1. Februar 2019

Verantwortung für die Schöpfung wahrzunehmen – mahnende Worte an der Glas-Arche

Kostbar und schützenswert

Erst war sie beim Weltklimagipfel in Katowice, jetzt stand sie über einen Monat lang an der Altstadtbrücke in Görlitz: eine Glasarche. Sie mahnt die Menschen, ihre Verantwortung für die Schöpfung wahrzunehmen.

Eine Arche aus Glas, die von einer überdimensional großen Hand aus Holz gehalten wird, stand von Mitte Dezember bis vorigen Montag an der Görlitzer Altstadtbrücke. Die Glasarche ist in Görlitz und Bischof Wolfgang Ipolt vor die Füße gefallen – oder gar vom Himmel? Beides könnte es sein. Denn beworben hat sich das Bistum nicht um dieses Kunstwerk, dieses Mahnmal. Dass der Bischof von dieser Arche erfuhr, ist dem Landschaftspflegeverein „Mittleres Elstertal“ zu verdanken.

Vertreter dieses Vereins suchten an der Neiße einen geeigneten Standort und stellten das Projekt dem Bischof vor. Er zog die Referentin im Seelsorgeamt, Gabriele Kretschmer, hinzu, die gleichzeitig Stadträtin in Görlitz ist. Sie sorgte dafür, dass Stadt und Bistum auch bei diesem Projekt gut zusammenarbeiteten und dass, nach sehr kurzer Vorbereitungszeit, am Ende des Weltklimagipfels die Glasarche direkt von Katowice (Kattowitz) nach Görlitz kam.

Klimawandel stoppen, bevor es zu spät ist

Richtig wäre auch, zu sagen: Die Arche reiste dem Bischof hinterher, der auf Einladung des Erzbischofs von Katowice, Wiktor Skworc, am 2. Adventssonntag zum ökumenischen Abschlussgottesdienst für die christlichen Teilnehmer der UN-Klimakonferenz, der vom 3. bis 14. Dezember 2018 in Katowice (Polen) stattfand, in die oberschlesische Stadt gereist war. Dort wurde auf die akute Bedrohung der Welt hingewiesen und appelliert, den gefährlichen Klimawandel zu stoppen, bevor es zu spät ist.

Bei Mahnungen aus Kattowitz will es Referentin Kretschmer nicht belassen, sondern vor Ort Mitmenschen die Bedeutung der Arche näherbringen. So organisierte sie für den Freitagabend, 25. Januar, eine Veranstaltung, die sie unter das Thema „Chaos und Ordnung“ stellte. Die EuropaChorAkademie Görlitz unterstützte diese halbe Stunde musikalisch, mit Auszügen aus der Schöpfung von Joseph Haydn, gesungen von Akademistin Paulina Boroczko-Wilczynska (Sopran). Gabriele Kretschmer sagte, vor etwa 50 Zuhörern, unter anderem: „Uns ist die Welt anvertraut. Wir müssen erkennen, dass wir ein Teil von ihr sind – und aufeinander angewiesen“. Sie nannte Beispiele, was dazu vor Ort getan werden konnte und getan werden soll und muss.

Bischof Ipolt adressiert seine Ansprache an die lieben „Freunde der Schöpfung, denn wir sind alle ein Teil dieser Schöpfung. Wir Menschen sind mit unserer Umwelt zutiefst verbunden und können ohne sie nicht leben. Ich habe gern Ja gesagt, dass dieses Kunstwerk, die sogenannte Glasarche, hier in Görlitz Station macht“, sagt der Bischof und begründet sein zweites Ja damit, dass „Künstler aus Zeitz sich diesem Gedanken gewidmet haben, was es bedeutet, dass die Schöpfung, die Welt, wir Menschen, kostbar und schützenswert sind. Das können Sie, so glaube ich, selbst gut interpretieren, wenn sie dieses Kunstwerk anschauen: Eine Hand, die großes Gewicht hat, die zeigen soll, hier gibt es etwas zu schützen, zu halten und erhalten und eine Arche, ein Boot aus Glas“, sagte der Bischof, der im Weiteren aus der Enzyklika „Laudato si“ von Papst Franziskus zitiert und auf den Abschnitt aus dem Buch Genesis (24 bis 31) verweist. Den hält der Bischof für den „kostbarsten Text der Heiligen Schrift, weil er uns auch heute aufmerksam machen kann, auf diese wichtige Aufgabe, die Welt zu behüten und zu bebauen“. Gabriele Kretschmer war oft an der Glasarche, hat mit Passanten gesprochen und viel Zustimmung erfahren. „Es waren immer Leute da und einige meinten: Dieses Kunstwerk sollte dauerhaft hier bleiben.“

Dieser Beitrag steht in der katholischen Kirchenzeitung TAG DES HERRN
zum 3. Februar 2019.

Hier ist die Rede von Bischof Ipolt im Wortlaut:

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freunde der Schöpfung, sage ich mal, denn wir sind alle ein Teil dieser Schöpfung. Wir Menschen sind mit unserer Umwelt zutiefst verbunden und können ohne sie nicht leben.
Ich habe gern Ja gesagt, dass dieses Kunstwerk, die sogenannte Glasarche, hier in Görlitz Station macht. Sie haben vielleicht in der Zeitung gelesen, dass der Höhepunkt des Aufenthalts in Kattowitz war, bei der Klimakonferenz im Dezember. Ich habe Ja gesagt, weil Künstler aus Zeitz, aus Mitteldeutschland, sich diesem Gedanken gewidmet haben, was es bedeutet, dass die Schöpfung, die Welt, wir Menschen kostbar und schützenswert sind. Das können Sie, so glaube ich, selbst gut interpretieren, wenn Sie dieses Kunstwerk anschauen: Eine Hand, die großes Gewicht hat, die zeigen soll,  hier gibt es etwas zu schützen, zu halten und erhalten und eine Arche, ein Boot, aus Glas. Sie müssen dazu nicht unbedingt biblische Kenntnisse haben, Sie können auch denken, wir sitzen doch alle in diesem Boot dieser Welt. Und diese Welt ist gefährdet, ist zerbrechlich, so wie Glass. Sie ist kostbar, so wie dieses Glas-Boot. Und durchsichtig, durchscheinend. Inzwischen wissen wir viel darüber, was wir Menschen tun können, zum Erhalt dieses Bootes Erde, Welt, Schöpfung. Wir wissen aber auch, wie viel wir nicht tun. Deswegen ist dieses Kunstwerk eine Unterstützung der wichtigen Botschaft der Klimakonferenz in Kattowitz und der vorhergehenden – und ganz sicher auch der zukünftigen. Dieses Boot ist ein Hinweis-Zeichen. Es wird demnächst hier nicht mehr stehen, sondern weiterwandern in andere Städte unseres Landes, um Menschen aufmerksam zu machen, auf das, wovon es redet.
Papst Franziskus hat uns vor einiger Zeit sein Rundscheiben „Laudato si“ geschenkt.  Diese Enzyklika ist nicht nur in der katholischen Kirche, sondern weit darüber hinaus in der Öffentlichkeit mit großem Wohlwollen aufgenommen und immer wieder zitiert worden. Ich möchte ein Stück daraus lesen:
„Wir sind nicht Gott. Die Erde war schon vor uns da und ist uns gegeben worden. Das gestattet, auf eine Beschuldigung gegenüber dem christlichen Denken zu antworten. Man hat gesagt, seit dem Bericht der Genesis, der einlädt, sich die Erde zu unterwerfen, werde die wilde Ausbeutung der Natur begünstigt durch die Darstellung des Menschen als Herrschender und Destruktiver. Das ist keine korrekte Interpretation der Bibel, wie die Kirche sie versteht. Wenn es stimmt, dass wir Christen die Schriften manchmal falsch interpretiert haben, müssen wir heute mit Nachdruck zurückweisen, dass aus der Tatsache als Abbild Gottes erschaffen zu sein und dem Auftrag, die Erde zu beherrschen, eine absolute Herrschaft über die anderen Geschöpfe gefolgert wird. Es gilt, die Welt zu bebauen und zu behüten.“
Wir werden gleich einen Abschnitt aus diesem uralten biblischen Text hören. Ich halte ihn für einen der kostbarsten Texte der Heiligen Schrift, weil er uns auch heute aufmerksam machen kann, auf diese wichtige Aufgabe, die Welt zu behüten und zu bebauen. So wie die Künstler der Glasarche es mit ihrer Art, mit ihrer Methode getan haben.

1 Genesis 24-31:

24 Dann sprach Gott: Die Erde bringe Lebewesen aller Art hervor, von Vieh, von Kriechtieren und von Wildtieren der Erde nach ihrer Art. Und so geschah es.

25 Gott machte die Wildtiere der Erde nach ihrer Art, das Vieh nach seiner Art und alle Kriechtiere auf dem Erdboden nach ihrer Art. Gott sah, dass es gut war.

26 Dann sprach Gott: Lasst uns Menschen machen als unser Bild, uns ähnlich! Sie sollen walten über die Fische des Meeres, über die Vögel des Himmels, über das Vieh, über die ganze Erde und über alle Kriechtiere, die auf der Erde kriechen.

27 Gott erschuf den Menschen als sein Bild, als Bild Gottes erschuf er ihn. Männlich und weiblich erschuf er sie.

28 Gott segnete sie und Gott sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und mehrt euch, füllt die Erde und unterwerft sie und waltet über die Fische des Meeres, über die Vögel des Himmels und über alle Tiere, die auf der Erde kriechen!

29 Dann sprach Gott: Siehe, ich gebe euch alles Gewächs, das Samen bildet auf der ganzen Erde, und alle Bäume, die Früchte tragen mit Samen darin. Euch sollen sie zur Nahrung dienen.

30 Allen Tieren der Erde, allen Vögeln des Himmels und allem, was auf der Erde kriecht, das Lebensatem in sich hat, gebe ich alles grüne Gewächs zur Nahrung. Und so geschah es.

31 Gott sah alles an, was er gemacht hatte: Und siehe, es war sehr gut. Es wurde Abend und es wurde Morgen: der sechste Tag.

 

 

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