmen eines Pilgerweges durch die wichtigsten Kirchen Roms bis hin zur Krippen-Reliquie in Ss. Maria Maggiore den „Jubiläums-Ablass“ zu gewinnen durch das Gebet in der Meinung des Heiligen Vaters und den Empfang des Bußsakramentes. Ermutigt hatte dazu auch Papst Leo XIV., der in der Heiligen Messe zum Hochfest der Jungfrau und Gottesmutter Maria gepredigt hatte: „Die Liturgie zu Beginn des neuen Jahres erinnert uns daran, dass jeder Tag für jeden von uns dank der großzügigen Liebe und Barmherzigkeit Gottes und dank unserer freien Antwort der Beginn eines neuen Lebens sein kann. Es ist schön, so auf das beginnende Jahr zu blicken: als einen offenen Weg, den es zu entdecken gilt, auf den wir uns dank der Gnade begeben können, als freie Menschen und Überbringer von Freiheit, als Menschen, denen vergeben wurde und die Vergebung schenken, voller Vertrauen in die Nähe und die Güte des Herrn, der uns stets begleitet.“
Die Reise war freilich auch von anderen denkwürdigen Eindrücken geprägt: Neben einem Besuch in Castel Gandolfo und dem guten italienischen Essen wurden die Ministranten von Walter Kardinal Brandmüller im Kanoniker-Palast im Vatikan empfangen. Der frühere Präsident des Päpstlichen Komitees für Geschichtswissenschaft mahnte sie, mehr zu lesen und die lateinische Sprache zu studieren. Er erinnerte mit eindringlichen Worten, dass die Zukunft des europäischen Kontinents davon abhängt, dass sein christliches Wertefundament noch weiter verstanden und gelebt wird. – Das Heilige Jahr ist insofern auch Gelegenheit zu einer geistig-geistlichen Erneuerung, die von der Jugend ausgehen kann.
Für die Wittichenauer stand angesichts so zahlreicher Eindrücke die Erfahrung der Versöhnung am Ende auch im Zentrum der Reise, die ihnen in ihrem Christsein einen Neuanfang ermöglicht, das Leben ganz aus dem Evangelium gestalten und auf dem Weg der Heiligkeit gehen zu können. Auf ihrem Weg durch die Heilige Stadt haben sie auch der Anliegen ihrer Heimat-Pfarrei und -Diözese gedacht, den Bischof und die Gläubigen mit ins Gebet genommen. Ihr Dank gilt allen Unterstützern und insbesondere dem Bonifatiuswerk, das die Wallfahrt großzügig gefördert hat.
Im Rahmen eines Glaubensabends am 21. Januar um 19.45 Uhr werden die Ministranten in Wittichenau von ihren Erlebnissen berichten und allen Interessierten Zeugnis davon geben, was sie als „Pilger der Hoffnung“ erfahren haben.
Bilder & Bericht: Maximilian Mattner
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