13. Januar 2018

Religiös – oder doch lieber christlich?! lautet das Thema beim Neujahrsempfang von Bischof Ipolt

Mit einem Musikstück, Opus 117, von Felix Mendelssohn Bartholdy, gespielt von Ellen Letzel am Fagott und  Diözesankirchenmusikdirektor Thomas Seyda am Flügel, beginnt am 13. Januar um zehn Uhr im St. Otto-Stift  in Görlitz der Neujahrsempfang von Bischof Wolfgang Ipolt.

Generalvikar und Dompropst Dr. Alfred Hoffmann, begrüßt im Namen des Bischofs die Gäste, unter ihnen die Religionslehrer aus dem Bistum. Sie und ihre Arbeit hat der Bischof besonders in den Fokus dieses Empfangs gestellt. Der Generalvikar äußert sich in seiner Begrüßung unter anderem zu den aktuellen Problemen in der Region: „Aktuell mit Siemens und Bombardier in Görlitz, mit dem Waggonbau in Niesky und mittelfristig mit der Förderung und Nutzung von Braunkohle in der Lausitzer Region verbinden sich große Sorgen und Nöte zahlreicher Menschen sowie unserer Städte und Gemeinden als Ganze, weil die wirtschaftliche Existenz tausender Familien bedroht scheint. Marktwirtschaft und besonders durch die Energiewende bedingter Strukturwandel schaffen Ängste und reale Existenznöte. Globales ökonomisches Handeln und soziale Verantwortung vor Ort gelangen immer mehr in eine schmerzhafte Zerreißprobe. Hier gilt es gemeinsam mit Politik und Wirtschaft kreative Lösungen zu finden, Lösungen, die auf dem Fundament einer jahrzehntelang bewährten Sozialen Marktwirtschaft den Zusammenhalt in unserer Gesellschaft stärken. Als Kirche unterstützen wir die politischen Verantwortungsträger in dieser schweren Verantwortung…“

Vor den ersten Grußworten ist der Jugendchor der Kathedrale St. Jakobus unter Leitung von Diözesankirchenmusikdirektor Thomas Seyda mit dem Lied: „In the bleak midwinter“ von Andrew Carter zu hören.

Dr. Martina Münch, Ministerin für Wissenschaft, Forschung & Kultur des Landes Brandenburg blickt „mit großer Aufmerksamkeit“ auf Neuzelle, im 750. Gründungsjubiläum des Zisterzienserklosters. Die Ministerin dankt dem Bistum dafür, dass er mit der Einladung von Bischof Ipolt an die Mönche  die Möglichkeit eröffnet hat, dass in diesem Jahr ein Filialkloster von Heiligenkreuz, bei Wien, errichtet werden kann. Sie  sieht es als „eindrucksvolles Zeichen – gerade in der Diaspora – dass an diesem Wallfahrtort wieder Mönche leben und arbeiten“. Die Ministerin weist auf viele Aktivitäten hin, die noch zu leisten sind: „Gebäude müssen hergerichtet und bestehende Nutzungen mit den Bedarfen der mönchischen Ansiedlung koordiniert werden. Aber, es ist ein lohnendes Unterfangen – und als Land wollen, werden wird das, was in unseren Mögichkeiten liegt, dazu beitragen“, sagt Frau Dr. Münch und: „Mit gutem Willen und der Tatkraft der Beiteiligten wird das Vorhaben gelingen – und Neuzelle als kulturelles, spirituelles und touristisches Zentrum eine neue Dimension und Wirkkraft erreichen“. Über Neuzelle hinaus äußerte sich die Ministerin zum Ausbau erforderlicher gemeinsamer Anstrengungen, um die „Lausitz in ihrem wirtschaftlichen Strukturwandel voranzubringen. Dazu gehört die Stärkung der Wissenschaft, wirtschaftliche, infrastrukturelle und touristische Vorhaben und vieles mehr. Ganz entscheidend ist: Der Strukturwandel wird von der Zivilgesellschaft begleitet. Dabei sind die Kirchen eingeladen, sich einzubringen“. Die Ministerin dankt den Kirchen für deren Engagement.

Der Landrat des Landkreises Görlitz, Bernd Lange, äußerte sich erfreut darüber, dass er „überall auf die Hilfe der Kirche zählen und sich auf sie verlassen kann“ und dankt für deren Tun.   Dies sieht  der Oberbürgermeister der Stadt Görlitz, Siegfried Deinege ebenso. Er hebt besonders den Schulterschluss der Kirchen mit den Menschen hervor, die bei Siemens und Bombadier derzeit um ihre Arbeitsplätze bangen und ruft zur Teilnahme an der Demonstration auf, die am 19. Januar auf dem Görlitzer Obermarkt stattfinden wird. „Diese Region muss sich melden!“, sagt er und weist auf die Gespräche hin, die nicht nur er derzeit in Görlitz, Berlin und München führt.

Auch der Generalsuperintendent der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg – schlesische Oberlausitz, Martin Herche, geht auf das Thema ein, was viele Görlitzer derzeit am meisten beunruhigt: „Allen, die sich um ihre Arbeitsplätze sorgen, gehört unsere Solidarität. Ihr Schicksal ist auch unser Schicksal. Ihr Stolz ist auch unser Stolz. Görlitz und Niesky, wie überhaupt die ganze Region profitieren von den Leistungen und der Wertschöpfung dieser wichtigen Industriestandorte. Wir gehören zusammen. Jeder in Deutschland soll wissen: die Lausitz hat viel zu bieten. Aber wir lassen uns nicht alles bieten. Wir erwarten von den verantwortlichen Entscheidern  Fairness und Augenmaß. Die zu treffenden Endscheidungen dürfen dem sozialen Frieden nicht entgegenstehen.  Dafür setzen wir uns auch als Kirchen ein“, so der Generalsuperintendent. Sein Grußwort ist hier im Wortlaut.

Generalvikar Dr. Hoffmann begrüßt mit den folgenden Worten „unseren lieben Freund, Dekan Maciej Wesołowski aus Zgorzelec. Eine fest verwurzelte tiefe Freundschaft verbindet das Bistum Görlitz mit dem polnischen Nachbarbistum Liegnitz und insbesondere mit den Priestern und Gläubigen in Zgorzelec. Als Zeichen dieser herzlichen Verbundenheit werden wir in diesem Jahr wieder die gemeinsame deutsch-polnische Fronleichnamsprozession halten. Bischof Zbigniew Kiernikowski aus Liegnitz und unser Bischof Wolfgang Ipolt werden dieser Feier vorstehen. Wir werden dann von Zgorzelec über die Brücke des heiligen Papst Johannes Paul II. zur Pfarrkirche Heilig Kreuz in Görlitz gehen. So überschreiten wir Grenzen, die uns nicht trennen sollen.“

Hartmut Schirmer, der Vorsitzende des Diözesanrats der Katholiken im Bistum Görlitz, äußert sich in seinem Grußwort am Anfang zur Ökumene: „Im vorigen Jahr hatte ich an dieser Stelle von der immer wieder notwendigen Veränderung gesprochen und das Reformationsgedenken als Anlass genommen, diese Veränderungsnotwendigkeit auch für die Kirche immer wieder an- und einzumahnen. Und damit hatte ich nicht nur die Kirche als Organisation gemeint, sondern uns alle als die lebendigen Steine, aus denen diese Kirche gebaut ist. Insbesondere galt es natürlich auch, bei den ökumenischen Bestrebungen neue Wege zu gehen und die eine oder andere Verkrustung aufzubrechen“. Weiterhin ging er, neben dem Katholikentag im Mai in Müster auf zwei Jubiläen im Bistum ein, das 750. Gründungsjahr des Klosters Neuzelle und das 25. des Diözesanrates. Sein Grußwort steht hier im Wortlaut.

Nach einem weiteren virtuosen Zusammenspiel zwischen dem Fagott und Klavier beim „Allegro molto vivace“ aus den Fantasiestücken, Op. 43 von Niels Wilhelm Gade, folgt die Ansprache zum Neuen Jahr von Bischof Wolfgang Ipolt. Er sieht zu Beginn seiner Ansprache „eine Zeit kommen, in der wir auf die Frage ,Sind Sie religiös?‘ antworten müssen: ,Nein. Ich bin nicht religiös. Ich bin ein Christ.‘ Das klingt zunächst etwas provokativ. Aber was ich damit meine, möchte ich anlässlich meines Neujahrsempfangs ein wenig erläutern“. Er tut es unter den Überschriften:

Im dritten Punkt geht der Bischof besonders auf den Berufsstand der Religionslehrer ein, von denen viele aus dem Bistum seiner Einladung zum Neujahrsempfang gefolgt sind.

Da mitunter bei den Schülern „eigene Erfahrungen mit dem Glauben“ fehlen, sind „Menschen in der Vermittlung des Glaubens wichtiger als Bücher“, so der Bischof und: „Es geht in diesem Unterricht ja um eine Wahrheit, die mich existentiell angeht.  Darum ist hier nicht zuerst der kluge Dozent gefragt, sondern der wahrhaftige Zeuge“. Die vollständige Ansprache von Bischof Ipolt steht hier.

Der Jugendchor leitet mit dem Lied „Cantique de Jean Racine“ von Gabriel Fauré zum zweiten Teil des Neujahrsempfang über, zu Begegnungen und Gesprächen.

 

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