7. Januar 2020

Zehnjährige Cottbuser Könige bringen Segen ins Kanzleramt

Vier Sternsinger aus der Pfarrei „Zum Guten Hirten“ in Cottbus stiegen am Fest der Erscheinung des Herrn, am 6. Januar, mit ihrer Betreuerin in Cottbus in den Zug nach Berlin. Im Gepäck der Delegierten aus dem Bistum Görlitz war ein großer Stern der Diözese aus dem Osten. In der Jugendherberge am Ostkreuz trafen sie auf weitere Sternsinger aus allen 27 deutschen Diözesen. Die Sternsingerlieder können sie – und auch den Spruch, den sie einen Tag später im Kanzleramt vor der Betongrauen Wand mit den Sternen zur Bundeskanzlerin sagen werden. Am Abend kommen alle Sternsinger in der Aula der Jugendherberge zusammen, üben Lieder und den Ablauf, beschreiben goldene Sterne mit Wörtern, die ihnen bei dem Thema „Frieden! Im Libanon und weltweit“ wichtig erscheinen. „Frieden für die Kinder, Frieden für die Welt. Frieden hat uns Gott geschenkt, der dich und mich in Händen hält…“, singt Daniela Dicker vom Kindermissionswerk „Die Sternsinger“ gemeinsam mit den 108 Sternsingern das Lied, das sie genau vor zehn Jahren geschrieben hat: „Öffnet eure Herzen, öffnet eure Tür. Dann zieht Gottes Frieden ein bei dir und mir“. Daniela Dicker hofft, dass künftig die Zahl der Länder, in denen Kriege toben und die Kinder dabei am meisten leiden, kleiner werden. Dies drückt sich auch in den Fürbitten beim Abendgebet aus.

Nach Frühstück und dem Morgengebet am Dienstagmorgen warten vier Busse der Bundespolizei auf die Sternsinger – und bringen sie zum Kanzleramt. Zu erkennen sind die kleinen Könige erst als solche, nachdem sie sich im Kanzleramt um- und angezogen haben. Die vier Zehnjähigen aus Cottbus sind aufgeregt, wie die anderen auch. Doch den Vier kommen in diesem Jahr besondere Aufgaben zu, wie genau vor 30 Jahren ihren Vorgänger-Königen bei Bundeskanzler Helmut Kohl. Sie nehmen die Spende von Frau Merkel entgegen. Dazu hat Theresa eine Schatztruhe umhängen und verstaut darin das Kuvert, das ihr Frau Merkel überreicht.

„In diesem Jahr ist unser Thema ‚Frieden! Im Libanon und weltweit‘ leicht und schwer zugleich“, machte Pfarrer Dirk Bingener, Präsident des Kindermissionswerks ‚Die Sternsinger‘ in seinem Grußwort deutlich. „Leicht, weil jeder Mensch doch verstehen kann, wie notwendig für das Aufwachsen von Kindern eine friedliche Umgebung ist. Sich zu entwickeln, zu lernen, seine Träume zu verwirklichen, zu wachsen braucht Frieden. Schwer aber, weil wir alle wissen, dass Kinder zu allererst und am schlimmsten unter den Kriegen und gewaltsamen Konflikten dieser Tage leiden“, so Pfarrer Bingener, der gemeinsam mit Lisi Maier, Bundesvorsitzende des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ), die 27 königlichen Delegationen ins Bundeskanzleramt begleitet hatte. In Richtung der Kanzlerin sagte Pfarrer Bingener: „Sie werden in den kommenden Tagen, Wochen und Monaten Politikerinnen und Politiker treffen, die entscheidend dazu beitragen, ob Frieden werden kann oder sich die Spirale der Gewalt weiterdreht. Ihr Regierungshandeln wird weiter dazu beitragen können, dass weltweit immer mehr Kinder in Frieden und Gerechtigkeit aufwachsen können.“

Die zweite Strophe ist zu hören: „Frieden für jeden, der anderen verzeiht, der duch ein Wort, ein Zeichen von Schuld befreit…“ Das Lied singen die kleinen Könige gemeinsam mit der Kanzlerin, begleitet von einer Band. Danach geht es die große, breite Treppe hinab vor die Wand mit den Sternen. Jetzt kommt der Moment für Theresa, Johanna, Justus und Armin. Sie sagen den Segen, den sie zuvor aufgeschrieben und danach auswendig gelernt haben. Souverän und ohne einen einzigen Fehler sprechen sie ihn im Wechsel und erinnern dabei daran: „Wenn es die friedliche Revolution in unserem Land nicht gegeben hätte, gäbe es noch heute in Ostdeutschland keine Sternsinger. Wir wollen dazu beitragen, dass hier und in allen Ländern Kinder in Frieden und Freiheit leben können.“

Danach nimmt Armin die weiße Kreide aus der Tasche und schreibt den Segen an: C + M + B und die Jahreszahl 2020 an die Wand. Die Schrift steht in einem Kreis aus Sternen. Christus mansionem benedicat – Christus segne dieses Haus und alle, die da gehen ein und aus. An dieser Stelle, im Eingangsbereich des Kanzleramtes, dort, wo Staatsgäste aus aller Welt ein- und ausgehen, hat die Bundeskanzlerin bereits mehrfach erklärt, was es mit dieser Wandbeschriftung und des Sternen auf sich hat. Und dann spricht sie, wie beim Empfang, von den etwa 300.000 Kindern in Deutschland, die in der größten Aktion von Kindern für Kinder jährlich etwa 50 Millionen Euro sammeln – und damit helfen wollen, dass mehr Gerechtigkeit und Frieden herrscht in dieser Welt, in die das Kind von Bethlehem als Friedensbringer geboren wurde, in völliger Armut, in einer Futterkrippe in einem Stall.

Nachdem sich die Bundeskanzlerin verabschiedet hat, sind die Sternsinger gefragte Interview-Partner für Presse, Funk und Fernsehen. Die Sternsinger-Kostüme ziehen sie danach aus. Im nächsten Jahr werden andere Sternsinger zum Empfang im Kanzleramt sein. Voller Eindrücke – und nun ohne Aufregung, aber glücklich wie sie sagen, fahren die Cottbuser zurück nach Hause

Das Dreikönigssingen wird vom Hilfswerk der Sternsinger und dem Bund der Deutschen Katholischen Jugend veranstaltet. Frau Merkel empfing die Sternsinger zum 15. Mal im Kanzleramt.

Weitere Beiträge über den Empfang der Sternsinger im Kanzleramt:

Kindermissionswerk Die Sternsinger

katholisch.de

sächsische.de

tagesschau.de

Bundesregierung

Rede von Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel beim Sternsingerempfang

 

 

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