Vorgängerbischöfe

Dr. Konrad Zdarsa

zdarsaKonrad Zdarsa wurde am 7. Juni 1944 in Hainichen in Sachsen als siebentes Kind des aus der Steiermark stammenden Seilers Johann Zdarsa geboren. Er erlernte den Beruf eines Drehers und studierte am Priesterseminar Erfurt katholische Theologie. Am 16. März 1974 empfing er in Dresden durch Bischof Gerhard Schaffran die Priesterweihe. Er war zwei Jahre Kaplan in Dresden-Neustadt, dann bischöflicher Sekretär und Domvikar. 1977 wurde er zum Kirchenrechts-Studium nach Rom geschickt (aufgrund der Herkunft seines Vaters besaß er die österreichische Staatsbürgerschaft). 1982 wurde er dort mit einer Dissertation über das Firmungsalter zum Dr. iur. can. promoviert. Wieder im Bistum Dresden-Meißen war er am Ordinariat, am Ehegericht, in der Seelsorge in Pillnitz und Freital und für ein Jahr als Vorsitzender des Caritasverbandes tätig. 1991 bis 2001 war er Propst in Chemnitz, dann am Ordinariat Personalreferent und schließlich seit 2004 Generalvikar. Am 24. April 2007 ernannte ihn Papst Benedikt XVI. zum Bischof von Görlitz. In der St. Jakobus-Kathedrale erhielt er am 23. Juni durch Georg Kardinal Sterzinsky die Bischofsweihe. Nach nur drei Jahren rief ihn Papst Benedikt XVI. am 8. Juli 2010 nach Augsburg, wo er am 18. Oktober das Amt antrat. Aus einem Bistum mit tiefer Diaspora stammend war er Bischof des kleinsten deutschen Bistums geworden und hat nun das Hirtenamt eines der sehr großen Bistümer zu tragen.

Rudolf Müller

Bischof Rudolf MŸllerRudolf Müller stammt aus Schmottseiffen in Niederschlesien. Dort wurde er am 24. Juni 1931 als dritter Sohn des Kaufmanns Alois Müller geboren. Nach dem Krieg kam die Familie durch die Vertreibung nach Luckau in die Niederlausitz. Hier legte Rudolf Müller das Abitur ab, um dann in Königstein im Taunus und in Erfurt katholische Theologie zu studieren. Am 17. Juli 1955 empfing er die Priesterweihe durch den Magdeburger Weihbischof Friedrich Maria Rintelen in Neuzelle. Als junger Kaplan war er für jeweils drei Jahre in dem katholischen Städtchen Wittichenau, in der sozialistischen Neubaustadt Hoyerswerda und schließlich wieder in Görlitz, nun in der Pfarrei St. Jakobus, tätig. 1964 ernannte ihn der Bischof zum Rektor des Katechetenseminars in Görlitz, zugleich war er Studentenseelsorger und Diözesankirchenmusikpfleger. 1972 wurde er Ordinariatsrat und rückte damit in die Bistumsleitung auf. Er übernahm die überörtliche Seelsorge, war also zuständig insbesondere für die Wallfahrten nach Neuzelle und Rosenthal. 1990 berief man ihn in das Domkapitel. Am 19. Mai 1987 ernannte ihn Papst Johannes Paul II. zum Titularbischof von Nasai und Weihbischof für Görlitz. Die Bischofsweihe erhielt er am 1. Juli 1987 durch Bischof Bernhard Huhn in Görlitz. Mit der politischen Wende in der DDR war eine Neustrukturierung der Kirche und damit die bereits 1972 geplante Erhebung der Apostolischen Administratur Görlitz zum Bistum möglich geworden. Am 27. Juni 1994 errichtete Papst Johannes Paul II. das Bistum Görlitz und bestimmte Rudolf Müller zum ersten Diözesanbischof von Görlitz. Mit seiner Amtseinführung am 3. September 1994 in der zur Kathedrale erhobenen bisherigen Pfarrkirche St. Jakobus wurde die Errichtung des Bistums vollendet. Knapp zwölf Jahre amtierte er und konnte die Beziehungen zum polnischen Nachbarvolk vertiefen. Zu seinem 75. Geburtstag am 24. Juni 2006 wurde er emeritiert, starb am 25. Dezember 2012 in Görlitz und wurde am 5. Januar 2013 in der Gruft an der Kathedrale beigesetzt.

Bernhard Huhn

Bischof Bernhard HuhnBernhard Huhn wurde am 4. August 1921 im niederschlesischen Liegnitz geboren. Hier konnte er 1939 ein „Kriegsabitur“ ablegen, um dann in Breslau mit dem Theologiestudium zu beginnen. Dann nahmen ihn aber die Militärzeit und die Kriegsgefangenschaft bis 1949 in Beschlag. In Königstein i. T. und in Freiburg i. Br. konnte er sein Studium der kathol. Theologie fortführen. Am 20. Dezember 1953 wurde er in Neuzelle durch Bischof Heinrich Wienken zum Priester geweiht. Zunächst war er zwei Jahre Kaplan in Görlitz an St. Jakobus, dann 1955 bis 1959 Diözesanjugendseelsorger. 1959 berief ihn der Kapitelsvikar Piontek zum Rektor des Katechetenseminars in Görlitz. Zugleich war er bischöfl. Zeremoniar und am Konsistorium als Assessor tätig. 1964 wurde er Ordinariatsrat und 1967 päpstl. Ehrenkaplan. 1968 erhielt er die Ernennung zum Domkapitular des Metropolitankapitels zum Hl. Johannes. Er war der letzte Domkapitular des eigentlich in Breslau residierenden, seit 1945 aber in Görlitz ansässigen Domkapitels, das 1972 mit der Neuumschreibung des Erzbistums Breslaus einging. Als der Görlitzer Ordinarius Gerhard Schaffran 1970 auch die Leitung des Bistums Meißen übernehmen sollte, berief er Bernhard Huhn zu seinem Generalvikar für das Görlitzer Kirchengebiet. Ein gutes Jahr später erfolgte die Ernennung zum Titularbischof von Tasaccora und zum Weihbischof für Görlitz. Die Weihe erhielt er am 11. Dezember 1971 durch Bischof Gerhard Schaffran in Görlitz. Im Jahr 1972 wurde das bisherige deutsche Erzbistum Breslau als nunmehriges polnisches Bistum neu umschrieben und der deutsch gebliebene Restteil zu einer eigenen Diözese erklärt. Da eine Erhebung zum Bistum Görlitz politisch nicht durchsetzbar war, erhielt diese Diözese die amtliche Bezeichnung „Apostolische Administratur Görlitz“. Bernhard Huhn wurde mit allen Rechten eines Diözesanbischofs „Apostolischer Administrator von Görlitz“. Als solcher verwaltete er den Diözesanbezirk und baute Brücken zum polnischen Nachbarn auf. Am 27. Juni 1994 verkündete der Vatikan die Errichtung des Bistums Görlitz. Da Bischof Bernhard Huhn mit seinen 73 Jahren schon im vorgerückten Alter war und einen gesicherten Aufbau des Bistums sehen wollte, nahm der Papst sein Rücktrittsgesuch an. Er ernannte ihn aber noch für die Übergangszeit zum Apostolischen Administrator des neu zu errichtenden Bistums Görlitz. Mit der Amtseinführung seines Nachfolgers am 3. September 1994 konnte Bernhard Huhn in den Ruhestand gehen. Nachdem die Gläubigen des Bistums ihn auf der Bistumswallfahrt am 2. September 2007  in Neuzelle noch einmal erleben durften, verstarb er am 14. September 2007 in Görlitz und wurde am 18. September in der Gruft an der St. Jakobus-Kathedrale beigesetzt.

Gerhard Schaffran

Bischof Gerhard SchaffranGerhard Schaffran wurde am 4. Juli 1912 als Sohn eines Lehrers in Leschnitz in Oberschlesien geboren. Er besuchte zunächst ein Gymnasium in Berlin, legte das Abitur in Görlitz ab und studierte katholische Theologie in Breslau. Nach seiner Priesterweihe am 1. August 1937 durch Kardinal Bertram war er Kaplan in Breslau, dann aber Sanitätssoldat und Divisionspfarrer. 1945 folgte er seinen Soldaten freiwillig in die sowjetische Kriegsgefangenschaft, die er fünf Jahre durchhalten musste. 1950 kam er zurück, wurde Kaplan in Cottbus und 1952 Rektor des Katechetenseminars in Görlitz, einer Bildungsstätte für junge Katholiken. Ab 1959 gab er den angehenden Geistlichen im Priesterseminar Neuzelle Unterweisung in Homiletik. Am 24. November 1962 wurde Gerhard Schaffran zum Bischof ernannt und erhielt die Bischofsweihe am 22. Januar 1963 vom Berliner Bischof Alfred Bengsch. Er war Weihbischof in Görlitz und Helfer des hochbetagten Kapitelsvikars Ferdinand Piontek. Nach dessen Tod übertrug das Domkapitel dem Weihbischof Gerhard Schaffran am 8. November 1963 mit dem Amt des Kapitelsvikars die Interimsleitung des Erzbistums Breslau, wobei seine Jurisdiktion aus politischen Gründen auf die Gebiete links von Oder und Neiße beschränkt war. Dieses Amt erlosch mit der päpstlichen Neuumschreibung des Erzbistums Breslau am 28. Juni 1972. Parallel zu seinem Görlitzer Amt war er am 12. September 1970 zum Bischof des Bistums Meißen ernannt worden. Am 23. September 1970 erfolgte die Inthronisation am Sitz des Bischofs in Bautzen. 1980 verlegte er den Bischofssitz nach Dresden und erreichte die Umbenennung des Bistums in Bistum Dresden-Meißen. 1980 bis 1982 war er Vorsitzender der Berliner Bischofskonferenz. Zum 1. August 1987 nahm der Papst seinen Rücktritt an. Gerhard Schaffran verstarb am 4. März 1996 und wurde in der Gruft der Dresdner Kathedrale St. Trinitas, der bisherigen Hofkirche, beigesetzt.

Dr. Ferdinand Piontek

Bischof Ferdinand PiontekFerdinand Piontek wurde am 5. November 1878 im oberschlesischen Leobschütz geboren. Sein Vater war als Gutsverwalter an verschiedenen Orten tätig und ließ sich 1889 in Ratibor nieder. Hier besuchte Ferdinand Piontek das Gymnasium und studierte dann in Breslau 1899 bis 1902 Philosophie und katholische Theologie. Am 20. Juni 1903 empfing er die Priesterweihe in Breslau durch Bischof Georg Kardinal Kopp. Der Bischof schickte ihn als Kaplan in die brandenburgische Diaspora, wo Ferdinand Piontek Kaplan in Orten tätig war, die heute zum Erzbistum Berlin gehören. Zugleich verfasste er seine Dissertation über ein Thema der frühen Kirchengeschichte, mit der er 1907 zum Dr. theol. promoviert wurde. 1910 bis 1921 war er Pfarrer der weiten Diasporapfarrei Köslin in Pommern und zugleich Militärseelsorger. 1921 rief ihn das Domkapitel nach Breslau, wo er als Dompfarrer, Domprediger, Kurator für Ordensschwestern, Leiter des diözesanen Bonifatiuswerks, Verwaltungsdirektor und schließlich als Domdechant tätig war. Im Frühjahr 1945 musste er sich auf die Flucht begeben und kam meist zu Fuß über Görlitz nach Leitmeritz und im Sommer wieder nach Breslau zurück. Gesundheitlich schwer mitgenommen, musste er erfahren, dass er nach dem Tod von Kardinal Bertram vom Domkapitel am 16. Juli zum Kapitelsvikar, also zum Interimsverwalter des großen Erzbistums gewählt worden war. Einen Monat später traf am 12. August der polnische Kardinal Hlond in Breslau ein und verlangte von ihm den Amtsverzicht auf die unter polnischer Verwaltung stehenden Gebiete. Dennoch konnte er noch ein Jahr in Breslau verbleiben. Im Juli 1946 verließ er Breslau und hielt sich dann in Peine bei Hannover auf, bis er am 17. März 1947 nach Görlitz kam. Hier waren bereits Breslauer Geistliche tätig, die für den deutsch gebliebenen Restteil des Erzbistums eine neue Kirchenverwaltung aufgebaut hatten. Von Görlitz aus verwaltete er nun das Breslauer Restbistum. Im hohen Alter von 80 Jahren wurde er zum Bischof ernannt und erhielt die Bischofsweihe am 24. Juni 1959 durch Bischof Otto Spülbeck. Trotz seines hohen Alters versah er sein Amt mit Umsicht. Am Allerseelentag 1963 verstarb er in Görlitz.

Adolf Kardinal Bertram

bertramAdolf Bertram wurde am 14. März 1859 in Hildesheim geboren am 31. Juli 1881 zum Priester geweiht. 1883 und 1884 wurde er zum Dr.theol. und Dr.iur.can. promoviert und arbeitete in der Diözesanverwaltung. 1894 wurde er Domkapitular und 1905 Generalvikar. 1906 ernannte ihn der Papst zum Bischof von Hildesheim. Die Bischofsweihe spendete ihm der Breslauer Fürstbischof, Georg Kardinal Kopp. Acht Jahre später wurde er dessen Nachfolger als Fürstbischof von Breslau, der damals größten deutschen Diözese. 1916 wurde er zum Kardinal kreiert, was aber erst 1919 veröffentlicht wurde. Adolf Bertram war von kleiner, schmächtiger Gestalt, aber ein Mensch mit ungeheurer Arbeitskraft. Daher war sein Charakter sehr nüchtern und nicht sehr gesellig. So wurde er auch kein Prediger. Er arbeitete mehr mit Hirtenbriefen und schriftlichen Darstellungen. Eine erste große Belastungsprobe für das Bistum und für ihn war die Abtrennung Oberschlesiens. Kardinal Bertram verteidigte und förderte den Gebrauch der Muttersprache, auch der polnischen, bei Predigt und Unterricht, aber sein Verbot der politischen Agitation des Klerus brachte ihm schweres Missfallen des polnischen Klerus ein. Nach der Abtrennung Ostoberschlesiens als Bistum Kattowitz 1922 wurde 1930 der sogenannte Delegaturbezirk 1930 als Bistum Berlin abgetrennt. Das geschah im Zusammenhang mit der Errichtung der ostdeutschen Kirchenprovinz, bei der Breslau zum Erzbistum erhoben wurde. Seit 1919 war Kardinal Bertram zugleich auch Vorsitzender der Fuldaer Bischofskonferenz und damit der führende Kopf der Katholiken in Deutschland. In der dann heraufziehenden Zeit des Nationalsozialismus bot er – aus der Sicht der Nachgeborenen – nicht genügend Widerstand. Aber er hatte nicht die Stimme und nicht den Rückhalt, um wie der „Löwe von Münster“ auftreten zu können; sein Widerstand lag in stillen, schriftlichen Eingaben auf der Ebene des Rechts. Die aber trafen in einer Zeit der Gewalt und des Terrors auf taube Ohren. Im Januar 1945 musste er Breslau verlassen und zog sich auf das Schloss Johannesberg im tschechischen Bistumsteil zurück. Wohl niedergedrückt vom Schicksal seiner Bischofsstadt verstarb er hier im Alter von 85 Jahren am 6. Juli 1945 und wurde unterhalb des Schlosses in Jauernig bestattet. Erst 1991 wurde sein Leichnam nach Breslau überführt und am 9. November 1991 in der Kathedrale feierlich beigesetzt. Er war der letzte deutsche Bischof des großen Erzbistums Breslau.