17. August 2014

Bischof weiht den neuen Altar in der Stifts- und Wallfahrtskirche Neuzelle


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In der Sakristei der Stiftskirche Neuzelle sind am Samstagnachmittag dem 16. August letzte Absprachen zu treffen. Kaplan Markus Kurzweil hat kurz nach 14 Uhr die Ministranten in den Ablauf der „Feier der Altarweihe“ eingewiesen. Den Plan dazu hat der Liturgiebeauftragte des Bistums zuvor minutiös und detailliert ausgearbeitet. Die Ministranten stehen, wie eine kleine Armee, schauen zu Bischof Wolfgang Ipolt. Neben diesem steht Ordinariatsrat Thomas Backhaus, der Leiter der Bauabteilung des Bischöflichen Ordinariates. Er erklärt dem Bischof die Funktionsweise des Verschlusses des Reliquienträgers und wie er eingesetzt werden soll, um das Reliquiengrab im Altar zu verschließen. Bis zum Beginn des Gottesdienstes sind es noch 24 Minuten. Küster der Pfarrei ordnen die Gegenstände, die während dieses ungewöhnlichen Gottesdienstes gebraucht werden: Papiertücher, Schalen, Kunststoffdecke, die ebenso geschnitten ist wie die neue Altardecke, … liegen bereit oder werden an die vorgesehenen Stellen in der Kirche gebracht. Das ansonsten zeitaufwendige Kerzenentzünden in der großen barocken Kirche entfällt. Diese werden später, innerhalb des Gottesdienstes, entzündet. Im Gotteshaus brennt die Osterkerze. Davor steht ein Podest, darauf ein Kissen mit einer silbernen Schale.

Punkt halb Drei: Eine Glocke ertönt, die Orgel setzt ein: „Ein Haus voll Glorie schauet, weit über alle Land, aus ewigem Stein erbauet…“ singt die Gemeinde, die das Gotteshaus ausfüllt. Ein Ministrant führt den Zug mit dem Kreuz an, es folgen weitere mit Kerzen, die Ministranten für Weihrauch folgen, jedoch ohne Rauchfass, denn das wird nur zur Gabenbereitung gebraucht. Weihrauch wird während der Konsekration des Altares eine besondere Rolle spielen. Pfarrer Ansgar Florian trägt auf einer Schale die Reliquie, die in den Altar eingesetzt wird. Pfarrer Johannes Magiera hält das Evangeliar in seinen Händen. Konzelebranten, Bischof, Zeremoniar folgen. Am Ende beschließen die Ministranten, die für Stab und Mitra zuständig sind, den Zug.

Nach der Kniebeuge gehen Ministranten und Priester an ihre Plätze, ohne den Altar zu verehren. Dieser ist bisher ein Steinblock, der aus Indien stammt, über Carrara in Italien nach Dresden kam, dort bearbeitet wurde und von Steinmetzen in der Stiftskirche aufgebaut wurde. Durch die Weihe wird er zum Opferstein, zum Altar.

Bischof Ipolt begrüßt die Mitbrüder im priesterlichen Amt aus dem Bistum, sowie zwei Priester aus dem Nachbarbistum Zielona Gora/Grünberg und die mehreren hundert Gläubigen, die aus vielen Orten des Bistums nach Neuzelle gekommen sind, um diese Feier zu erleben.  Für Bischof Ipolt ist es innerhalb seiner Zeit als Bischof im Bistum Görlitz seine dritte Altarweihe. Er konsekrierte bereits nach Sanierungen der Kirchen Beeskow und Niesky die neuen Altäre. Nach der Begrüßung geht der Bischof, begleitet von zwei Ministranten und dem Zeremoniar zum Weihwassergefäß am Taufstein im Mittelgang, segnet das Weihwasser, die Orgel intoniert das „Asperges me“, Bischof besprengt die Gemeinde mit Weihwasser, geht dabei durch die Kirche.

Neben dem Altar ist auch der Ambo neu – aus demselben Steinblock geschnitten und poliert. Bischof Ipolt greift wiederum zum Aspergill, segnet den Ambo. Danach reicht der Zeremoniar dem Bischof das Lektionar, das er dem Lektor übergibt. Ein Lektor aus der Pfarrei Neuzelle verkündet als erster das Wort Gottes an diesem neuen Ambo. „Lesung aus dem Buch Genesis“ (Gen 28,11-18) Nach der zweiten Lesung übergibt der Bischof das Evangeliar an Pfarrer Florian. Halleluja, kein Weihrauch – nur Kerzen. Nach dem Evangelium predigt Bischof Ipolt vom neuen Ambo aus. Nicht weil die Kanzel inzwischen besetzt ist – darauf steht ein Kameramann, des den besseren Überblicks wegen – es ist so vorgesehen.

In seiner Predigt erinnert Bischof Ipolt an eine Atheismus-Kampagne“, bei der Busse durch einige Länder Europas fuhren mit dem Slogan: „Es ist mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit wahr, dass es keinen Gott gibt!“. Der Bischof kommt zu einem diesem Fazit: „Wer gläubig Eucharistie feiert für den ist mit ,an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit‘ klar, dass es Gott und seine Liebe wirklich gibt! Dafür sollen wir als Kirche einstehen – und wir tun dies ganz besonders, wenn wir uns zum Gottesdienst versammeln – am Sonntag, aber auch an jedem Werktag“, so der Bischof. (Hier ist vollständige Predigt nachzulesen).

Nun geht der Bischof an seinen Platz, legt Mitra und Stab ab und geht in die Mitte vor den Altar, blickt zum Volk. Glaubensbekenntnis und Fürbitten gibt es nicht, stattdessen die Allerheiligenlitanei. Darin ist beides enthalten. Mit der Allerheiligenlitanei beginnt die Weihe des Altares: „Beuget die Knie!“ Jetzt intoniert die Orgel die Allerheiligenlitanei – Kaplan Kurzweil singt sie. „Erhebet euch!“

Pfarrer Florian holt die Reliquie von Papst Johannes Paul II., übergibt sie dem Bischof. Die Konsekrationsurkunde wird zuerst vom Pfarrer unterschrieben, danach setzt Simone Wunder vom Kirchenvorstand ihre Unterschrift unter das Dokument. Mit ihr zum Altar gekommen ist ihr dreijähriger Enkel Fiete. Seiner Mutter sagte er noch am Morgen: „Ich muss heute einen Schlips umbinden“. Nachdem der Vorsitzende des Pfarrgemeinderates, Thomas Pögel, unterschrieben hat, steht Thomas Backhaus neben dem Bischof, der die Urkunde zusammenrollt. Zwei Ringe halten das Dokument zusammen. So setzt es der Bischof in die Öffnung im Altar ein, verschließt die Öffnung mit dem Bergkristall, in dem die Reliquie eingesetzt ist. Architekt Backhaus hat den Bergkristall, der aus Minas Gerais in Brasilien stammt, nicht plan schleifen lassen, sondern hohl, sodass die Reliquie nun von außen deutlich zu erkennen ist.

Der Bischof schreitet um den Altar, besprengt ihn dabei mit Weihwasser. Zu selben Zeit bereiten Küster in der Sakristei fünf Kohlen für den Weihrauchritus vor, der nach der Salbung des Altares mit Chrisam folgt. Dazu legt der Bischof sein Messgewand ab, bindet sich eine Schürze, salbt den Altar. Während er sich die Hände wäscht – ihm wird neben einer Schale mit Wasser und einem Handtuch auch eine Zitrone gereicht – werden Weihrauchschalen mit Dochten zum Altar gebracht, darauf gelegt und Weihrauchkörner darüber gestreut. Um die Dochte zu entzünden, holt Pfarrer Florian Licht von der Osterkerze und übergibt es dem Bischof, der damit die 5 Wachsdochte entzündet. Danach legt der Bischof seine Mitra ab und kniet gemeinsam mit Priestern und Ministranten auf den Stufen der neuen Altarinsel. „Komm Heiliger Geist, der Leben schafft singt dabei der Kirchenchor der Pfarrei Neuzelle, der den Gottesdienst musikalisch ausgestaltet, im Wechsel mit Gemeinde. Es folgt das Weihegebet. Die Weihrauchschalen werden vom Altar genommen, Küster säubern die Altarplatte mit Tüchern, ein Wachstuch wird auf dem Altar ausgerollt, darauf das Altartuch. Leuchter, Kerzen, Kreuz folgen. „Christi Licht leuchte auf dem Altar, es strahle wider im Leben aller, die teilhaben am Tisch des Herrn“, spricht der Bischof. Pfarrer Florian entzündet die Kerzen auf dem Altar, die Küster empfangen das Licht vom Pfarrer und entzünden alle anderen Kerzen am Hochaltar und den Seitenaltären. Bischof Ipolt feiert die erste Eucharistie, vollzieht die erste Wandlung auf dem tausende Jahre alten Stein, der zum Altar wurde.

Nach der Danksagung sagt Pfarrer Florian Dank und lädt ein zu einer Nachfeier im Pfarrgarten. „Viele Menschen haben dazu beigetragen, dass dieser Altar heute geweiht werden konnten“, sagt Pfarrer Florian und zählt einige auf: „Archäologen, Farbgestalter, Planer, die Stiftung Neuzelle, die Steinmetzen der Firma Schubert aus Dresden, die in kurzer Zeit das Werk vollendet haben. Ganz besonders danke ich Herrn Ordinariatsrat Thomas Backhaus, der heute mit seiner Frau unter uns ist und der von der ersten Minuten an, dieses Werk betreut und maßgeblich gestaltet hat“.

Nach dem feierlichen Schluss-Segen, den Bischof Ipolt erteilt, setzt die Orgel ein und begleitet das Neuzeller Wallfahrtslied, in dem es heißt:

„Du weißt, was uns im Herzen bebt an gläubigem und kühnem Wagen.
Wenn deine Hand die Schatten hebt, wird uns ein Fest der Gnaden tagen.
Dein Haus ist wie ein Lobgesang, in dem die stummen Steine beten.
All unser Bitten wird zum Dank und schweigt von seinen dunklen Nöten.“

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