26. September 2018

Sexueller Missbrauch in der Kirche: Bistumsleitung zur Veröffentlichung der MHG-Studie

Zur Veröffentlichung der MHG-Studie „Sexueller Missbrauch an Minderjährigen durch katholische Priester, Diakone und männliche Ordensangehörige im Bereich der Deutschen Bischofskonferenz“ äußerte sich am Mittwoch, 26. September 2018 Generalvikar Dr. Alfred Hoffmann bei einer Pressekonferenz. Dabei zeigte sich der Generalvikar des Bistums Görlitz erschüttert. „Es gibt für jegliche sexualisierte Gewalt keinerlei Enschuldigung. Die Opfer tragen Wunden, die immer neu aufbrechen. Dies wird auch in diesen Tagen wieder geschehen.“

Bischof Wolfgang Ipolt hatte sich im Vorfeld mit einer Erklärung an die Katholiken des Bistums gewandt, in der er im Namen der Kirche die Opfer um Vergebung bat und die Taten als „himmelschreiende Sünde“, die durch Vertreter der Kirche geschehen sind, gebrandmarkt. Zugleich versicherte er, gegen jeglichen Missbrauch vorzugehen und für die Opfer einzutreten.

Auf dem Gebiet des 1994 gegründeten Bistums Görlitz haben seit 1945 etwa 250 Priester gearbeitet. Im Zuge der Nachkriegsfolgen kann es bei dieser Zahl möglicherweise kleine Ungenauigkeiten geben. In der Studie wurden alle Betroffenen berücksichtigt, die sich als Opfer sexualisierter Gewalt durch Kleriker gemeldet haben. Darüber hinaus wurden die Personalakten der Kleriker (Priester und Diakone) auf Hinweise untersucht.

Im Bistum Görlitz hat sich ein Betroffener gemeldet. Der beschuldigte Priester war bereits verstorben, sodass eine Befragung nicht mehr möglich war. Das Zeugnis des Betroffenen wurde als glaubwürdig anerkannt und in Anerkennung an das erlittene Leid 4.000 Euro gezahlt. Weitere Hinweise auf sexualisierte Gewalt gegenüber Minderjährigen wurden in den Personalakten nicht gefunden.

Generalvikar Hoffmann betonte, dass jede einzelne Person, die Opfer sexualisierter Gewalt geworden ist, ein Opfer zu viel ist. „Wir können nichts darüber aussagen, wie viele Betroffene es gibt, die sich nicht gemeldet haben, weil sie sich davor scheuen oder bereits verstorben sind. Wir müssen mit einem Dunkelfeld rechnen“ so der Generalvikar.

Um dem möglichen Missbrauch präventiv entgegenzutreten, wurden verbindliche Maßnahmen im Bereich der Prävention festgelegt. Alle im aktiven Dienst befindliche Priester sowie die Diakone als auch die pastoralen Mitarbeiter wurden und werden zu Präventionsschulungen verpflichtet. Zudem werden pädagogische Einrichtungen und Pfarreien dabei unterstützt, ein eigenes institutionelles Schutzkonzept zu erarbeiten.

Generalvikar Hoffmann: „Als Bistum Görlitz wissen wir uns gemeinsam mit allen Bistümern der Deutschen Bischofskonferenz verantwortlich für das, was geschehen ist und bitten um Vergebung. Für Gegenwart und Zukunft gilt es, aus der bitteren Vergangenheit zu lernen und entsprechend zu handeln.“

⇒ Brief von Bischof Wolfgang an die katholischen Christen im Bistum Görlitz

 

Hilfeportal Sexueller Missbrauch des Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs:

Verschwiegenheitspflicht/ Datenschutz:
Die Beratung unterliegt der Verschwiegenheitspflicht gemäß § 203 StGB, wie das bei Beratung üblich ist. Die Vorgaben des Kirchlichen Datenschutzgesetztes (KDG), die den Europäischen Datenschutzrichtlinien folgen, werden beachtet.

 

Ansprechpersonen für Hinweise auf sexuellen Missbruch im Bistum Görlitz

Die Bischöflichen Beauftragten Martina Kasper und Dr. Frank Schilke sind Ansprechpartner für Verdachtsfälle auf sexuellen Missbrauch im Sinne der Leitlinien für den Umgang mit sexuellem Missbrauch im Bereich der Deutschen Bischofskonferenz.

Sie stehen für vertrauliche Gespräche und die Vermittlung von Hilfsangeboten zur Verfügung. Darüber hinaus sind sie Ansprechpartner für die Entgegennahme von Anträgen auf Leistungen in Anerkennung des Leids, das Opfern sexuellen Missbrauchs zugefügt wurde.

Martina Kasper
Goethestraße 46
02826 Görlitz
Telefon: 03581/40 17 58
E-Mail: martina.kasper1@gmx.de

Dr. Frank Schilke
Grünswalder Straße 14
15926 Heideblick
Telefon: 035455/738
E-Mail: frank.schilke@web.de

Bild: Klaus Kegebein
In: Pfarrbriefservice.de

 

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