19. Mai 2018

Das 750. Jubiläumsjahr der Klostergründung von Neuzelle wurde fulminant eröffnet

Für die Eröffnung des Kulturland Brandenburg-Jahres 2018 „könnte es kaum einen besseren Ort geben“, als Neuzelle. Das sagte Dr. Martina Münch, die Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg, am gestrigen Nachmittag im Klosterhof des Zisterzienserklosters Neuzelle. Eröffnet wurde damit gleichzeitig das 750. Jubiläumsjahr Gründung des Zisterzienserklosters Neuzelle. Die Ministerin nennt drei Gründe: „Neuzelle ist nicht nur das brandenburgische Barockwunder und eines der bedeutendsten Klosterbauwerke seiner Epoche, sondern steht mit seinen religions-, architektur- und kunsthistorischen Bezügen zu vielen Orten auf dem Kontinent mitten im Kerngedanken des Kulturlandjahres ,Wir erben. Europa in Brandenburg. Brandenburg in Europa‘. Und genau deshalb ist Neuzelle ein ebenso vorzügliches Beispiel für das Thema des Europäischen Kulturerbe-Jahres, das unter dem Motto ,Sharing Heritage‘ dazu einlädt, kulturelles Erbe zu erleben, wieder- oder neu zu entdecken“, sagt Frau Dr. Münch. Als dritten Grund nennt sie: „In diesem Jahr wird hier das 750. Jubiläum der Klostergründung gefeiert und 200 Jahre evangelische Gemeinde. Mit einem ebenso umfangreichen wie beeindruckenden Programm wird die Geschichte und Gegenwart dieses Ensembles neu und spannend in den Blickpunkt gerückt! Und gerade in diesem Jubiläumsjahr schließt sich dazu – wie ich finde – in wunderbarer Weise ein Kreis hin zum Ursprung des Klosters: Die Wiederansiedlung von Zisterzienser-Mönchen wird das Kloster weiter beleben, es als spirituellen Ort erfahrbar machen – und die Strahlkraft der Klosteranlage nochmals erheblich verstärken“. Abschließend sieht Ministerin Münch Kulturjahr und Jubiläumsjahr in Neuzelle „unter einem guten Stern“.

Bischof Wolfgang Ipolt zeichnete in seinem Grußwort zunächst einen Teil der wechselvollen Geschichte nach. Er sagte unter anderem: „Der Gedanke an den Anfang und auch die Erinnerung an manche Schwierigkeiten und Tiefen, die das Kloster Neuzelle durchgestanden hat, möge uns heute zeigen, welche kulturelle und religiöse Leistung die Zisterzienser an diesem Ort vollbracht haben und wie sie auch über dunkle Zeiten hinweg ihrem Auftrag treu blieben. Ich nenne aus der Geschichte nur zwei einschneidende Ereignisse: den Einfall der Hussiten im Jahr 1429, die das Kloster fast vollständig verwüsteten und die meisten Mönche ermordeten,  wie auch die Vertreibung der Mönche in der Folge der Säkularisation am Beginn des 19. Jahrhunderts im Jahre 1817.“ Danach ging er auf das Thema des Jubiläumsjahres ein. Er sagte: „Bis heute ist der Ort Neuzelle durch seine Klosteranlage und insbesondere die barocke Stiftskirche in besonderer Weise ,dem Himmel nahe‘– darum haben Sie mit dem Motto für das Festjahr wirklich den  Nagel auf den Kopf getroffen. Denn aus keinem anderen Grund ist diese Anlage gebaut worden: Dass Menschen früher und auch heute etwas vom Himmel entdecken, dass sie Erfahrungen von Transzendenz machen, die ihr Herz erhebt und ihr Leben reicher und erfüllter macht. Das geschieht durch die Begegnung mit dieser Klosteranlage und das möge auch in diesem Festjahr durch die verschiedenen Veranstaltungen  geschehen, die hier geplant sind.

Gott hat sehr verschiedene Wege, Menschen mit dem Himmel, mit seiner Gegenwart, zu berühren. Das kann durch die Musik geschehen, durch Theater, aber auch durch die Natur, ebenso wie auch durch einen Vortrag oder Bilder, die von ihm erzählen.

Nicht zuletzt geschieht das für uns Christen im Gebet und im Gottesdienst. Wenn es in diesem 750. Jubiläumsjahr gelungen ist, Zisterzienser aus dem Stift Heiligenkreuz zu ermutigen, hier in Neuzelle an eine lange Geschichte anzuknüpfen und weiterhin mit zu helfen, dass die Menschen dieser Region dem Himmel nahe bleiben, dann ist das, so meine ich, eine Geschenk nicht nur für die Katholiken im Bistum Görlitz, sondern für diesen Ort und für die ganze Region. Ohne  zu übertreiben, kann man sagen: Es ist eine Menge in Bewegung gekommen  – in Neuzelle selbst und auch schon jetzt weit darüber hinaus – seitdem vor einigen Monaten die ersten ,Pioniere‘ der Wiederbesiedelung die Stiftskirche wieder mit den Klängen des gregorianischen Chorals füllen.

Das Jubiläumsjahr 2018 in Neuzelle steht unter dem Motto ,Dem Himmel nahe‘. Das Programmheft trägt diesen Titel und zeigt ein Foto von Engeln aus der Stiftskirche“, so Bischof Ipolt. Grußwort im Wortlaut hier.

Moderiert wurde die öffentliche Auftaktveranstaltung durch Brigitte Faber Schmidt, die Geschäftsführerin der Brandenburgischen Gesellschaft für Kultur und Geschichte, Kulturland Brandenburg. Sie informierte unter anderem über die drei Ausstellungen, die im Anschluss an die Feierstunde eröffnet wurden:

„Wie eine Insel im Strom der Zeit“ ist im Kreuzgang des Klosters zu sehen.

Die Ausstellung „theatrum sacrum“ befindet sich im Himmlischen Theater, unter der Scheibe.

In der Orangerie wurde drittens die Ausstellung: „Der junge Blick auf Altes-Schlösser und Herrenhäuser in Polen und Deutschland“ eröffnet.

Brigitte Faber Schmidt sagte am Ende der Veranstaltung: „Ich finde es gut, dass die Mönche mit der Komplete heute das letzte Wort haben.“ Und da die Zisterzienser beim Abendgebet der Kirche nicht ihre eigenen Worte hören lassen, sondern die aus der Heiligen Schrift, war Gottes Wort der Schluß-Akkord unter diesen ereignisreichen Eröffnungstag in Neuzelle und: „dem Himmel nahe“.

Weiteres zur Eröffnung bei domradio.de

 

Zurück