31. März 2018

Karfreitag in Görlitz

Stadtfeststimmung herrscht auf dem Görlitzer Obermarkt am Karfreitag Nachmittag, kurz vor 15 Uhr, bei sonnigem Frühlingswetter. Ob denn jemand gestorben ist, fragt ein Eis schleckender Junge seine Mutter, als er die vielen dunkel gekleideten Menschen in die evangelische Dreifaltigkeitskirche gehen sieht. „Wohl nicht, die gehen nur in die Kirche“, klärt die Mutter ihr Kind auf.

In dieser Kirche beginnt um 15 Uhr die Karfreitagsliturgie. Die Pfarrkirche steht wegen Renovationsarbeiten in diesem Jahr nicht zur Verfügung. Diözesankirchenmusikdirektor Thomas Seyda hat für diese Feier eine Passion geschrieben. Er sagt dazu: „Anlass war, dass nun die neue Einheitsübersetzung fertig ist. Die Passion ist relativ einfach gehalten, so dass sich der Aufwand, sie einzustudieren, sowohl für den Chor als auch für die Solisten (Evangelist, Jesus, Pilatus…) in Grenzen hält. Den Evangelisten singe ich, die übrigen Solisten sind alle aus dem Chor. Mit dem Domchor haben wir relativ bald nach der Weihnachtszeit mit der Einstudierung begonnen“.

Die Kirche ist gut gefüllt, ebenso wie zeitgleich die Kathedrale St. Jakobus und die Hedwigs-Kirche. Dort wurde das große Kreuz aus Glas, mit einem Tuch verhängt und farbig angestrahlt. Domvikar Markus Kurzweil ging in seiner Predigt auf das Scheitern ein, auf die Hoffnungen und Erwartungen, von denen viele „zu Grabe getragen“ werden.

Nach der Karfreitagsliturgie beginnt um 18 Uhr der Bußgang der Männer; in diesem Jahr zum 47. Mal in Folge. Markus Křesák hat vor etwa zehn Jahren das Erbe seines Vaters, Diakon Boleslaw Křesák, angetreten, der vor knapp 50 Jahren diese Buß- und Sühne-Kreuz-Wege ins Leben gerufen hat. Die Texte des folgenden Kreuzweges, der von der Anlage des Heiligen Grabes über das Kidrontal, das Klinikum, am Flugplatz entlang bis  in die Kapelle des Malteserkrankenhauses „Sankt Carolus“ führt, stammen von Heinrich Theissing, die er als Jugendseelsorger geschrieben hat. Die nachfolgenden Betrachtungen, sowie die Einleitung, mit den Informationen über Neuzelle, stammen von Markus Křesák.

„Mit Benedikt Gott suchen!“, unter diesem Thema steht dieses Jahr.

Ein großes Ereignis steht in diesem Jahr für unser Bistum im Kalender. Die Neubegründung des Klosters Neuzelle. Bischof Wolfgang Ipolt schreibt:

„Liebe Schwestern und Brüder!

Das Jahr 2018 wird in der Geschichte unseres Bistums von großer Bedeutung sein. Im Jahre 1268 haben die Zisterzienser in Neuzelle ein Kloster gegründet. Die große inzwischen gut restaurierte Klosteranlage zeugt bis heute davon. Viel Segen ist von diesem Ort in all den Jahrhunderten ausgegangen. Nachdem die Mönche im Zuge der Säkularisation am Beginn des 19. Jahrhunderts das Kloster verlassen mussten, werden in diesem Jahr – genau 750 Jahre nach der Gründung des Klosters – Zisterzienser aus dem Stift Heiligenkreuz in der Nähe von Wien Neuzelle wieder besiedeln. Viele Menschen – nicht nur Christen – interessieren sich schon jetzt dafür und nehmen diesen Schritt mit großem Wohlwollen und vielen Erwartungen wahr. In Verbindung mit unserer Bistumswallfahrt am 02. September 2018 soll das Priorat der Zisterzienser feierlich errichtet werden. In unserem Bistum wollen wir dies zum Anlass nehmen, den Geist des heiligen Benedikt, nach dessen Regel die Zisterzienser leben, tiefer kennen zu lernen. Darum lautet die Überschrift über dieses Jahr: Mit Benedikt Gott suchen. In vielen Veranstaltungen des Seelsorgeamtes werden Gedanken des heiligen Benedikt in diesem Jahr eine Rolle spielen. Wenn Neuzelle jetzt wieder durch eine Ordensgemeinschaft besiedelt wird, ist das für unsere Ortskirche Grund zur Freude und zum Danken. In einer Zeit, in der häufig vom Niedergang des Christentums gesprochen wird, dürfen wir einen neuen Aufbruch erleben. In einem Bild möchte ich das so ausdrücken: Die Mönche von Heiligenkreuz errichten in Neuzelle eine „Tankstelle“ für viele, die nach Gott und Stärkung im Glauben suchen, denn jedes Kloster ist eine Erinnerung an die Gegenwart Gottes inmitten unserer ruhelosen Welt. Das wird der Auftrag für den kleinen Konvent in der Diaspora Brandenburgs in der Zukunft sein“, soweit Bischof Ipolt.

Es ist und bleibt ein großes Wagnis, wie übrigens alles Neue – ein Wagnis ist. Die heilige Katharina von Siena sagt: „Nicht der Beginn ist zu loben, sondern das Durchhalten.“ Der Volksmund kennt dazu noch einen anderen Spruch: „Wer nicht wagt, der nicht gewinnt!“ Es liegt allein an Gottes Gnade, wie fruchtbar und heilsam dieses Neue wirken wird. Ich finde diese Neugründung ist ein gigantisches Zeichen, wo doch in Deutschland Klöster um Nachwuchs ringen und teilweise ohne Säkularisierungsprozess aufgelöst werden. Und noch eins muss ich hier unbedingt erwähnen und euch dafür ein Paar Jahrzehnte in die Vergangenheit mitnehmen. Im Görlitzer Gebiet gab es keine nennenswerte Wallfahrtstradition. Das 1817 säkularisierte Zisterzienserkloster Neuzelle schien dem Jugendseelsorger ein geeigneter Ort zu sein. Er versprach sich von der Wallfahrt zu dieser der Muttergottes geweihten barocken Klosterkirche ein neues Zugehörigkeits- und Zusammengehörigkeitsgefühl besonders für die Vertriebenen. So lud er für den 29. Juni 1947 die Jugend des Diözesangebietes nach Neuzelle ein. Bei der SMAD (Sowjetische Militäradministration in Deutschland) hatte er eine Veranstaltung mit 500 Teilnehmern angemeldet. Am Samstagabend reisten etwa 1100 Mädchen und Jungen an. Die Wallfahrten in den folgenden Jahren verbanden der Jugendseelsorger und seine Mitarbeiter immer mit einer Aktion, die zugleich die Verbundenheit mit dem jungen Wallfahrtsort und auch das Zusammengehörigkeitsgefühl der Gemeinden untereinander bestärken sollte. 1948, also vor 70 Jahren, trugen die Jugendlichen von Görlitz bis Neuzelle von Gemeinde zu Gemeinde ein großes Holzkreuz, dass während der Wallfahrt auf dem Wallfahrtsberg – wir sprechen liebevoll von der Scheibe – aufgestellt wurde. Im gleichen Jahr entstand auf Heinrich Theissings Initiative das Neuzeller Wallfahrtslied. Im Vorfeld der Jugendwallfahrt 1949 wurde ein Mantel für die Gottesmutter von Gemeinde zu Gemeinde gebracht und die Jugendlichen stickten ein Bild ihrer Kirche oder ein Symbol der Gemeinde in das Tuch, welches heute im Stiftsmuseum betrachtet werden kann. Auch meine liebe Mutter hat geholfen das Bildnis der Heilig-Kreuz-Kirche in diesen Mantel zu sticken. An der Wallfahrt 1950 nahmen über 3000 Jugendliche teil und stifteten die vier silbernen Leuchter für den Marienaltar. Das Geldopfer der beiden vorangegangenen Wallfahrten wurde 1951 für einen Kreuzweg, der das 1948 aufgestellte Kreuz umgab, gesammelt. Jedes Jugenddekanat erhielt eine eigene Kreuzwegstation. Die aus Eichenholz geschnitzten Kreuzwegstationen sind genauso wie der Text des Wallfahrtliedes Werke von Georg Schröter, den einige vielleicht noch kennen. Die Texte der Kreuzwegstationen, die wir heute hören, sind die von Heinrich Theissing. „Wenn jeder täglich den Angelus oder wenigstens ein ,Ave Maria‘ für unsere Diaspora betet, dann sind das eine Millionen und fünfhunderttausend Gebete. Mehr als eine neue Kirche Ziegelsteine braucht!“, sagte Heinrich Theissing 1954.

Das folgende Zitat stammt von Bernhard Huhn, dem ehemaligen Bischof von Görlitz: „Vor dem Krieg, in meiner Jugendzeit, hatte ich den Namen Neuzelle nie gehört. Wir radelten als Jugendbewegte in die uns bekannten Wallfahrtsorte, nach Grüssau zu den Benediktinern, nach Wartha und Albendorf ins Glatzer Land. Und das Priesterseminar für schlesische Theologiestudenten lag in der Bischofsstadt Breslau, wo ich selbst noch 1940 zwei Semester studieren konnte. Dann kam es Schlag auf Schlag: Krieg, Vertreibung, Gefangenschaft! Erst zehn Jahre später hörte ich zum ersten Mal von Neuzelle. In der Notzeit der Nachkriegsjahre hat Gott unserer Ortskirche, dem vertriebenen und pilgernden Gottesvolk in der Wüste der Diaspora, diesen gesegneten Ort geschenkt, auch wenn es Menschen waren, die Gottes Pläne aufgriffen: der damalige Kapitelsvikar Dr. Piontek und sein Jugendseelsorger, der spätere Bischof Theissing. So entstand ein Stück Heimat für die Priester und ein Zufluchtsort für alle Gläubigen aus der Diözese Görlitz und darüber hinaus. Es hat uns überrascht und erfreut in schwerer Zeit, dass Gott auch in der Wüste Brot bereithält. Bis heute kommen Jahr für Jahr Tausende, Jung und Alt. Sie kommen nicht, weil es Jahrespläne und Schaukastenplakate gibt, in denen Wallfahrten vermerkt sind. Mit Reklame kann man den Umsatz von Waschmitteln eine Zeit lang erhöhen, aber es entstehen dabei keine geistigen Bewegungen. Eben das aber geschah: Neuzelle entwickelte seine eigene Zugkraft. Priesterseminar und Wallfahrten machten diesen Ort zu einem großen Segen für unser Land. Wallfahrten wird es auch in Zukunft geben. Ich hoffe sogar: Tendenz steigend! Es wächst im modernen Menschen die Sehnsucht nach Stille und Einkehr nach innen. Es wächst die Erkenntnis, dass die materiellen, horizontalen Befriedigungen der Welt nicht letztlich glücklich machen, sondern der Mensch des Aufblicks zu Gott bedarf, der Ziel unseres Lebens ist. Es wird vor allem der Christ in der Vereinsamung der Diaspora Verlangen haben nach der Gemeinschaft der Glaubenden, die ihn trägt. So wird es Wallfahrten nach Neuzelle auch weiterhin geben. Das stimmt mich froh. Aber das Gebäude des früheren Priesterseminars! Dass wir nun auch bald endgültig davon Abschied nehmen werden, stimmt mich traurig – dass will ich nicht verhehlen. Schon vor einigen Jahren musste die damalige Berliner Bischofskonferenz wegen der sinkenden Zahl der Theologiestudenten leider ernste Konsequenzen ziehen: Anschluss des Seminars Neuzelle an das Seminar in Erfurt. Es war ein bedauerlicher, aber wohl notwendiger Entschluss. Danach wurde versucht, eine Ordensgemeinschaft nach Neuzelle zu holen. Zuerst die Benediktiner, dann Augustinerchorherren, dann Franziskaner – umsonst. Schließlich zogen Brüder und Schwestern der Gemeinschaft der Seligpreisungen zu unserer Freude in die freien Räume. Nun aber zwingen uns – wir waren ja immer nur Mieter im Seminar – die hohen Mietpreise seitens der Stiftung Abschied zu nehmen. Das stimmt traurig, aber es bleibt die Zuversicht auf Gottes gütige Führung. Wenn ich dankbar an das Priesterseminar Neuzelle denke, tröstet mich, was im Alten Testament im Buch Kohelet zu lesen ist: „Alles hat seine Stunde. Für jedes Geschehen unter dem Himmel gibt es eine bestimmte Zeit … Eine Zeit zum Pflanzen und eine Zeit zum Ernten … eine Zeit zum Behalten und eine Zeit zum Wegwerfen … eine Zeit zum Schweigen und eine Zeit zum Reden …!“ Deus providebit – Gott wird weitersehen!“, soweit Altbischof Bernhard Huhn.

1. Station Unrecht

Mit der äußeren Sicherheit der Macht, aber mit unsicherem Herzen verkündet Pilatus das Urteil: Jesus von Nazareth, der König der Juden, ist des Todes schuldig. Pilatus hatte versucht, das Urteil zu umgehen: „Ich bin unschuldig am Blute dieses Gerechten. Tragt ihr die Verantwortung!“ Wer aber nicht mit ganzem Herzen für das Recht eintritt, steht schon aufseiten des Unrechts. Die Angst vor der größeren Macht des Kaisers und die Furcht vor der Meinung des Volkes geben den Ausschlag: Der Sohn Gottes wird ein Opfer der ungerechten Gewalt. Und der Gerechte – mit der Spottkrone auf dem Haupt und mit gefesselten Händen – nimmt das Unrecht auf sich.

Betrachtung: Unrecht

Auch auf mir lastet das Unrecht. Das Unrecht, dass ich anderen tat, wie einst Pilatus dem HERRN und das Unrecht anderer, dass ich ertragen muss wie Christus. Wie viel Leid verschuldet mein Unrecht? Es verletzt meinen Nächsten; vor allem aber missachtet es Gott! HERR Jesus Christus, wie oft habe ich anderen Unrecht zugefügt in meinem Urteil und meinen Taten. Lass mich nicht zugrunde gehen in meiner Schuld! Ich weiß, wie Weh das Unrecht tut. Traf es mich, so habe ich mich dagegen aufgebäumt und es abschütteln wollen. HERR, lehre mich das Unrecht ertragen, wie Du es hingenommen und zur Sühne für unsere Schuld getragen hast. Gib auch mir die Kraft, alles Unrecht zu tragen als Sühne für das Unrecht des eigenen Herzens. Gott hilf mir dazu!

2. Station: Kreuz

Nun wird das Urteil harte Wirklichkeit. Jesus hatte es angenommen zu unserer Erlösung! Jetzt legt sich die Last der Aufgabe, die Last des Kreuzes mit der ganzen Wucht auf seine Schultern. Wird er das Kreuz tragen können? Keiner steht ihm zur Seite. Ganz allein muss er es schaffen. Treulos haben seine Jünger ihn verlassen. Die Welt hält seine Tat für Torheit und geht ihre Wege. Allein geht der Herr unter dem Kreuz.

Betrachtung: Kreuz

Jeder von uns hat seine Aufgabe! Gott traut sie uns zu. Oft ist der Auftrag von Gott ein Kreuz. Manchmal scheint er das Maß unserer Kraft zu übersteigern. Wir suchen uns dem Kreuz zu entziehen. Wer aber vor dem Kreuz flieht, flieht vor seinem Leben. Nur wer das Kreuz wagt, wird das Leben gewinnen. HERR Jesus Christus, Du hast die schwere Last des Kreuzes auf dich genommen, den heiligen Auftrag unserer Erlösung. Lass auch mich meine Lebensaufgabe erkennen und mit deiner Kraft vollbringen, denn ohne Dich kann ich nichts. Gib, dass ich nicht kleinmütig verzage. Stärke mich vor allem, dass ich meiner Berufung als Christ gerecht werde. Wenn ich ganz alleinstehen muss und die Welt an mir Ärgernis nimmt, dann hilf mir das Kreuz tragen!

 

3. Station Prüfung

Jesus stürzt unter der Last des Kreuzes zu Boden. Seine Kraft reicht nicht mehr. Die nächtlichen Verhöre und die furchtbaren Misshandlungen haben seinen Leib geschwächt. Die Sonnenglut und das harte Kreuzesholz martern ihn. Er strauchelt und fällt. Gott erspart ihm nicht die Geißel der Prüfung. Warum hilft ihm Gott nicht? Wo sind jetzt „seine Engel, dass sie ihn tragen?“ So denken wir Menschen, nicht der Herr. Er weiß: Um unseres Heiles willen liegt die Züchtigung auf ihm. Das ist ihm Stärkung. Er rafft sich auf und geht weiter seinen Weg.

Betrachtung: Prüfung

Jede Aufgabe übersteigt einmal meine Kraft. Schwierigkeiten türmen sich auf: Eigenes Verzagen, Krankheit, Unglück, Misserfolg schwingen die Geißel der Prüfung. Unerreichbar scheint mir das Ziel, zwecklos mein Mühen. Dann gilt es die Treue! Und das Vertrauen! Alles vermag ich in dem, der mich stärkt. HERR Jesus Christus, wie oft glaube ich aus eigener Kraft das Leben meistern zu können und vergesse dann Dich, meinen Gott. Um meiner Überheblichkeit willen bist du unter dem Kreuz gefallen und hast die Prüfung auf dich genommen. Lass mich erkennen, was Gott der Vater will, wenn er mich prüft: Frei will Er mich machen aus den Fesseln des Hochmutes durch die Erfahrung der eigenen Ohnmacht. An Sich will er mich ziehen, dass ich wieder seiner Führung vertraue, ohne die ich in die Irre gehe. Darum will ich dankbar sein für die dunklen Stunden der Prüfung, denn sie sind mir zum Heil. Du aber o HERR hilf mir dann treu zu sein.

4. Station: Trennung

Aus der Menge der Menschen tritt dem HERRN seine Mutter entgegen. Für einen Augenblick ist er geborgen in Mariens mütterlicher Liebe. Tastend finden sich ihre Hände und Blicke. Es scheint wie ein Trost nach dem ersten jähen Sturz unter dem Kreuz. Und doch bringt dem Herrn auch diese Begegnung noch neues Leid. Wie weh empfindet seine Seele das Herzeleid der Mutter um ihren Sohn. Kein Wort des Trostes kann er ihr sagen, da er weiß: Noch Schwereres wird sie ertragen müssen. Denn das Kreuz fordert die Trennung. Er muss sich losreißen aus Mariens Liebe und sie allein lassen in ihrem Leid.

Betrachtung: Trennung

Wie oft schlägt für uns Menschen die Stunde der Trennung von liebgewordenen Menschen und Dingen. Wir haben auf Erden keine bleibende Stätte. Dazu fordert das Reich Gottes Trennung: Ich bin gekommen das Schwert zu bringen, sagt Christus, das Schwert der Scheidung. Jeder, der Heimat, Bruder, Schwester, Vater, Mutter, Frau und Kind um Meines Namens willen verlässt, wird das Hundertfache dafür empfangen und das ewige Leben erben. Der Mensch aber ist viel eher bereit, wegen Nichtigkeiten sich von Gott zu trennen, als sich um Gottes willen von Menschen und Dingen zu trennen. HERR Jesus Christus, was du von mir forderst, dass hast du selbst getan. Ich soll mich entäußern und mich ganz dem göttlichen Willen preisgeben. Selbst von der liebsten Liebe muss ich mich trennen können, wie du es getan. Aber ich weiß du willst unsere menschliche Liebe untereinander nicht zerstören. Neue, stärkere Bande der Liebe knüpfen sich zwischen denen, die sich ganz und vorbehaltlos dir anvertrauen. HERR, gib mir die Kraft mich zu trennen von allem, was mich hindert zu Dir!

 

5. Station: Des anderen Last

Die Soldaten werden ungeduldig. Es geht ihnen zu langsam. Jesus wird zusammenbrechen. Dann müssen sie ihn und das Kreuz zur Richtstätte schleppen. Darum zwingen sie einen Vorübergehenden anzupacken. Und Simon von Cyrene muss dem Herrn das Kreuz tragen. Er mag nicht. Was hat er mit diesem Verbrecher aus Nazareth zu tun? Aber der Herr schaut ihn an. Dankbar ist Jesu Blick. Dankbar auch für diese mürrische Hilfe. Da erkennt Simon in diesem Verurteilten den Menschenbruder und er verschließt sich nicht mehr der Not. Er trägt des anderen Last.

Betrachtung: Des anderen Last

Wie oft gehe ich an fremder Not vorüber? Ich habe meine eigenen Sorgen, meine eigene Not. Bin ich den des Bruders Hüter? Sind das nicht alles Ausflüchte, weil mir die Not des Bruders lästig ist und meine Pläne stört? Noch neue Last, noch neues Kreuz! Und doch: Wieder und wieder ruft mich der HERR: Siehe, dein Bruder braucht dich. Was ihr dem geringsten meiner Brüder getan habt, dass habt ihr mir getan! Gerade hier am Klinikum kann der selbstlose Einsatz des Lasttragens von Ärzten, Schwestern und Pflegern sehr, sehr deutlich werden. HERR Jesus Christus, nimm von mir die Blindheit meiner Eigensucht. Gib, dass ich sehend werde für fremde Not und mich nicht scheue des Bruders Kreuz mitzutragen. Lass mich nicht helfen aus nüchternen Berechnungen, sondern aus Liebe zu dir. Schicke auch mir den Bruder o HERR, wenn ich einmal seiner Hilfe bedarf.

 

 6. Station: Des anderen Leid

Nicht lange gönnt man dem Herrn Simons Hilfe. Dann zwingt man Jesus, das Kreuz wieder allein zu tragen. Nun lastet es doppelt schwer auf seiner Schulter. Kein gütiges Wort, nur Hohn und Spott finden zu ihm und lassen ihn seine Einsamkeit noch viel schmerzlicher empfinden. Da durchbricht Veronika den Gürtel des Hasses. Sie beugt sich nieder zu dem ausgestoßenen Herrn und reicht ihm ihr Tuch, dass er sein Antlitz darin trockne von Schweiß und Blut. Ihre mutige Liebe nimmt noch einmal die Einsamkeit von Jesus hinweg. Es ist der letzte Liebesdienst, den der Herr in seinem Leben findet und sein Dank wird zu einem wunderbaren Vermächtnis.

Betrachtung: Des anderen Leid

In jedem Herzen wohnt die Liebe. Liebe aber, muss sichtbar werden, hörbar, spürbar. Sonst kann sie den anderen nicht erreichen, erfreuen und befreien. Wie feige bin ich oft, meine Liebe zu zeigen. Wie viel Hemmungen baut da meine Menschenfurcht auf. So wird mancher Gedanke der Liebe nie Wirklichkeit und das Leid des anderen bleibt. Veronika hat ihre Liebe zur Tat werden lassen. Danke Gott, dass es in diesem Gebäude viele – wie Veronika gibt! HERR Jesus Christus, die Kälte unserer Herzen baut Mauern der Einsamkeit um einen jeden von uns. Lehre mich die Enge der Ichsucht und die feige Menschenfurcht zu besiegen, dass ich lerne, den anderen zu verstehen und fähig werde zu der selbstverständlichen Liebe im täglichen Leben. Lass mich auch immer dankbar sein für jede kleine Gabe und jedes gute Wort. Schenke uns allen die Gnade, dass Herz zu Herzen finde. Denn nur durch die größere Liebe bekennen wir uns vor der Welt als deine Jünger.

 

7. Station: Kampf Stadion

Es ist nicht mehr weit bis Golgatha. Jesus kämpft mit seiner letzten Kraft gegen die Schwächen des todwunden Körpers, gegen die Angst und die beklemmenden Zweifel, die ihn lähmen wollen wie böse Versuchungen: Es ist zu viel! Böses tun sie ihm an, denen er die Liebe brachte und noch bringen will. Das drückt ihn zu Boden. Aber noch im Fall lässt er den Kampf nicht. Mit der Faust stemmt er sich, dass er nicht ganz zu Boden stürzt. Wie hart würde es sein, dann wieder aufzustehen. Er will die Verkommenheit der Menschen auf sich nehmen und sie dadurch erretten. Das hilft ihm wieder auf.

Betrachtung: Kampf

Wie oft wird heute ein Fußballplatz zum Kampfplatz – nicht nur auf dem Rasen? Manchmal sogar schon in den Innenstädten, lange vor Spielanpfiff. Keiner meiner Tage ist frei von der Last des Kampfes. Vom Ringen mit dem Bösen und seinen Lockungen – mit der eigenen Armseligkeit, der Angst, dem Zweifel, der Bosheit der Menschen. Oft ist es mir zu viel und ich möchte den Kampf aufgeben. Aber ich weiß: Noch schwerer ist es nach jeder Niederlage. Den Sieg kann ich aus eigener Kraft nicht schaffen, aber Gott erwartet von mir, dass ich nicht aufhöre, um den Sieg zu ringen. HERR Jesus Christus, lehre mich durch deinen zweiten Fall, niemals den Kampf aufzugeben. Nie ist das Ringen um das Gute sinnlos. Und wenn ich manchmal das Ziel nicht mehr sehen kann und die Übermacht des Bösen mich zu Boden zwingt, dann erhebe Du wieder das Kreuz vor mir o HERR, dass ich mich nicht geschlagen gebe in meiner Niederlage, sondern aufs Neue den Kampf beginne.

 

8. Station: Läuterung

Frauen stehen am Wege mit ihren Kindern, klagend und weinend. Sie kennen das Leid. Aber hilflos stehen sie dem furchtbaren Geschehen gegenüber und begreifen nicht, dass der Herr um ihretwegen leidet! Da erbarmt sich Jesus der Blindheit ihrer Herzen. Noch einmal sagt er ihnen seine erste Botschaft von der Buße und Umkehr! „Ihr Töchter Jerusalems, weint nicht über mich, weinet über euch und eure Kinder.“ Geht in euch und bekehrt euch, sonst wird der Fluch auch euch treffen, der eurer Stadt gewiss ist. Sie aber haben Ohren und hören nicht, haben Augen und sehen nicht. Ist auch Jesu letzte Predigt vergeblich?

Betrachtung: Läuterung

Erkenne ich wirklich was Not tut? Vor 3 Jahren wurden hier Flüchtlinge untergebracht. Was wird aus ihnen geworden sein? Soviel habe ich schon vom Reich Gottes gehört und wie viele Worte haben davon Frucht getragen? Auch ich bin in der Gefahr nur äußerlich als Christ zu leben. Das Kreuz aber darf man nicht nur zur Kenntnis nehmen, man muss es ergreifen und Christus nachfolgen. Wenn ich nicht Umkehr halte und mich geläutert Gott ganz zuwende, wird auch mir das Himmelreich verschlossen bleiben. HERR Jesus Christus, Übergroß sind dein Erbarmen und deine Gnade. Aber du kannst mir nur helfen, wenn ich bereit bin, mich im Leiden läutern zu lassen und deine Gnade aufzunehmen. Umsonst bist du den bitteren Kreuzweg für mich gegangen, wenn ich mich deiner Liebe nicht öffne, von der Sünde mich nicht abwende und zu deiner Liebe nicht zurückkehre. Ganz willst du mein Herz, o HERR. Das scheint oft so schwer, sich ganz zu verleugnen und doch: Wer sein Leben um Meinetwillen verliert wird es finden! Lass mich allezeit mit geläutertem Herzen Dich suchen HERR, damit ich vor deinem Gericht bestehen kann.

 

9. Station: Schuld

Zusammengebrochen liegt der Sohn Gottes im Staube der Straße. In solcher Erschöpfung ist der Wille ohnmächtig. Da gibt es kein Ringen und Kämpfen mehr. Wütend tritt der Henker auf Ihn ein und will Ihn hochreißen. Seine Unmenschlichkeit gegenüber solcher abgrundtiefer Qual kann nur aus der Sünde kommen und offenbart das Geheimnis dieser Erniedrigung des Herrn: Die Sündenschuld der Menschheit hat Ihn zu Boden geworfen. Die ganze Last des Sündenfalls liegt auf Ihm, und wie einst der sündige Adam, verbirgt Er Sein Angesicht vor Gott. Nur die Kraft göttlicher Liebe kann aus dieser Erniedrigung wieder erheben.

Betrachtung: Schuld

Bin ich schuld, wenn Rüstungsgeschäfte oder Embryonenforschung weitergehen, weil ich nicht hinterfrage wie Rendite in Fon -und Aktienglobalisierung mir zu meinen mickrigen Zinserträgen verhelfen? Bin ich schuld, wenn Christenverfolgung weitergeht nur weil ich Urlaub genau in den Ländern mache, weil es dort so schön billig ist? Bin ich schuld, wenn der Wasserspiegel des Toten Meeres weiter singt, weil ich nicht hinterfrage wie die Landwirtschaftsprodukte aus Israel in unseren Supermärkten zum Reifen den Wasserzulauf des Meeres reduzieren? Bin ich schuld, an der Selbstsäkularisierung in meiner Familie, weil es immer Ausreden gibt meine Sonntagspflicht hintenan zu stellen? Der Mensch stürzt ohne Gott zur Erde, ihr bleibt er verfallen und dem Tode. Jesus, Du warst gewissermaßen ein Drahtseilakteur. Du willst nicht, dass ich in die Tiefe falle und Du wirst mir immer wieder neu das Halteseil des Lebens zuwerfen. Wenn meine Liebe zur Dir groß genug ist und ich all meine Schuld vor Dich lege, wird es mir gelingen Dein Himmelstau zu fangen. HERR Jesus Christus: Aus dem Fall der Sünde gibt es kein eigenes Aufstehen mehr, nur die Bitte um dein Erbarmen und das Vertrauen zu deiner unendlichen Liebe, die alles auf sich nimmt um zu retten was verloren.

 

10. Station: Schmach

Der Herr ist am bitteren Ziel. Nun bereiten die Henker das Letzte vor. Sie reißen Ihm das Gewand vom Leib. Nicht bloße Habgier lässt sie das tun. Die Schamlosigkeit und kalte Berechnung der Welt ist es: Nur entehrt wird man Ihn verachten. Ein Mensch in erbärmlicher Not, zerschlagen und entstellt, in schutzloser Nacktheit, scheint seiner Würde beraubt. Hier seht doch: Er ist nicht mehr als ihr. Nein, weniger noch. – Dann kennt die Masse keine Hemmungen mehr. Der Weg zur letzten Grausamkeit ist frei: Der Weg zur qualvollen Vernichtung am Kreuz.

Betrachtung: Schmach

Die Schmach der Entehrung ist die letzte Waffe der Gemeinheit des Bösen, geboren aus ohnmächtiger Wut. Furchtbare Zerstörung des Menschen ist sie, als Zerstörung des Leibes: Der Tod. Wie bitter wehe empfinde ich darum jeden Angriff auf meine Ehre. Und meiner Ehrfurcht vor den anderen? In jeder Menschenseele hat Gott seinen Thron! Ehrfurchtslosigkeit ist der Tod alles Guten und Edlen! Herr, lass die forschenden Analytiker, die hier arbeiten, ehrfurchtsvoll und verantwortungsvoll bei ihrer Arbeit mit Deiner Schöpfung umgehen! HERR Jesus Christus: Die Menschen haben dich deiner Kleider beraubt, aber das Geheimnis deines Herzens konnten sie dir nicht nehmen, das Geheimnis deiner Liebe, die auch diese Entehrung in Sühne verwandelte. Um der Schmach, die du erlitten, bitte ich dich, nimm meine Ehre in deinen Schutz. Du weißt die Wahrheit. Gib mir die Kraft, mich recht zu verhalten, wenn man mir Schmach antun will. Schenke mir den Geist der Ehrfurcht und bewahre mich vor aller Ehrfurchtslosigkeit.

 

11. Station: Opfer

Dröhnende Hammerschläge jagen die Nägel durch Fleisch und Holz und zwingen den Herrn ans Kreuz. Furchtbare Qual, dass man aufschreien möchte. Jesus aber bleibt stumm und hält still. Denn Er will es. Um uns von der Sünde zu befreien, gibt der Herr Seine Freiheit dahin. Um uns die Freiheit der Kinder Gottes wiederzuschenken, lässt Er sich ganz gefangen nehmen und ans Schmachholz des Kreuzes heften. Wie furchtbar muss die Sünde sein, dass dieses Opfer notwendig ist.

Betrachtung: Opfer

Da es den Zeitrahmen des heutigen Abends sprengen würde, möchte ich hier mit nur einer Wortgruppe an ein ganz besonderes Opfer erinnern. Das von Heinrich Theissing begründete „Neuzeller Diaspora-Apostolat“ – vielleicht kann unser Senior Heinz Fritsche bei Fragen dazu weiterhelfen. Eine andere Möglichkeit bietet unser Bistumsarchiv. Wie viel halte ich schon für Opfer, was doch Selbstverständlichkeit ist? Opfer heißt Hingabe von dem, was mir zusteht, was mein Eigentum ist. Opfer geschieht dann, wenn ich gleichsam ein Stück von mir weggebe, mir etwas vom Herzen reiße. Und hier opfert der Sohn Gottes seine göttliche Freiheit, ja: Sich selbst. Vielleicht können die fünf uns hier umgebenden Bäume, die symbolisch auch für die fünf Wundmale stehen könnten, ganz deutlich machen:  „Mein Opfer am Kreuz ist Mein Opfer für alle Menschen, egal wo auf der Erde!“ HERR Jesus Christus, schenke mir von deiner übergroßen Liebe, dass ich fähig werde, willig Opfer zu bringen. Denn ohne Liebe gibt es kein helfendes Opfer. Ohne Opfer aber geht es nicht in dieser Welt, die durch unsere Sünde in Unordnung gekommen ist. Lass nicht zu, dass auch nur ein Mensch in Verzweiflung oder Not gerät, weil ich unfähig war, mir ein Opfer aus dem Herzen zu reißen. Gib mir die Kraft der liebenden Hingabe an dich, dass auch ich ehrlich sprechen kann: Nimm hin o Gott, meine ganze Freiheit!

 

12. Station: Tod

Mit der Schuld der ganzen Welt beladen hängt der Herr zwischen Himmel und Erde und bringt Sich Gott auf dem Altar des Kreuzes zum Opfer dar. Durch die Sünde kam der Tod in die Welt, durch den Sühnetod Jesu wird die Herrschaft des Todes vernichtet und das neue Leben uns geschenkt. Der Preis des Lebens aber ist der Tod des Schuldlosen. Ganz allein trägt Jesus die Schuld des ganzen Menschengeschlechtes vor die Gerechtigkeit des Vaters. Nichts kann der Herr in die Waagschale werfen als seine Liebe, die sich dahingibt bis zum letzten Tropfen seines Blutes. Und Gott nimmt den Liebestod Seines Sohnes an: Der Tempelvorhang zerreißt: der Weg zum Allerheiligsten ist frei: Wir können wieder zu Gott!

Betrachtung: Tod

Wenn ich nie spürte, was die Sünde ist, im Tode werde ich es leidend erfahren. Wie die Sünde den Menschen von Gott getrennt hat, wird der Tod – Leib und Seele auseinanderreißen. Auch für mich kommt die Stunde des Todes, da ich die ganze Verantwortung für mein Leben vor Gott tragen muss. Aber ich stehe nicht mehr allein vor dem Tor des Todes. Seit der Stunde meiner Taufe gehöre ich dem Gekreuzigten. HERR Jesus Christus, wenn ich doch ganz tief erfassen könnte, was du für mich getan hast. Ich danke dir für deine Liebe. Ich danke dir für deinen Tod. Ich danke dir, dass du mich errettet und erlöst hast. Nichts soll mich mehr scheiden von deiner Liebe, von deinem Kreuz. Sei du mir nahe in meinem Tod. Gekreuzigter HERR Jesus Christus, erbarme dich meiner!

 

13. Station: Trauer

Nun hat die Mutter ihren Sohn wieder. In ihrem mütterlichen Mantel findet der tote Herr erste Geborgenheit. Jesus hat ausgelitten. Seine durchbohrten Hände und Füße und das geöffnete Herz blutet nicht mehr. Aber das Herz der Mutter blutet aufs Neue und ihr Herz muss sich ausweinen in dieser Bitternis. Bitterer noch durchbohrt ihre Seele die Trauer über die Furchtbarkeit der Sünde, die solch grausamen Sold fordert. Dieser Trauer aber hat der Herr verheißen: „Selig die Trauernden, denn sie werden getröstet werden“.

Betrachtung: Trauer

Wie schnell bin ich traurig, wenn mir Leid widerfährt – ein Unrecht, ein Misserfolg, ein unverschuldeter Unfall – Kenne ich auch echte Mittrauer mit dem Schmerz und dem Leid der anderen? Wie oft gab ich nur leere Worte des Trostes, statt helfender Tat der Liebe? Und jene seliggepriesene Trauer über das Entsetzliche der Sünde? Habe ich sie wirklich schon durchlitten in meiner Reue? HERR Jesus Christus, um der Trauer deiner heiligen Mutter willen erbarme dich all des Leides dieser Welt und schenke allen Trauernden deinen heilenden Trost. Wecke auf mein Herz, dass ich nicht lieblos an anderer Trauer vorübergehe. Bewahre mich vor der kläglichen Traurigkeit verletzter Eigensucht, gib mir vielmehr jene wahre Trauer über mein Versagen und meine Sünden, der du den ewigen Trost verheißen hast. Heilige Maria, du Mutter der Schmerzen, bitte für mich.

 

14. Station: Erwartung

Die wenigen Getreuen legen Jesu Leichnam ins Grab. Nun bleibt ihnen nichts mehr, als zu hoffen und zu warten. Wohl lebt in ihnen der Glaube an Ihn, den Sohn Gottes. Der Glaube an seine Worte, Wunder und Verheißungen. Aber es bleibt bei allem Hoffen: die Ungewissheit und Ungeduld des Warten-Müssens trotz aller Erwartung. Nur das Wissen, „alles getan zu haben, was in eigenen Kräften stand“, mildert die Spannung und gibt Frieden. Das Kommende liegt allein in Gottes Hand.

Betrachtung: Erwartung

Christ lebt in dieser Welt von der Hoffnung auf das Kommen des HERRN in Herrlichkeit. Schwer ist das in einer Zeit, die nur im Diesseits lebt. So muss er ein anderer sein: Er lebt vom Glauben, der Mensch der Welt von den Sicherungen, die er sich schafft. Der Christ kann oft nur warten und bereit sein, bis der HERR wiederkommt. Darum muss meine Lampe brennend sein! HERR Jesus Christus, wie das Weizenkorn erst in die Erde fallen und sterben muss, ehe es Frucht bringen kann, so hast du die dunkle Kammer des Grabes durchschritten, ehe du, strahlender als die Sonne in der Herrlichkeit der Auferstehung dich deinen Jüngern offenbartest. Überreich hast du ihre Hoffnungen erfüllt und ihren Glauben belohnt. So gib, dass auch ich die Lampe der Bereitschaft nie verlöschen lasse und ausharre in treuem Glauben auf dass ich einst bei dir sein darf in deiner ewigen Herrlichkeit. Wie alle durch Adam starben, so werden alle durch Christus das Leben erhalten! Heiliger Gott, heiliger starker Gott Heiliger unsterblicher Gott, A: erbarme dich unser!

Zum Abschluss:

Nun lässt du deinen Diener, HERR, wie du versprochen, in Frieden scheiden. Wenn nun Not kommt, wenn nun Tod kommt, alles Leid ist schon gesegnet durch Dein heiliges Leiden. Unter Deinem Kreuz führt mein Leben in die Verklärung Deiner Auferstehung. Ich danke dir HERR, dass ich Dir wieder so begegnen durfte und Du so zu meinem Herzen gesprochen hast. Ich weiß, Du bist mir immer und überall nahe. Doch bitte ich Dich, lass mich Deine Nähe spüren, wenn das Dunkel des Leides und des Bösen mich überfallen will. Sei Du mit mir HERR und führe mich zum Vater, der mit Dir und dem heiligen Geist lebt und herrscht in alle Ewigkeit. Amen

Vor dem Segen, den Generalvikar Dr. Alfred Hoffmann spendete, der den Bußgang wie in den Jahren zuvor, mitgegangen ist, erklingt das Neuzeller Wallfahrtslied: „Maria, Mutter, Friedenshort, wir kommen in bedrängten Tagen…“ Gedacht ist es „als klingendes Gebet für einen fruchtbaren, heilbringenden und segenspendenden Klosterneustart. Ich bin überzeugt, wenn es mindestens so viele aus dem Herzen gesprochene Gebete für ein segensreiches Wirken der Mönche gibt wie Fotos bei der Wiederrichtung des Priorates der Zisterzienser in Neuzelle, dann brauchen wir uns um die Zukunft des neuen Klosters nicht sorgen“, sagt Markus Křesák.  Dr. Hoffmann dankt ihm für die Vorbereitung und Leitung dieses Bußganges, vor allem dafür, dass er das Erbe seines Vaters weiterführt.

 

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