16. Mai 2015

Mit dem Bonifatiuswerk in Schweden: „Das war Weltkirche pur“, sagt Bischof Ipolt

Bischof Wolfgang Ipolt war vom 6. bis 10. Mai, gemeinsam mit Generalvikar Dr. Alfred Hoffmann, Dekanen und Priesterrat, zu einer Bildungsreise in Schweden. Sie besuchten Förderprojekte des Bonifatiuswerkes, darunter zwei Pfarreien, eine auf dem Land, die 300 Kilometer von Stockholm entfernt liegt, mit kleiner Kirche und Gemeindezentrum. Bischof Ipolt berichtet: „Es sind weite Entfernungen. Zur Pfarrei auf dem Land sind wir drei Stunden mit dem Auto unterwegs gewesen. Hin und zurück ist der halbe Tag weg. Es ist ein weites Land, mit für uns kaum vorstellbaren Entfernungen. Vollkommen anders ist die Stadtpfarrei in Stockholm. Dort gibt es Gläubige aus etwa 20 Nationen. In dieser Pfarrei haben wir den sechsten Ostersonntag mitgefeiert. Dabei haben wir eine Ministranten-Aufnahme erlebt. Sechs Ministranten wurden aus verschiedenen Ländern wurden aufgenommen und erhielten eine Art Diplom überreicht. Einmal im Monat wird für Flüchtlinge gesammelt. Bei der Gabenbereitung erlebten wir, wie Gläubige vor den Altar kommen, Tüten mit unverderbliche Lebensmittel und Hygieneartikel bringen, die nach dem Gottesdienst an Hilfsbedürftige verteilt werden. Das fand ich sehr beeindruckend. Nach den Gottesdiensten gibt es immer Kirchenkaffee. Viele fahren eine oder eineinhalb Stunden zum Sonntagsgottesdienst. In Stockholm zwei Kirchen, eine davon die Kathedrale. Etwa 6.000 Gemeindeglieder gehören zu dieser Pfarrei – das sind etwa so viele wie der Pfarrei Heiliger Wenzel Görlitz.

Es gab ein ausgiebiges Gespräch mit Bischof und seinem Generalvikar in Stockholm, über die Lage des Bistums. Immer wieder wurde die große Unterstützung durch das Bonifatiuswerk angesprochen, das dort viel hilft. Das hat auch uns geholfen bei dieser Reise. Zum einen finanziell und darüber hinaus bei der Vorbereitung und Organisation dieser Reise. Ich hätte diese vielen Termine nicht absprechen können. Das hat alles das Bonifatiuswerk für uns gemacht. Dafür und für die Hilfe, die wir immer wieder im Bistum Görlitz erhalten, bin ich dem Bonifatiuswerk sehr dankbar.

Zwei Klöster der Birgittinnen haben wir besucht. Wir waren auch am Grab der Heiligen Birgitta von Schweden. Auch die Konvente sind international. Es ist eine völlig andere Ortskirche als unsere – vor allem: sie wächst. Durch die vielen Flüchtlinge. Schweden ist bereit, viele Flüchtlinge aufzunehmen. Das ist die eine Quelle. Die zweite sind Konversionen aus der evangelischen Staatskirche. Diese wurde seit 2000 aufgehoben. Man wurde in Schweden durch Geburt Protestant, nicht durch die Taufe. Seitdem sinkt der Anteil der Protestanten auf derzeit auf etwa 60 Prozent, die dieser Kirche angehören wollen. 20 Konvertiten gab es allein am Osterfest in der Kirche in Stockholm.

Wir wollen wissen, wie der Religionsunterricht erteilt wird. Dieser wird ausschließlich in kirchlichen Räumen durchgeführt. Wir haben vom Samstagsunterricht gehört. Am Vormittag werden sie von den Eltern gebracht, bleiben über Mittag, mit Essen. Am Nachmittag holen die Eltern ihre Kinder wieder ab.

Weiterhin besuchten wir das Newman-Institut. Es ist in Trägerschaft des Jesuitenordens. Dort werden derzeit fünf junge Männer ausgebildet, die Priester werden wollen – für ganz Schweden. Dort studieren auch evangelische Studenten, die evangelische Pfarrer werden wollen. An der Universität in Stockholm wird nur Religionswissenschaft gelehrt.

Die schwedische Kirche hat kein hauptamtliches Personal, außer Pfarrer. Vieles geschieht über das Ehrenamt.

Die Kirche in Schweden hat einen sehr guten Ruf. Ich saß beim Kirchenkaffee am Tisch mit einem Professor aus Spanien, der einige Jahre in Schweden lebt, der dort forscht. Schwedisch kann er noch nicht. In der Messe hat er sein Smartphone dabei, verfolgt die Messtexte auf Spanisch. Die Gesänge sind zumeist auf Latein, die können viele auswendig.

Mit einer Frau aus Amerika saß ich am Tisch und mit einer Frau aus Wiesbaden. 18 Jahre lebt sie in Schweden, ist die Leiterin des einzigen katholischen Altenheims in Stockholm. Kurz nach der Wende war sie in Görlitz, in der Partnerstadt von Wiesbaden. Wir haben in den Tagen in Schweden Weltkirche pur erlebt“. Soweit der Bericht des Bischofs.

Der Pfarrer der Pfarrei Lübben, Dekan Udo Jäkel,  schildert seine Eindrücke so: „Zwei Dinge sind mir besonders aufgefallen: die schwedische Kirche ist ein Spiegel der Weltkirche: es begegneten uns Menschen aus allen möglichen Ländern: Polen, Kroaten, Äthiopier, Vietnamesen, Syrer und Iraker. Man könnte schlussfolgern: Kirche wächst, wenn Menschen aus vielen Ländern zusammenkommen. Pfingsten feiern wir so ein Ereignis, das einst in Jerusalem stattfand. Sehen wir die Menschen, die neu in unser Land kommen als Chance!

Als Zweites möchte ich nennen: bevor etwas in der Pastoral Frucht trägt, bedarf es langer Zeit der Geduld. Jesus selbst spricht ja in der Heiligen Schrift in vielfältigen Bildern von diesem langsamen Wachstum. Wir haben gesehen, wie Jesuiten über Jahre hinweg ganz klein beginnend eine nun für Schweden wichtige Zeitung geschaffen haben. Wie aus einem kleinen Priesterseminar mit fünf Alumni zukünftig ein Seminar für ganz Schweden werden soll.

Ich möchte uns darum ermuntern froh und geduldig auf die Menschen zuzugehen. Dann schenkt uns der Herr auch neues Wachstum.“

Hintergrund:

Alleine im Jahr 2013 kamen 80.000 Flüchtlinge nach Schweden. Seit Anfang 2014 sind es 3.000 pro Woche. Es gibt weitaus weniger Anfeindungen den Flüchtlingen gegenüber, als in Deutschland. Das Land ist groß – das könnte ein Grund sein.

Die katholische Kirche Schwedens ist eine arme Kirche in einem reichen Land. Vom Staat nur spärlich unterstützt, kann sie die religiöse Infrastruktur in dem großen Flächenstaat nur schwerlich finanzieren. Umso mehr ist sie auf die Unterstützung durch die deutschen Katholiken, über das Bonifatiuswerk und das Diaspora-Kommissariat, angewiesen. „Es ist für uns alle eine sehr bereichernde Reise, auf der wir stets mit großer Gastfreundschaft empfangen werden. Wir erleben ein Land mit einer enormen Internationalität. Beeindruckend ist auch, wie die Menschen hier die vielen Flüchtlinge mit offenen Armen empfangen, daran können wir uns sicher ein Vorbild, auch mit Blick auf unsere Willkommenskultur, nehmen“, beschreibt Monsignore Georg Austen seine ersten Eindrücke, die er in Schweden gewonnen hat.

 Schweden, ein Land riesigen Ausmaßes, verwöhnt durch bezaubernde Natur, mit beeindruckenden Landschaften und einem Volk, das über Jahrhunderte die Geschichte Europas entscheiden mitbestimmte. Schweden steht wie kein Land für die Verteidigung des lutherischen Glaubens auf dem Kontinent. Bis ins Jahr 1996 gehörte jedes in Schweden neugeborene Kind der evangelischen Staatskirche an. Dementsprechend klein ist die katholische Kirche in dem skandinavischen Land. Mit fast 110.000 registrierten Kirchenangehörigen machen die Katholiken gerade einmal 1,15 Prozent der Bevölkerung aus. Noch einmal so viele katholische Gläubige, so die Schätzungen, leben ohne Registrierung in Schweden.

Die große Mehrheit der Katholiken ist in das Land eingewandert oder stammt von Einwanderern ab. Das stellt die kleine Diaspora-Kirche vor besondere Herausforderungen. Denn es gilt, die Gläubigen in einer Minderheitenkirche zu integrieren, zwischen den Einwanderergruppen Brücken zu schlagen und zugleich den katholischen Christen zur Seite zu stehen, wenn sie in ihrer neuen Heimat Fuß fassen wollen. Die solidarische Unterstützung durch das Bonifatiuswerk hilft der Diasporakirche Schwedens dabei, ihren Weg in die Zukunft zu gehen.

www.bonifatiuswerk.de

Fotos: Dr. Alfred Hoffmann

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