4. September 2017

Bistumswallfahrt: Von Anweisungen aus dem Navi, angekommenen Mönchen und Gottes Willen

Seit Jahrzehnten ist die jährliche Wallfahrt der Gläubigen des Bistums Görlitz nach Neuzelle ein Höhepunkt. Bischof Wolfgang Ipolt lädt dazu jeweils einen besonderen Gast ein. In diesem Jahr kam Bischof Dr. Gregor Maria Hanke fast 600 Kilometer aus Eichstätt und half Bischof Ipolt und seinem Seelsorgeteam dabei, den etwa 1600 Wallfahrern durch seinen Vortrag und die Predigt in der Wallfahrtsandacht dabei, „Gemeinsam den Spuren Christi folgen“ – wie das Wallfahrtsthema lautet. Bischof Ipolt fragt in seiner Predigt beim Wallfahrtsgottesdienst wem Menschen folgen. Als erstes würden sie den Anweisungen aus dem Navigationsgerät im Auto folgen. „Wir geben ein Ziel ein und verlassen uns darauf, dass wir es mit Hilfe dieser technischen Erfindung auch erreichen. Manchmal bin ich versucht, zu denken: Wenn das doch sonst im Leben auch so einfach wäre wie bei einer Autofahrt – dass man einfach das Ziel “eingibt” und es läuft alles wie von selbst. Aber nein – so hat Gott unser Leben nicht gedacht. Und ich finde, das ist auch gut so. Er hat uns mit Freiheit und Fantasie beschenkt, mit Kreativität und Sehnsucht. Das alles nämlich braucht es, um das Ziel des Lebens zu erreichen“, sagte der Bischof unter anderem. Die Predigt im Wortlaut ist hier.

Gott zu loben, ihm zu danken, ihn in verschiedenen Anliegen zu bitten, das war – wie in den Jahren – zuvor konstant und stand unverrückbar auch an diesem Tag ganz oben auf der Werteskala. Dies wurde beispielsweise bei der Gabenprozession deutlich. Neben dem Wallfahrtsopfer, das Vertreter der Gemeinden zum Altar bringen, haben Gläubige Kerzen angefertigt, die vor der Statue „Unserer lieben Frau von Neuzelle“ – der Gottesmutter mit ihrem Sohn – entzündet und aufgestellt werden. Dieses Licht kommt jeweils zu dem hellen, bereits von Weihrauchschwaden durchwobenen Licht in der Stiftskirche dazu.  Und doch war nicht alles wie immer – gab es am vorigen Sonntag einen Lichtstrahl mehr. Nachdem vor 200 Jahren das Zisterzienserkloster aufgelöst wurde, konnte Bischof Ipolt vier Zisterzienser von Heiligenkreuz, bei Wien, begrüßen, die in Neuzelle wieder zisterziensisches Leben einziehen lassen wollen. Der Bischof dankte in der Wallfahrtsandacht den Mönchen von Heligenkreuz, besonders Abt Dr. Maximilian Heim, der dies maßgeblich ermöglicht hat. Die Gründung des Klosters soll erst nächstes Jahr geschehen. „Eine Vorhut ist schon angekommen – ich nenne sie mal die Kundschafter. Wie sie hier Gott bezeugen können, durch ihr Gebet, ihre Präsenz, ihre Offenheit den Menschen gegenüber, die Fragen nach dem Mehrwert im Leben haben“, sagte Bischof Ipolt. Abt Maximilian Heim aus Heiligenkreuz sagte: „Es ist für mich sehr bewegend gewesen, dass Ihr Pfarrer Ansgar Florian, als wir zum ersten Mal hierher gekommen sind, gesagt hat ,Es ist wie eine Gebetserhörung‘. Ich empfinde es auch so. Und ich bin Bischof Wolfgang dankbar, dass er sich hat nicht abweisen lassen in dem Bemühen für diese Klosterwiederbesiedlung. Ich bin der festen Überzeugung, dass es der Wille Gottes ist, dass nun wieder täglich in dieser wunderbaren Kirche das Stundengebet durch die Mönche gebetet wird“, sagte der Abt.

Kurz vor seiner Abreise überlegte Bischof Hanke laut, eine Wallfahrt aus seinem Bistum nach Neuzelle, „falls die Zisterzienser wurzeln“ würden. Daran zweifelt im Bistum Görlitz kaum einer.

Ein Kamerateam des rbb (Rundfunk Berlin-Brandenburg) war Wallfahrtstag in Neuzelle. Am Abend erschien bereits dieser Bericht. Und, wie zu hören war, wird es nicht der letzte über das Geistliche Zentrum Neuzelle sein.

 

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