7. August 2018

Wir wissen, dass Gott uns führt auf unseren Pilgerwegen – Dankhochamt mit Spurensuche

„Jeder Mensch hinterlässt Spuren. Was sie bewirken, dessen sind wir uns selten bewusst. Jeder Mensch kann im Rückblick auf sein Leben, viele Spuren entdecken, die nicht seine eigenen sind. Diese Spuren stammen von Menschen, die Wegbegleiter waren und sind“, mit diesen Worten begann Generalvikar Dr. Alfred Hoffmann am 4. August in der Kathedrale St. Jakobus, beim „Dankhochamt“, seine Predigt. Eigentlich hätte unter diesem Wort sein Name stehen können – und der seiner Zwillingsschwester, die beide an diesem Tag ihre 60. Geburtstage feierten. Doch den Jubilaren war es wohl wichtiger, den Eucharistie-Gedanken in den Vordergrund zu stellen, die große Danksagung an Gott. Und so war diese Feier, wie danach zu hören war, auch für andere Gottesdienstbesucher Grund zur Freude um zum Danken und um Spuren wiederzuentdecken. Eine führte zum ehemaligen Bischof von Görlitz, Bernhard Huhn, der am selben Tag wie die Jubilare, im Jahr 1921 in Liegnitz geboren wurde. Aus diesem Bistum Legnica standen Priester mit  dem Jubilar am Altar und zeigten damit, dass die Brücke zwischen den Bistümern, auch dank der vielen Bemühungen von Dr. Hoffmann nicht nur gebaut wurde, sondern dass sie von beiden Seiten überschritten wird. Zisterzienser kamen aus dem Stift Heiligenkreuz, aus  Neuzelle – und dem Kloster St. Marienthal die Äbtissin und ehemalige Äbtissin. Borromäerinnen aus Görlitz und Wittichenau, Priester und Gläubige aus vielen Orten des Bistums und darüber hinaus, auch sie waren Wegbegleiter – und kamen. Aus den Dankesworten von Bischof Wolfgang Ipolt am Ende der Eucharistiefeier, sowie von Gratulanten, die danach in langen Schlangen warteten, kam zum Ausdruck, wie viele Spuren der 60-Jährige bisher hinterlassen hat.

Dr. Hoffmann sieht seinen Lebensweg „als Entdeckungsreise und Lernprozess, um die  fürsorgende Gegenwart Gottes wahr- und ernst zu nehmen. Dann erkenne ich mehr und mehr, dass und wie Gott mir Menschen als Begleiter an die Seite gestellt hat. Das erfüllt mich mit großer Dankbarkeit. Mir wird zunehmend bewusst, dass menschliche Begegnungen und Ereignisse, die erfreulichen wie die traurigen, nicht blindes Schicksal sind. Vielmehr sind sie mir Erinnerung und Wegweiser, dass mir Gott an jedem Tag und an jedem Ort nahe ist, dass er mich mit endloser Geduld führt und leitet“, sagte er in seiner Predigt.

Viele Pilgerwege, die er seit genau 20 Jahren gegangen ist, „meist mit einer kleinen Gruppe, waren und sind für mich eine intensive Schule des Lebens, wo Leib und Seele gefordert und gefördert werden. Wie in einem Brennpunkt sammelt sich an solchen Tagen das Geheimnis des Lebens und wird von Gottes Licht durchtränkt“, sagte er, während durch die Fenster der Kathedrale farbiges Licht fällt. Das ist nicht der einzige „Brennpunkt“ in diesen etwa 90 Minuten. Immer wieder setzt der Domchor, begleitet von einem kleinen Orchester, unter Leitung von Diözesankirchenmusikdirektor Thomas Seyda, musikalische Höhepunkte in diese Feier hinein. Es erklang die Missa brevis in G von Wolfgang Amadeus Mozart. „Wir sind zur Freude geboren“, diese Botschaft hat Bernhard Huhn in Worten und Musik hinterlassen, Domkantor Seyda hat daraus eine Hymne werden lassen, die während der Kommunionausteilung zum Meditieren einlud. „Pilger sind wir Menschen, suchen Gottes Wort. Unerfüllte Sehnsucht treibt uns fort und fort…“ dieses  Lied erklang zum Dank, in Verbindung mit „March Nr. 1 aus: Pomp and Circumstances, Op. 39 von Edward Elgar“.  „Land der großen Hoffnung, Zukunft, die uns winkt, Gott in unserer Mitte, Sonne, die nicht sinkt…“ Der Domkantor ließ die Orgel jubilieren – und nach dem Schlußakkord brauste Applaus auf und unterstrich damit das musikalische Gotteslob, sowie die geniale Interpretation dieses Stückes.

„Pilgerwege lehren mich: Vertraue auf Gott, überwinde deine Ängste und du wirst an dein Ziel gelangen. Manchmal ist der Weg nur ein anderer, als ich geplant habe. Dann kann ich aber einsehen, dass Gott es besser wusste als ich, und deshalb meine Wegstrecke geändert hat, mir zum Heil. Das können schmerzliche Erfahrungen sein, aber sie sind heilsam, wenn ich sie akzeptiere. Und so kann ich mit der Hl. Edith Stein sagen: „Wohin uns Gott führt, wissen wir nicht. Wir wissen nur, dass er uns führt.“, sagte der Jubilar.

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