6. Januar 2019

Zeugnis geben vom Sieg des Guten über das Böse – beim Zug der Könige in der Europastadt

 

Der „Orszak Trzech Króli“ – „Zug der drei Könige“ ist seit einigen Jahren in der Europastadt Görlitz-Zgorzelec ein wichtiges grenzüberschreitendes Ereignis, bei dem es primär um die Verbreitung der Weihnachtsbotschaft geht. Die drei Könige sind mit ihren Gaben: Gold, Weihrauch und Myrrhe unterwegs zum mächtigsten König, dem Kind in der Krippe, dem man seine Königswürde noch nicht ansieht, in einem Stall in Bethlehem. Zugleich ist dieser Zug Zeichen innerer Verbundenheit und dient der Völkerverständigung. Am „Orszak Trzech Króli“, der von Zgorzelec aus organisiert wird,   haben auch Bischof Wolfgang Ipolt und Generalvikar Dr. Alfred Hoffmann, sowie Gläubige aus verschiedenen Kirchorten der Pfarrei Heiliger Wenzel in Görlitz teilgenommen.  

Der Weg führte vom Görlitzer Obermarkt, auf dem die Görlitzer Stadtverwaltung eine Bühne aufgestellt hat und von der die mehreren hundert Teilnehmer in beiden Sprachen begrüßt wurden und Sternsinger Lieder sangen, zum Dom Kultury in Zgorzelec.

Kurz nach dem Start entdeckte ein herrschaftlich in das Gewand einer Herzogin gekleidete Frau aus Polen, die mit ihrer Kleidung die Bistumsheilige Hedwig darstellte, die von Andechs in Bayern nach Schlesien kam, Bischof Ipolt und setzte eine Königskrone auf dessen Haupt.

Vorbei am Rathaus, das für den Besuch der Könige beflaggt worden war, ging es zur Altstadtbrücke, die Deutschland mit Polen verbindet. Dort stoppte der Zug das erste Mal. Sternsinger aus der Pfarrei Heiliger Wenzel haben neben einem Lied ein Segensgebet mitgebracht. Das richten sie zunächst gen Osten, an die Menschen in Polen. Ihnen wünschen die Kinder und Jugendliche zuerst Gutes. Sie bitten: Christus segne sie, segne uns alle. An Poller am Zugang zur Brücke klebt Gabriele Kretschmer, Referentin im Seelsorgeamt des Bistums und Organisatorin auf deutscher Seite, je eine Ziffer der Jahreszahl 2019. Und schon zieht der Zug weiter. Wenige Meter entfernt beginnt das Territorium von Polen. Wahrgenommen wird die Grenze kaum noch, zu normal ist es geworden, dass kein Soldat, kein Grenz-Polizist mehr kontrolliert: Die Grenzen Europas sind offen.

Einige hundert Meter weiter warten Jugendliche in Kostümen, die an die Zeit der Geburt Jesu vor 2000 Jahren erinnern sollen und bereiten sich auf ihren Auftritt vor. Direkt am Ufer der Neiße ist der Palast von Herodes mit einer kleinen Bühne und ausreichend Kulisse dargestellt. An dieser und mehreren anderen Stellen wurden Szenen von polnischen Schülern gespielt. Die Themen und Inhalte der Szenen wurden auch in deutscher Sprache erläutert. Es ging darin beispielsweise um den Kampf von Gut und Böse. Generalvikar Dr. Alfred Hoffmann sagte dazu: „Die Botschaft lautete: Auch wenn das Böse laut und mächtig erscheint, so hat mit der Menschwerdung Gottes in Jesus der Sieg des Guten über das Böse begonnen. Wir dürfen davon Zeugnis geben und daran mitwirken.“

Am Ziel des Weges, an der Krippe vor dem „Dom Kultury“ angekommen, spendete der Bischof den Segen – in polnischer Sprache.

Der Bischof sagte am Ende: „Der „Zug der drei Könige“ am 6. Januar in unserer Europastadt ist ein schönes Zeugnis für die Weihnachtsbotschaft. Dass sich daran so viele Menschen beteiligen spricht für sich. Die polnischen Pfarreien in Zgorzelec sind zwar die Organisatoren – aber von Anfang an haben sie die Görlitzer Katholiken mit einbezogen. Der Zug führt darum auch bewusst über die Neißebrücke – in diesem Jahr von Deutschland nach Polen. Seitdem in Polen der 6. Januar ein staatlich geschützter Feiertag ist, hat sich diese Tradition in vielen Städten unseres Nachbarlandes entwickelt. Sofern es mir möglich ist, beteilige ich mich an diesem Zug, weil ich damit zum Ausdruck bringen möchte, dass ich das Anliegen teile: die Botschaft von der Menschwerdung Gottes darf nicht nur in unseren Kirchen bleiben, sie gehört in die Öffentlichkeit – weil sie für jeden Menschen eine frohe Botschaft ist. Dazu kommt, dass ich in unserer Stadt alles unterstütze, was der Verständigung und der Gemeinsamkeit von polnischen und deutschen Katholiken dient.

Ich danke den Pfarreien in Zgorzelec und den Organisatoren von ganzem Herzen für die Vorbereitung des Zuges und für die gute musikalische Gestaltung. Ich hoffe, dass auch die Verantwortlichen in den beiden Teilen unserer Stadt sich über diese gemeinschaftliche Aktion freuen und diese weiterhin unterstützen – es ist auf jeden Fall ein Baustein beim Bau des gemeinsamen Hauses Europa. Ich habe beim Umzug heute eine Karte der Organisatoren bekommen, auf der steht: „Przyjaciel Orszaku“ – „Freund des Zuges (der Könige)“ – ich gebe zu, dass ich das wirklich bin.“, soweit Bischof Ipolt.

 

 

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